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Winterthurer tüfteln an treppensteigenden Rollstuhl

Für Pionierpreis nominiert

Winterthurer tüfteln an treppensteigenden Rollstuhl

Jungunternehmer haben einen Rollstuhl entwickelt, der Stufen steigen kann. Nun arbeiten sie in Winterthur an einem Serientyp, der nächstes Jahr auf den Markt kommen soll.

Michael
Hotz
Mittwoch, 28. Februar 2018, 13:38 Uhr Für Pionierpreis nominiert

Treppen sind für Rollstuhlfahrer ein nicht oder nur sehr mühsam überwindbares Hindernis. Das Start-up Scewo AG in Winterthur will dies ändern. Ein junges Team aus Abgängern der ETH und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ist daran, ein verkaufsfähiges Modell eines treppensteigenden Rollstuhls zu entwickeln. Erst gerade kürzlich wurde das Jungunternehmen zu einem der drei Finalisten des ZKB-Pionierpreises des Technoparks Zürich erkoren (siehe Box).

Start als Hochschulprojekt

Alles begann 2014 als hochschulübergreifendes Projekt zwischen der ETH und der ZHdK. Zehn Studenten kamen dafür zusammen. Künftige Maschinenbauingenieure trafen auf angehende Industriedesigner. «Das Ziel war zuerst, einen Roboter zu bauen, der Treppen besteigen kann. Uns interessierte die Technik davon», erzählt Pascal Buholzer, Mitgründer und Technischer Direktor der im Spätsommer 2017 ins Leben gerufene Scewo AG.

Preisvergabe am 8. Mai
Zusammen mit der Daedalean AG und der Myoswiss AG aus Zürich ist das Winterthurer Start-up Scewo AG für den ZKB-Pionierpreis des Technoparks Zürich nominiert. Auf den Sieger wartet der 10 000-fache Wert der Zahl Pi im Quadrat, also knapp 100 000 Franken. Der Zweitplatzierte erhält Fr. 9869.60. Der Innovationspreis wird am Dienstag, 8. Mai, vergeben.

Dann hatte der heutige Firmenchef Bernhard Winter die springende Idee: Ein treppensteigender Rollstuhl wäre viel besser als ein Roboter mit dieser Fähigkeit. So machten sich die zehn Studenten – darunter war auch der dritte Scewo-Gründer Thomas Gemperle – daran, einen Prototyp zu erstellen. Neun Monate bastelten sie daran, dann war er fertig.

Internetvideo ging viral

Eigentlich sollte es bei diesen Studienprojekt bleiben. Eine Firma zu gründen war laut Pascal Buholzer nie der Plan. Doch dann stellten die Entwickler ein Video des ersten Prototyps ins Netz. Die Rückmeldungen waren gewaltig: «Der Film wurde rund zwei Millionen Mal angeschaut. Wir bekamen sehr viel Feedback.»

Ein neueres Video von Scewo über ihren neusten Prototyp. (Quelle: Youtube/Scewo)

Also blieben Bernhard Winter, Pascal Buholzer und Thomas Gemperle dran, gründeten das Start-up und schlossen parallel ihr Studium ab. 2016 erstellten sie mit anderen Studenten einen überarbeiteten Prototyp. Am Cybathlon in Zürich wurde er einem grösseren Test ausgesetzt. Doch am Wettkampf für Menschen mit Behinderungen, unterstützt von neuesten Assistenzsystemen, funktionierte gar nichts. «Wir belegten beim Hindernisparcours den letzten Platz. Der Rollstuhl lief leider nicht», so Pascal Buholzer. Trotzdem seien die Rückmeldungen gut gewesen. Die Entwickler fanden den Grund für die technischen Probleme und merzten diese aus.

Ähnlich wie bei einem Segway

Im Gegensatz zu herkömmlichen Elektro-Rollstühlen, basiert das Scewo-Modell auf einem selbstbalancierenden System – ähnlich wie bei einem Segway, nur dass der Rollstuhl Gewichtsverlagerungen bloss ausgleicht, um an Ort und Stelle stehen zu bleiben. Gesteuert wird nämlich mit einem Joystick.   Dies macht ihn agiler als die Konkurrenzprodukte. Mittels Handy-App kann bei einer Treppe in den Raupenmodus gewechselt werden. Wie ein Panzer werden so die Stufen rauf- oder runtergefahren.

Pascal Buholzer führt eine Treppenfahrt vor. (Handyvideo: Michael Hotz)

Bis zur serienmässigen Produktion, die im dritten Quartal 2019 erfolgen soll, werden die Zuverlässigkeit und die Alltagstauglichkeit des Rollstuhls verbessert. «Auch tüfteln wir noch am Sitz. Er bekommt noch einige Zusatzfeatures», verrät Pascal Buholzer. Sobald der Vorserientyp fertig ist, kann auch dieser getestet werden. In Sommer soll es soweit sein.

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