Kulturlobby Winterthur fühlt Politikern auf den Zahn

Sind in Winterthur Wahlen, kommt man nicht drum herum, über die Kulturstadt zu reden. Die Kulturlobby Winterthur hat knapp 40 Stadt- und Gemeinderatskandidierende vor laufender Kamera mit dem Thema konfrontiert. Das Resultat: 80 Minuten unzensiertes Videomaterial.

Wie wichtig ist das Label «Kulturstadt» für Winterthur? Rund 40 Stadtrats- und Gemeinderatskandidierende haben der Kulturlobby Winterthur auf diese und weitere Fragen vor laufender Kamera Antwort gegeben. Seit gestern sind die unzensierten Kurzfilme auf der Onlineplattform www.wintiwahl18.ch aufgeschaltet.

Dem Gemeinderat eine Stimme geben

Das Sendeformat sei spontan, witzig und schnell. Den Teilnehmern blieben jeweils 100 Sekunden, um auf eine Reihe von Fragen zu reagieren. Neben den Stadtratskandidierenden hat die Kulturlobby auch jenen Kandidaten eine Stimme gegeben, die bei den Erneuerungswahlen am 4. März für den Winterthurer Gemeinderat antreten.

Die Kulturlobby Winterthur traf knapp 40 Politikerinnen und Politiker «auf einen Kurzen» und befragte sie zur Kulturstadt. (Video: Kulturlobby Winterthur)

Aus gutem Grund, wie Jane Wakefield, Präsidentin der Kulturlobby sagt. «Obwohl viele wichtige Geschäfte im Gemeinderat entschieden werden, kommen im Wahlkampf oft nur die Stadtratskandidierenden zu Wort.» Die Kulturlobby wolle deshalb «etwas Licht in den Namen-Dschungel der Gemeinderatswahllisten bringen, abseits von den gängigen Parolen und Slogans».

Kein Podium für Meinungsbildung nötig

Weil Authentizität und Spontanität für die Meinungsbildung unerlässlich sind, gab es auf dem Filmset klare Spielregeln: Jeder Kandidierende hatte bloss einen Versuch, das Video wurde nicht geschnitten und ausser dem Einstiegssatz konnten die Politikerinnen und Politiker nichts vorbereiten. Jane Wakefield sagt: «Der Unterhaltungswert ist entsprechend gross. Man muss nicht an ein Podium gehen, um sich eine Meinung zu bilden.»

Auch dem Prinzip der Ausgewogenheit wollte man Sorge tragen. Je nachdem mit wie vielen Sitzen eine Partei im Gemeinderat vertreten ist, konnten mehr oder weniger Parteivertreter vor Kamera Rede und Antwort stehen. Ergänzend dazu konnten alle Parteien ihre offiziellen Stadtratskandidierenden zum Interview schicken.

37 Videos gedreht

Insgesamt entstanden 37 Videos und keines wurde im Nachhinein zurückgezogen. Die EDU und die Piratenpartei verzichteten ganz, die SVP nutzte bloss deren zwei von acht möglichen Interviews.

Die Kulturlobby selbst verzichtete auf eine konkrete Wahlempfehlung. Mit gutem Grund, wie Jane Wakefield sagt. «Viele Winterthurerinnen und Winterthurer wissen, wie wichtig Kultur für das Stadtleben ist, und möchten darum sowieso kulturaffine Persönlichkeiten wählen.»

Autor: Tina Schöni
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Quelle: Online-Abo «züriost»