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Legales Gras beschäftigt Polizei und Suchtprävention

Cannabidiol-Hanf wird auch in Winterthur häufig konsumiert. Für die Polizei ist das «legale Gras» eine Herausforderung. Die Suchtprävention der Stadt Winterthur rät dazu, den Stoff auf Schulplätzen zu verbieten.

Christian
Saggese
Donnerstag, 23. März 2017, 11:26 Uhr
Legal oder illegal? Cannabidiol stellt Polizei und Suchtprävention vor neue Herausforderungen. (Bild: Petra Bork/Pixelio.de)

Kiffen ist in der Schweiz zwar illegal, der Konsum von Cannabis wird aber vielerorts toleriert. Trotzdem dürfte es manchen irritieren, dass das Joint rauchen an öffentlichen Plätzen, wie dem Hauptbahnhof oder der Altstadt, seit Wochen stetig zunimmt. Grund hierfür könnte Cannabidiol (CBD) sein, ein kaum psychoaktives Cannabinoid aus dem weiblichen Hanf Cannabis. Diesen Wirkstoff gibt es auch in der Eulachstadt öffentlich zu kaufen.

Im Gegensatz zu THC löst CBD keinen Rausch aus. Zudem enthalten CBD-Produkte sehr geringe Mengen an THC (weniger als 1 Prozent) und fallen dadurch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, sprich sind nicht verboten.

Polizei muss Stoff analysieren

Dieser neue Trend fordert die Stadtpolizei Winterthur heraus. Sie können bei Kontrollen nicht unterscheiden, ob es sich um legale oder illegale Substanzen handelt. Dann liegt es an den Gesetzeshütern, zu analysieren, ob es sich wirklich um das «legale Gras» handelt. Laut der Stadtpolizei mussten in Winterthur bereits rund ein Dutzend solcher Typisierungen vorgenommen werden.


Das konkrete Vorgehen der Polizei

Macht ein erwachsener Cannabis-Besitzer oder -Konsument geltend, dass die mitgeführte Substanz einen THC-Wert von unter ein Prozent enthalte, «kann das Ordnungsbussenverfahren, das sonst bei geringfügigen Mengen Cannabis gilt, nicht angewendet werden», erklärt Stapo-Sprecherin Bianca Liechti. Die mitgeführte Substanz werde vorläufig sichergestellt und der Konsument über die möglichen Kostenfolgen informiert.

«Wenn dieser dann weiterhin geltend macht, es sei legaler Stoff, wird die Substanz zur Typisierung weitergeleitet. Handelt es sich gemäss Auswertung um Industriehanf, wird das sichergestellte Gras wieder ausgehändigt. Kommt bei der Typisierung Rauschhanf ­heraus, wird das ordentliche Verfahren eingeleitet und die Substanz bleibt sichergestellt.»

Behauptet der Beschuldigte weiterhin, dass es sich beim sichergestellten Produkt um Hanf unter ein Prozent handelt, könne die Untersuchungsbehörde mittels Analyse den genauen THC-Gehalt bestimmen lassen. «Es obliegt danach der Untersuchungsbehörde, den Beschuldigten zu büssen.»


Gesundheitliche Risiken

Cannabidiol stellt auch die Suchtprävention Winterthur vor neue Herausforderungen. Dadurch, dass es legal ist, «werden oft die Vorteile beworben, aber die Risiken unterschätzt», weiss Suchtpräventionsleiter Beat Furrer. Zwar ginge von CBD nach aktuellen ­Erkenntnissen keine erhebliche Suchtgefahr aus, eine gesundheitliche Bedrohung hingegen schon: «Wenn CBD geraucht wird, gibt es Risiken für gesundheitliche Folgeschäden, die mit denjenigen beim Tabakrauchen vergleichbar sind.» Zudem bestehe das Risiko, dass gemäss dem Strassenverkehrsrecht die Fahrfähigkeit beeinträchtigt wird. «CBD wirkt sedierend und trotz der geringen Menge von THC kann der Konsum den erlaubten Blutgrenzwert hierfür überschreiten.

Kein Wundermittel
Ein Wundermittel, wie es oft beworben werde, sei CBD ebenfalls nicht. Zwar würden einige Studien zeigen, «dass CBD bei vielen Beschwerden hilfreich sein könne. Der Konsum wirkt beruhigend und hilft gegen Krämpfe, Entzün­dungen, Angst sowie Übelkeit», so Beat Furrer. Für Cannabis-Konsumenten könne es zudem ein guter Weg sein, um den eigenen THC-Konsum einzuschränken oder konkret zu ändern. Dennoch ist es in der Schweiz verboten, Cannabidiol etwa als spezifisches Heilmittel zu verkaufen, da dieser Effekt nicht gesichert ist.

Eine weitere Befürchtung der Suchtprävention: Durch den Ruf, «harmlos zu sein», könnten nicht konsumierende Jugendliche dazu ermuntert werden, dank CBD erstmals einen Joint zu testen. «Davon raten wir allerdings ab. Die fehlende Rauschwirkung könnte dazu motivieren, THC-Gras auszuprobieren.»

Auf Schulplätzen verbieten
Um dem entgegenzuwirken, arbeitet die Suchtprävention bereits mit den hiesigen Schulen zusammen und steht interessierten Eltern mit Rat und Informationen zur Verfügung. «Wichtig ist uns hierbei, nicht nur über CBD zu sprechen, sondern den Umgang damit stets in Kombination mit ­anderen Substanzen, wie Cannabis (THC), Tabak, Alkohol usw., zu thematisieren und die ­Risiken aufzuzeigen.»

Konkret empfiehlt die Suchtprävention, «das Rauchen von CBD auf den Schularealen nicht zu erlauben. Die Regelung ist gleich zu handhaben wie bei herkömmlichen Zigaretten oder E-Zigaretten.»  

Die Entwicklung des Stoffs hinsichtlich Wirkung und Risiken werde man weiter aufmerksam verfolgen.

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