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Gefährdet Airbnb Winterthurer Hotels?

Digitale Anbieter wie Airbnb sollen nicht mit neuen Regeln behindert werden. So will es der Bundesrat. In Winterthur fordern Hotelbetriebe einen fairen Wettbewerb.

Tina
Schöni
Mittwoch, 18. Januar 2017, 14:43 Uhr
Der digitale Anbieter Airbnb steht in Konkurrenz zu herkömmlichen Hotelbetrieben. (Bild: Michael Hotz)

Die Digitalisierung hat die Schweizer Wirtschaft stark verändert. Ein oft genanntes Beispiel dafür ist Airbnb. Auf der Online-Plattform können Private ihre Wohnungen und Zimmer zu günstigen Preisen vermieten. Besonders in Städten erfreut sich Airbnb grosser Beliebtheit und steht damit in Konkurrenz zu herkömmlichen Hotelbetrieben.

Der Bundesrat sieht allerdings vorerst keinen Handlungsbedarf, die digitale Wirtschaft mit neuen Gesetzen einzuschränken. Stattdessen will er ihre Rahmenbedingungen sogar weiter verbessern und den Wettbewerb ankurbeln. «Die laufende Entwicklung ist primär eine Chance für den Wirtschaftsstandort Schweiz», schreibt der Bundesrat in einer Mitteilung.

Von der Konkurrenz profitieren

In verschiedenen Grossstädten ist Airbnb bereits zum Problem geworden. Doch inwiefern gefährdet dieser Anbieter die Hotelbranche in Winterthur? Rolf Wartmann vom Best Western Hotel Wartmann ist überzeugt: «Kleinere Anbieter und Bed and Breakfast werden dieses Angebot sicher merken.» Auf grosse Hotels habe Airbnb in Winterthur bisher aber keinen direkt spürbaren Einfluss, wie der Geschäftsleiter mitteilt.

Damit die Online-Plattform nicht zur bedrohlichen Konkurrenz wird, hat das Winterthurer Hostel Depot 195 am Lagerplatz mit einer raffinierten Strategie reagiert. «Wir haben uns entschieden, selber von der Plattform zu profitieren. Es ist eine gute Ergänzung zu unseren anderen Buchungskanälen, und die Kosten sind tiefer als bei anderen Anbietern», so David Berger vom «Depot 195».

Doch auch David Berger kennt negative Auswirkungen von Airbnb: «In Top-Destinationen wie Berlin oder Barcelona werden zentrale Wohnungen über Airbnb an Touristen vermietet. Das treibt die Immobilienpreise in die Höhe. Für die meisten Einheimischen sind sie unbezahlbar geworden.» Eine weitere Problematik kennt Rolf Wartmann. Er kritisiert: «Es ist bedenklich, dass die Betreiber der Plattform das grosse Geld verdienen, die eigentlichen Dienstleister aber eben nicht.»

Regeln für fairen Wettbewerb

So sehen die beiden gewisses Entwicklungspotenzial beim Online-Anbieter. Damit in Winterthur ein fairer Wettbewerb besteht, muss laut David Berger eine Fairness her. Es brauche gleich lange Spiesse zwischen den «klassischen» Anbietern und jenen von Airbnb. «Das betrifft vor allem die Bereiche Steuern, Tourismus-Abgaben sowie bauliche Vorschriften», so der Hostel-Mitarbeiter. Rolf Wartmann teilt diese Meinung. Die Branche befinde sich im Wandel, und Hotelbetriebe müssten flexibler werden. Es gelte, die Preise am Markt anzupassen. «Aber auch neue Anbieter sollen sich an die Regeln und Vorschriften halten, das heisst City Taxe und Mehrwertsteuer abliefern. Sie müssen ebenfalls feuerpolizeiliche und bauliche Anforderungen einhalten sowie Mindestlöhne bezahlen», betont Rolf Wartmann.

Winterthur Tourismus will sich vorerst nicht zur Airbnb-Thematik und zum Entschluss vom Bundesrat äussern. «Wir warten die Ergebnisse der politischen Instanzen ab», so der Kommunikationsleiter Thomas Hunziker.   

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