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Auf Instagram sein Geld verdienen

Winterthurer Influencerin Michèle Krüsi

Auf Instagram sein Geld verdienen

Jeden Tag veröffentlicht die Winterthurerin Michèle Krüsi ein Bild auf Instagram. Die 26-Jährige verdient damit ihren Lebensunterhalt. In der Schweiz gehört sie derzeit zuden erfolgreichsten Influencerinnen.

Tina
Schöni
Freitag, 25. Mai 2018, 18:00 Uhr Winterthurer Influencerin Michèle Krüsi

«Ironischerweise werde ich nicht so gern fotografiert», gesteht Michèle Krüsi. Sie schmunzelt und nimmt einem Schluck von ihrem Kaffee. Beim Posieren vor der Kamera habe sie am liebsten etwas in der Hand, eine Brille aufgesetzt und den Kopf leicht geneigt. So fühle sie sich am wohlsten. Wer die Winterthurerin kennt, mag jetzt verwirrt sein.

Als Influencerin und Modebloggerin verdient Michèle Krüsi ihr Geld. (Foto: Melina Anderwert)

Schliesslich verdient Michèle Krüsi mit ihren Fotos auf Instagram und auf ihrem Modeblog «The Fashion Fraction» ihren Lebensunterhalt. Während der letzten Monate gehörte sie auf einem Schweizer Influencer-Ranking zu den Top 10, auf Social Media folgen ihr über 300 000 Abonnenten. Damit ist sie hierzulande eine der bekanntesten und erfolgreichsten Modebloggerinnen.

Durchbruch dank stradivarius

Das war nicht immer so. Als Michèle Krüsi im Jugendalter mit dem Bloggen begann, wusste das noch kaum jemand aus ihrem Umfeld. Sie habe ganz bewusst nicht darüber gesprochen. «Damals waren solche Blogs noch verpönter als heute», erklärt sie. Ihrem Hobby habe sie sich deshalb heimlich gewidmet. «Wenn meine Eltern weg waren fotografierte ich mich und meine Outfits – immer vor derselben weissen Hauswand.»  Die Bilder stellte sie online. Ihr Ziel sei es nie gewesen, mit ihrem Blog bekannt zu werden. «Es machte mir einfach riesen Spass.»

«Damals waren solche Blogs noch verpönter als heute.»

Michèle Krüsi, Modebloggerin

An Talent hat es der 26-Jährigen  nicht gefehlt, denn 2010 schaffte die gelernte Grafikerin den Durchbruch. Als das spanische Modelabel Stradivarius ihr Gesicht auf Pullover drucken liess, wurden ihre Bilder publik. Ihre Fan-Community wuchs, Medien wurden auf sie aufmerksam und sie erhielt mehr und mehr Anfragen von Modelabels, die mit ihr zusammenarbeiten wollten. Mittlerweile wirbt Michèle Krüsi im In- und Ausland auch für Luxusmarken wie Cartier, Chanel, Swarovski oder Diesel. Als Influencerin bezeichnet sie sich selbst aber nicht. «Ich betone lieber, dass ich Grafikerin bin. Der Begriff Influencer ist so negativ konnotiert. Man wird schnell abgestempelt.»

Ungern im Rampenlicht  

Trotz ihres Erfolgs ist die Winterthurerin nicht abgehoben, bezeichnet sich selbst als «nettes Mädchen von nebenan», das privat eigentlich nicht im Mittelpunkt stehen will. «Ich bin kein ‹Glamour-Girl›, darum ist für mich der rote Teppich auch der Horror. Da schauen dich alle an und schiessen Fotos von dir.» Die Kontrolle über ihre Bilder gebe sie ungern aus der Hand. Aus diesem Grund arbeitet Michèle Krüsi für ihre Bilder immer mit denselben drei Fotografen zusammen. «Sie kennen mich gut und wissen meine Ideen umzusetzen.»

«Ich will kein falsches Statement setzen.»

Michèle Krüsi, Modebloggerin

Ihre Outfits rückt die 26-Jährige auf den farbenprächtigen Bildern gekonnt in Szene. Mal wird die Winterthurerin im Bikini im Pool, mal in roten Lederstiefeln in Berlin oder im schwarzen Spitzenkleid in Cannes abgelichtet. Die Bilder scheinen zufällig geknipst. Hinter den meisten steckt aber eine aufwendige Vorbereitung. «Manchmal machen wir gegen 400 Fotos und am Schluss entscheiden wir uns dann für eines der ersten», sagt sie lachend. Bei Kooperationen mit Modelabels schreibt Michèle Krüsi teils auch Konzepte, bevor sie mit ihren Fotografen nach einem geeigneten Shootingort sucht und das Foto im Nachhinein bearbeitet.

Hinter den scheinbar zufällig geknipsten Fotos steckt eine Menge Aufwand. (Foto: Stefan Benninger)

Ihrem eigenen Stil bleibe sie treu. Die 26-Jährige trägt nur, was ihr persönlich auch gefällt. «Das unterscheidet meinen Job auch vom Modeln», erklärt sie. Für Pelz oder für Schönheitskliniken möchte sie nicht werben – obwohl sie schon Anfragen dergleichen erhalten habe. «Ich bin mir bewusst, dass ich auch eine Vorbildfunktion habe. Ich will kein falsches Statement setzen.»

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