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Jagd heute – nötig und zeitgemäss?

Tierschützerin gibt Tipps

Jagd heute – nötig und zeitgemäss?

Yvonne Rudin, Fachmitarbeitende beim Tierschutzverein Winterthur und Umgebung, berät und informiert Züriost-Leserinnen und -Lesern rund um das Thema Tierschutz. Heute: Wie kann die Jagd tierfreundlicher werden?

Christian
Saggese
Freitag, 10. November 2017, 10:29 Uhr Tierschützerin gibt Tipps

In unserer vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft müssen die vielfältigsten Interessen gegen das Existenzrecht und die Bedürfnisse unserer Wildtiere abgewogen und dabei ökologische Sachverhalte, ethische Überzeugungen und kommerzielle Anliegen berücksichtigt werden. Kein Wunder, dass immer wieder regulatorische Eingriffe nötig sind, um ein entstandenes Ungleichgewicht zu korrigieren.

Die Jagd ist nur eine der Massnahmen, den zu hohen Bestand an Rot- und Schwarzwild auf einer tragbaren Grösse zu halten, um Wildschäden in Feld und Wald, aber auch Leid durch Dichtestress, Hunger und Krankheiten für die Tiere zu minimieren.

Verbesserung für die Jagdausübung vorhanden

Zum Kernanliegen des Tierschutzes, Tiere vor Schmerz und Leid zu bewahren, gehört auch die Forderung nach einer raschen, schmerzfreien Tötung.  Diesbezüglich sehen Tierschützer im Bereich der Jagdausübung grosses Potential für Verbesserungen und dringenden Handlungsbedarf: Vorschriften betreffend Waffen und Munition, strikte Einhaltung maximaler Schussdistanzen, aber auch höhere Anforderungen an die Treffsicherheit von Jägerinnen und Jägern sind Massnahmen, die dazu beitragen, Fehlschüsse und damit verbundenen Qualen zu minimieren.

Haben auch Sie eine Frage an Tierschützerin Yvonne Rudin? Dann mailen Sie uns diese an redaktion@stadinews.ch

Triebjagd stresst die Tiere zu stark

Von Seiten des Tierschutzes ist grundsätzlich der Ansitzjagd und Pirsch den Vorzug zu geben. Da das Wild den Jäger hierbei in der Regel nicht bemerkt, bleibt diesem genügend Zeit für einen sicheren, korrekten Schuss. Die Treibjagd hingegen bedeutet erheblichen Stress für die Tiere und das Schiessen auf flüchtiges Wild führt zu häufigen Fehlschüssen. Laut der tierärztlichen Vereinigung f. Tierschutz e.V., werden bei Bewegungsjagden mehr als die Hälfte der Tiere nur angeschossen; sie fliehen noch mit schwersten Verletzungen und verenden qualvoll, denn längst nicht jedes Tier wird bei der Nachsuche gefunden und erlöst.

Gezielte Jagd auf Wildschweine angestrebt

Da Wildschweine weit umherstreifen, ist ihre Bejagung besonders schwierig und wird die Population nicht nachhaltig dezimieren können. Bei der Treibjagd mit Hunden ist die Verletzungsgefahr ein zusätzliches tierschutzrelevantes Problem, das mit der Abrichtung im Wildschweingatter massiv verschärft wird: nicht spezialisierte Hunde scheuchen das Wild in der Regel mit Gebell auf und halten ansonsten gebührenden Abstand zu Wildschweinen. Mit dem Gatter will man neu «Spezialisten» ausbilden, die gezielt auf Wildschweine Jagd machen und diese auch stellen müssen. Dass es dabei vermehrt zu Angriffen und Blutvergiessen kommt ist unvermeidlich, wird aber mit der Begründung in Kauf genommen, dass Schwarzwild mit solchen Hunden auch dann bejagt werden kann, wenn anderes Wild Schonzeit hat.

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Professionelle Wildhüter wären die Lösung

In Anbetracht solcher Aussichten ist zu erwägen, die Jagd professionellen Wildhütern zu überantworten, welche die Zeit haben im Ansitz, eventuell mit Lockfütterung, Schalldämpfern und Nachtsichtgeräten zu arbeiten. Das mag nicht der herkömmlichen Jagdethik entsprechen, den Tieren gegenüber ist es allemal anständiger.

Yvonne Rudin arbeitet beim Tierschutzverein Winterthur und Umgebung

 

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