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«Ich kämpfe jeden einzelnen Tag»

Winterthurer erlitt eine Hirnblutung

«Ich kämpfe jeden einzelnen Tag»

Eine Hirnblutung hatte für den 22-jährigen Marko Arsic schwerwiegende Folgen. Seit 2015 sitzt er im Rollstuhl und ist halbseitig gelähmt. Die Handicaps bringen den Winterthurer aber nicht von seinen Träumen ab. Im Gegenteil: Er will Profi-Boxer werden.

Tina
Schöni
Dienstag, 27. Februar 2018, 13:58 Uhr Winterthurer erlitt eine Hirnblutung

Vor ziemlich genau vier Jahren hat sich für den 22-jährigen Winterthurer Marko Arsic alles verändert. «Mir ist bei der Arbeit ein Hammer aus fünf Metern Höhe auf den Kopf gefallen», erzählt der gelernte Elektroinstallateur.

«Der Weg ins Spital war eine Achterbahnhfahrt.»

Marko Arsic

Die Folgen dieses Arbeitsunfalls waren gravierend. «Ich hatte später ständig Kopfschmerzen, aber auch nach unzähligen ärztlichen Untersuchungen in der Schweiz und im Ausland konnte die genaue Ursache dafür nie festgestellt werden.»

Die Hirnblutung hatte für Marko Arsic schwerwiegende Folgen. Doch der 22-Jährige kämpft sich zurück ins Leben. (Video: Marko Arsic)

2015 folgte dann der Tag, den Marko Arsic nie mehr vergessen wird. Er erlitt eine Hirnblutung.  Der junge Winterthurer erinnert sich: «Plötzlich wurden die Kopfschmerzen immer schlimmer. Ich musste mit meinem Kollegen die Bar verlassen, um frische Luft zu schnappen.» Weil das nicht half, beschlossen die beiden ins Krankenhaus zu fahren. «Der Weg dorthin war wie eine Achterbahnfahrt. Mir wurde ständig übel, schwarz vor den Augen und ich musste erbrechen.»

Eingeschränkt im Alltag

Seit diesem Vorfall ist Marko Arsic halbseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Anfangs konnte er weder sprechen, essen noch trinken. Mittlerweile hat sich der Winterthurer diese Fähigkeiten durch viel Training zumindest teilweise zurück erlangt. Allerdings sind sie für ihn mit grosser Anstrengung verbunden.

«Ich bin ständig auf andere angewiesen. Mit 22 Jahren ist das nicht so toll.»

Marko Arsic

Durch die Hirnblutung verlor der 22-Jährige auch sein Sättigungsgefühl und seine Mimik. «Ich kann weder lachen noch weinen. Diese Gesichtsausdrücke sind wie blockiert.» Auch das Hören bereitet ihm Probleme. «Ich muss mich stark konzentrieren und werde dadurch schnell müde», erzählt er. Alltägliche Dinge, wie etwa das Duschen, sind für den Winterthurer allein nicht mehr machbar. «Ich bin ständig auf andere angewiesen. Man kann sich vorstellen, mit 22 Jahren ist das nicht so toll.»

Liegenbleiben oder aufstehen

Trotz seiner Handicaps lässt sich Marko Arsic nicht unterkriegen. «Ich sehe das als eine Art Prüfung von Gott. Ich kann jetzt entweder liegenbleiben oder aufstehen und mein Bestes geben. Da ich jung bin, Kraft habe und optimistisch denke, stehen meine Heilungschancen nicht schlecht.» Aber es ist ein langwieriger Prozess. Schritt für Schritt muss er sich Dinge wie das Sprechen oder das Gehen wieder aneignen.

«Ich sehe das als eine Art Prüfung von Gott.»

Marko Arsic

Viel Unterstützung erhält Marko Arsic von seiner Familie. Dreimal täglich bekommt er Besuch von der Spitex. Eine Hilfsperson begleitet ihn auch wieder in sein altes Fitness-Studio. Dort trainiert der 22-Jährige verschiedene Bewegungsabläufe und stärkt seine Muskeln. Hilfe und Rat sucht sich Marko Arsic aber auch im Internet. Soziale Kontakte sind und waren ihm immer schon wichtig.

Traum vom Boxen

Von seinen Träumen lässt er sich nicht abbringen. Früher habe er jahrelang Karate trainiert. Jetzt will er ein berühmter Kampfsportler werden. «Als ich letztens während dem Schlaf aus dem Bett fiel, zog ich mir eine Platzwunde zu. Da dachte ich mir, ich prügle mich sozusagen selbst. Der Box-Sport wäre also ideal für mich. Ich kämpfe ja jeden einzelnen Tag und musste in den letzten Jahren viel einstecken.»

Der Traum sei zwar noch weit entfernt, aber Marko Arsic ist überzeugt: «Je mehr man weiss, was man wirklich will, desto grösser ist die Chance, dass ein Traum Wirklichkeit wird.»

Bei einem Hirnschlag zählt jede Minute
Der Hirnschlag oder Schlaganfall ist die Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Erhält das Organ nicht mehr genügend Sauerstoff, sterben Gehirnzellen innert Minuten ab. Betroffene müssen umgehend ärztlich behandelt werden. Die Hirnblutung ist gemäss der Schweizerischen Herzstiftung eine Form des Hirnschlags, bei der ein Blutgefäss im Gehirn einreisst und das Blut sich ins Gewebe ergiesst. Es können unter anderem plötzliche Lähmungen, Gefühls- und Sprachstörungen, Blindheit, heftiger Schwindel mit Gehunfähigkeit sowie ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen auftreten. Teils würden die Symptome auch nur wenige Minuten erscheinen. Werden Betroffene rechtzeitig behandelt, können sie vor dem Tod und bleibenden Behinderungen bewahrt werden. (red)
Öffentliche Vortragsveranstaltung zu Herkrankheiten und Hirnschlag gibt es am Mittwoch, 7. März, um 18.30 Uhr, Theaterstrasse 27, Winterthur. Mehr Informationen unter: www.swissheart.ch

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