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Winterthurer Start-up Vatorex

Mit Innovation das Bienensterben bekämpfen

Das Winterthurer Start-up Vatorex hat ein revolutionäres System entwickelt, das die
Varroamilbe bekämpft. Für den Geschäftsleiter Pascal Brunner eine wichtige Innovation für die nachhaltige Bienenzucht.

Annalena
Schmid
Mittwoch, 14. März 2018, 09:20 Uhr Winterthurer Start-up Vatorex

Willi Brunner ist seit über 50 Jahren Bienenzüchter. Er weiss, dass die Varroamilben den Imkern besonders Sorgen bereitet. Der Parasit, der in praktisch jedem Bienenvolk vorkommt, wird zum Problem, wenn die Population eine gewisse Grösse erreicht. 

«Nach mehreren erfolgreichen wissenschaftlichen Versuchen wussten wir, dass das Konzept funktioniert.»

Pascal Brunner, Geschäftsführer von Vatorex

«Das Bienensterben ist ein komplexer Vorgang, viele Faktoren spielen eine Rolle. Die Varroamilbe ist aber der gewichtigste», sagt Pascal Brunner, Sohn von Willi Brunner. 

Nachhaltige Bekämpfungsmethoden

Sein Vater sah Handlungsbedarf und suchte nach einer nachhaltigen Bekämpfungsmethode gegen die Milbe. Bis anhin wird die Varroamilbe mit Ameisen- oder Oxalsäure bekämpft. «Diese Behandlung schadet aber sowohl dem Bienenvolk als auch dem Imker», erklärt Pascal Brunner. Die Methode wird selbst zu einem Grund für das Bienensterben. Das wollte Willi Brunner verhindern. Mit seinem Sohn entwickelte er eine Wabe, die durch einen eingebauten Heizdraht auf 41 Grad Celsius erhitzt wird und so die Milben abtötet, den Bienen aber keinen Schaden zufügt. 

Die Wabe wird mit einem Heizdraht erwärmt. Das sorgt für das Absterben der Varroamilbe. (Foto: PD)

«Nach mehreren erfolgreichen wissenschaftlichen Versuchen wussten wir, dass das Konzept funktioniert.» Die Idee entwickelte sich weiter zu einem Projekt, an welchem sich auch Renato Cortesi, Elektroingenieur, beteiligte. Zusammen gründeten sie 2016 das Start-up Vatorex. 

Erfolgreiche Weiterentwicklung

Das Unternehmen ist mittlerweile auf sechs Mitarbeitende angewachsen und bietet bereits die dritte Generation des Vatorex-Systems an. Damit das Produkt autark funktionieren kann, erfolgt die Stromzufuhr über Solarzellen, die auf dem Dach des Bienenhauses angelegt sind. Schon über 60 Kunden aus der Schweiz und dem Ausland sind überzeugt von der Innovation der Winterthurer. 

«Das Bienensterben ist ein komplexer Vorgang, viele Faktoren spielen eine Rolle. Die Varroamilbe ist aber der gewichtigste»

Pascal Brunner, Geschäftsführer von Vatorex

Das Vater-Sohn-Gespann ergänze sich laut Geschäftsführer Pascal Brunner super. «Mein Vater ist der Praktiker, der alle Gegebenheiten in der Bienenzucht kennt. Ich habe durch mein ETH-Studium den wissenschaftlichen Hintergrund.» Der Erfolg des jungen Unternehmens wird durch mehrere Auszeichnungen unterstrichen. So gewann Vatorex den Umweltpreis oder Venture Kick, ein renommierter Wettbewerb für Start-ups.

Grosse Ziele im Visier

Neben dem Vatorex-System – dem Hauptstandbein des Unternehmens – entwickelte das Team rund um Pascal Brunner eine App, die Daten der Imker elektronisch erfasst und auswertet. «Ich sehe das als ersten Schritt in Richtung einer digitalisierten Bienenzucht», so der 28-Jährige.

Ziel sei es, den Imkern Tipps zu geben, wie ihre Zucht optimiert werden könne. «Eine nachhaltige Bienenzucht endet eben nicht bei der Varroamilbe.» Im April soll die App herauskommen, die das Datenmanagement der Imker erleichtern soll. 

Crowdfunding Aktion

Anfang April startet Vatorex eine Crowdfunding Aktion. Gesammelt wird für eine vollautomatische Wabenmaschine zum Einlegen der Heizdrähte. Pascal Brunner erzählt: «Zur Produktion der Waben benutzen wir momentan eine sehr handgestrickte Maschine. Die Herstellung möchten wir mit einem Vollautomaten effizienter gestalten.» www.savethebees.ch

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