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Aus Abfallholz entsteht Neues

Beim Verein Wiederverwerkle können Kunden unbehandeltes oder gehobeltes Restholz kaufen – ein vermeintliches Abfallprodukt. Der Initiant Michael Wick aus Winterthur möchte so den Lebenszyklus von Holz verlängern. Dafür arbeitet der gelernte Schlosser mit lokalen Unternehmen zusammen.

Montag, 02. Mai 2016, 12:56 Uhr
Michael Wick verkauft in seiner Werkstatt «Wiederverwerkle» Restholz, das er aufbereitet hat. (Video: Salome Kern)

Geruch von Holz empfängt die Kunden in der Werkstatt. Fein säuberlich hängen Zangen, Hämmer und Sägen an der Wand. Michael Wick legt Weinkisten auf die Waage. Die Kundin strahlt: «Solche habe ich schon lange gesucht.»

An der Grenzstrasse in Winterthur ist der Verein Wiederverwerkle zu Hause und verkauft vermeintliches Abfallholz oder stellt daraus eigene Produkte her. «Wir möchten den Lebenszyklus von Holz verlängern», erklärt Michael Wick. Der Vereinspräsident ist gelernter Schlosser und studiert Energie- und Umwelttechnik an der ZHaW. «Bei der Arbeit haben wir viele Holzpaletten weggeworfen, ich habe dann begonnen, sie wieder zu verwenden.» Sein Studium hat ihn zusätzlich zum Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert.

Anstoss dank Klimalandsgemeinde

Die Idee trägt der 30-Jährige schon länger im Hinterkopf herum, den Anstoss für Wiederverwerkle gab dann die Klimalandsgemeinde, ein Projekt der Energiewende Winterthur. Wer eine Klimaschutzidee hat und diese in Winterthur umsetzen möchte, hat die ­Chance ein Preisgeld zu gewinnen. Mit Wiederverwerkle erreichte Michael Wick im September 2015 den zweiten Platz. Gemeinsam mit seiner Freundin Janine Dümel und den zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern Josephine Reich und Bernhard Mathes betreibt er nun seit November 2015 die Restholzbörse. Von Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr haben sie geöffnet.

Das Team holt bei rund zwölf Firmen aus der lokalen Industrie das Restholz ab. Ein Lieferwagen mit Anhänger fährt vor. Michael Wick springt begeistert auf – eine neue Restholzlieferung kommt. Sein ehemaliger Arbeitgeber Wolfisberg Tor-Technik bringt die langen Resthölzer selber vorbei.

Ein Anstoss zur Kreativität

Wer möchte, kann bei Michael Wick sogenannte Upcycling-Produkte bestellen. Er zimmert dann Bienenhotels, Regale oder auch einen Badewannentisch. «Ich möchte aber lieber die Menschen animieren, kreativ zu werden.» Er schickt jene, die keine eigene Werkstatt haben, zur Werkstatt Unterholz im Machwerk beim Lagerplatz. «Mein Ziel ist es, dass man zuerst zu uns kommt und erst dann in einen Baumarkt geht.» Das Holz kostet unbehandelt 70 Rappen pro Kilogramm, gehobelt und entnagelt Fr. 1.40.

Noch ist Wiederverwerkle nicht kostendeckend. Im Sommer schliesst Michael Wick sein Studium ab, dann möchte er Teilzeit arbeiten und daneben die Restholzbörse weiterbetreiben.

Michael Wick kommt ursprünglich aus Deutschland. Vor zehn Jahren war er arbeitssuchend und fand dann über ein Vermittlungsbüro eine Stelle in Obwalden. Später zog er nach Luzern und wurde dann schliesslich nach Winterthur versetzt. Hier verliebte er sich in Janine Dümel und in die Stadt.

Um Winterthur zu geniessen, hat er aber im Moment wenig Zeit. Nebst der Arbeit bei Wiederverwerkle schreibt er an seiner Bachelorarbeit. Tagsüber in der Werkstatt und abends am Lernen und Schreiben: «Aber es ist ein gesunder Stress.»

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