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Winterthurer Nationalrätinnen

Rickli und Meyer äussern sich zur Gleichstellungs-Debatte

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Dann rückt das Thema Gleichberechtigung in den Fokus. Die Meinungen der Politikerinnen Mattea Meyer (SP) und Natalie Rickli (SVP) zeigen, wie kontrovers die Thematik auch heute noch ist.

Tina
Schöni
Freitag, 03. März 2017, 16:41 Uhr Winterthurer Nationalrätinnen

Wie steht es um die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Schweiz? Gibt es bezüglich dieser Thematik nach wie vor Handlungsbedarf? Und wann ist Gleichstellung eigentlich erreicht? Diese und andere Fragen rücken am Internationalen Frauentag am Mittwoch, 8. März, wieder in den Fokus. SVP-Nationalrätin Natalie Rickli und SP-Nationalrätin Mattea Meyer beziehen Stellung zum Thema. Die Ansichten der beiden Winterthurerinnen zu Sexismus, Lohngleichheit und Frauenquote könnten nicht gegensätzlicher sein.

Natalie Rickli: «Die Gleichstellung ist erreicht»

Für die SP-Politikerin Mattea Meyer ist der Weltfrauentag von grosser Bedeutung. «Wir leben nach wie vor in einer sexistischen Gesellschaft, in der die Geschlechter unterschiedlich bewertet werden», betont die 29-Jährige. Mit ihrer Aussage spielt sie auch auf eigene Erfahrungen mit Sexismus an. Unter dem Hashtag #SchweizerAufschrei hat sie ihre Erlebnisse 2016 auf Social Media mit der ­Öffentlichkeit geteilt. «Dar­auf habe ich unzählige Hass-Mails erhalten. Ich frage mich wirklich, in welcher Gesellschaft wir leben, in der ein solcher Frauenhass möglich ist.»

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Anders sieht es die Winterthurer SVP-Politikerin und Nationalratskollegin Natalie Rickli. Für sie ist der Internationale Frauentag überflüssig. «Die Gleichstellung ist längst erreicht. Es erstaunt mich, dass die linken Frauen in der Vergangenheit verharren, statt für die Zukunft zu politisieren. Gerade in Zeiten, wo sowohl Bürgerinnen wie auch Bürger so viel mitbestimmen können wie in keinem anderen Land.»

 

Zwar verurteile sie Sexismus, die Aktion mit dem Hashtag #SchweizerAufschrei bezeichnet Natalie Rickli allerdings eher als peinliche Aktion. Sie findet dafür wenig schmeichelhafte Worte: «Linke Frauen fühlen sich offenbar schon belästigt, wenn sie ein Kompliment erhalten. Das ist absurd. Und die gleichen Frauen lehnen Vorstösse vom Parlament ab, die Sexualstraftäter härter bestrafen wollen.» Ein Widerspruch, wie die 40-Jährige findet.

 

Mattea Meyer: «Wir haben eine Lohnungleichheit»

Ein wichtiges Thema, wo in der Schweiz noch keine Gleichberechtigung herrscht, ist für Mattea Meyer die Lohndebatte. «Der Anspruch auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit ist zwar im Gesetz verankert, real haben wir trotzdem Lohnungleichheit. Nach wie vor haben Frauen im Durchschnitt am Ende des Monats 1000 Franken weniger im Portemonnaie als Männer.» Solange die Lohngleichheit nicht erreicht sei, «braucht es auch keine Anhebung des Frauenrentenalters», hält sie fest.

 

Natalie Rickli bezieht diesbezüglich eine andere Position. Für sie existiere Lohngleichheit schon. «Ich kenne niemanden, der einer Frau weniger Lohn gibt, weil sie eine Frau ist.» Stattdessen würden sich Lohnunterschiede unter anderem aus Ausbildung, Erfahrung und Engagement ergeben. «Es ist unverständlich, dass gerade diejenigen, die nach Gleichstellung schreien, das Rentenalter 65 für Frauen ablehnen», kritisiert sie.

 

Die Einführung einer Frauenquote lehnt Natalie Rickli ab. «Welche Frau will eine Quotenfrau sein? Man will doch wegen seiner Leistungen etwas erreichen, nicht wegen des Geschlechts», gibt die Nationalrätin zu bedenken. Auch hier beziehen die beiden Winterthurerinnen gegensätzliche Positionen. Mit der Frauenquote könne den Frauen mehr Gehör verschafft werden, ist sich Mattea Meyer sicher. «Dazu ist die Quote auch gut, weil sie eine Diskussion provoziert», fügt sie hinzu.

 

Es bleibt ein strittiges Thema

Im Endeffekt zeigen die Ansichten der beiden Winterthurer Politikerinnen vor allem eins: Die Gleichstellung ist in der Schweiz weiterhin ein strittiges Thema.

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