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Mit dem Papst auf Schweizbesuch

Jugendseelsorger in Winterthur

Mit dem Papst auf Schweizbesuch

Papst Franziskus besuchte am letzten Donnerstag die Schweiz. Als Teil des vatikanischen Pressekorps konnte der Winterthurer Jugendseelsorger Oliver Sittel ihn auf dieser Reise begleiten. Wie er diesen aufregenden Tag erlebte und welche Beziehung er zum Papst pflegt, erzählt er im Interview.

Tina
Schöni
Dienstag, 26. Juni 2018, 06:56 Uhr Jugendseelsorger in Winterthur

Oliver Sittel ist Jugendseelsorger in Winterthur, Notfallseelsorger im Kanton Zürich und leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Seiner Fotodokumentation über die Schweizergarde von 2015 verdankte er es, dass er vergangene Woche als Teil des vatikanischen Pressekorps Papst Franziskus auf seiner Reise in die Schweiz begleiten durfte.

Sie begleiteten den Papst bei seinem Besuch in der Schweiz. Mit welchen Aufgaben waren Sie betraut?
Oliver Sittel: Meine Aufgabe war es, möglichst viel Bildmaterial vom Papst während seiner Reise an die Redaktion des katholischen Medienzentrums zu liefern. Wichtig waren Fotos von Papst Franziskus und von seinem Umfeld, die auch später noch nutzbar sind.

Papst Franziskus nahm sich im Flugzeug die Zeit, jeden Journalisten persönlich zu begrüssen. (Foto: Oliver Sittel)

Wie kam es, dass Sie zu diesem Anlass dabei sein durften?

Das ist sicher meiner Fotodokumentation über die Schweizergarde zu verdanken. Während dieser konnten mich die Verantwortlichen des vatikanischen Presseamts kennenlernen. Sie haben mich in meiner Arbeit erlebt und gesehen, dass ich eher zurückhaltend als vorauseilend bin. Zurückhaltung ist eben im Vatikan gern gesehen und macht mehr möglich, als das Fordernde. Ohne dass ich dies angestrebt habe, entwickelte sich die Beziehung zu den Verantwortlichen langsam, aber zu einem sehr guten Verhältnis und einer hervorragenden Kooperation. Sogar bei Einzelnen auch ein bisschen in Richtung Freundschaft.

Wie haben Sie den Tag des Papstbesuchs in Genf erlebt?
Aufregend waren sicher die beiden Flüge mit dem Papst. Aus Sicherheitsgründen mussten wir bereits gegen 6 Uhr in Anzug und Krawatte am Flughafen sein. Der Flieger hob um 8.40 Uhr ab und Papst Franziskus widmete sich zur Begrüssung jedem Journalisten persönlich. Den Tag hindurch wurden wir an alle Orte gefahren, die er besuchte. Alles war minutiös durchorganisiert. So auch unsere Teilnahme in den entsprechenden Pools. Jeder wusste bereits einen Tag vorher, in welchem Pool er oder sie sein wird. Während die vor Ort akkreditierten Journalisten Zeit hatten, sich auf den Ort und die Gegebenheiten einzustellen, kamen wir vom Vatikan meist erst wenige Minuten vor dem jeweiligen Event an. Dafür erhielten wir dann aber die Plätze ganz vorn. Es war ziemlich anstrengend. Zeit zum Pausieren gab es nur sehr wenig bis fast gar nicht. Die Arbeit ging bis spät in den Abend hinein. Zurück in Rom beim Essen auf einer schönen Dachterrasse bearbeitete und verschickte ich die letzten Bilder. Es war dann etwa Mitternacht.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie konfrontiert worden?
Die Bilder zeitnah in die Redaktion zu schicken und dabei nicht den Anschluss zur Gruppe zu verlieren, war stressig. Da ich ausserdem als Journalist und nicht als Fotograf akkreditiert war, musste ich schauen, wie ich an meine Bilder kam. Im Gegensatz zu den Fotografen war es uns Journalisten nicht möglich, zu jeder Zeit in der Nähe des Papstes zu sein.

«Es war alles andere als ein Erholungstrip.»

Oliver Sittel, Jugendseelsorger Winterthur

Dennoch begleiteten Sie ihn auch abseits des Rummels. Wie war das?
Während der Reise erlebte ich ihn in den Momenten ohne Öffentlichkeit als sehr konzentriert, aber auch persönlich. Das Programm war intensiv und es war alles andere als ein Erholungstrip. Trotzdem hatte er immer freundliche Worte für die Mitreisenden. Seine Gefasstheit und Ernsthaftigkeit waren bewundernswert.

Welche Beziehung haben Sie zu ihm?
Wenn ich ehrlich bin, keine persönliche. Ich konnte ihn zwar bei verschiedenen Gelegenheiten begegnen und auch mit ihm sprechen, aber er trifft so viele Menschen. Auch im vatikanischen Gästehaus Santa Martha sah ich ihn öfters. Man muss jedoch respektieren, dass er dort Privatier ist und man ihn nicht sprechen kann. Wenn er es möchte, gibt es ein Gespräch. Die Möglichkeiten, zum Papst ein persönliches Verhältnis aufzubauen sind wirklich sehr, sehr eingeschränkt.

«Die Gottesdienstbesucher waren ausgelassen und begeistert.»

Oliver Sittel, Jugendseelsorger Winterthur

Der Besuch in der Schweiz sorgte vorgängig für viel positive Aufregung. Welche Eindrücke hatten Sie vor Ort?
Beim ökumenischen Treffen meinte ich, eine erwartende Stimmung zu spüren. Im Palexpo waren die Gottesdienstbesucher sehr ausgelassen und begeistert. Aber auch bei anderen Menschen, die rund um den Papstbesuch Dienst taten, war eine gute und freudige Stimmung zu erleben, obwohl sie ihn gar nicht zu Gesicht bekamen.

Welche seiner Botschaften ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Im Prinzip jene, die fast über allem bei ihm steht. Es geht nur miteinander, nicht gegeneinander. So ist ein gutes Leben für alle und nicht nur für wenige möglich.

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