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Anklageschrift gegen Dschihad-Reisenden veröffentlicht

Anklageschrift gegen Dschihad-Reisenden veröffentlicht

Im April 2015 wollte ein 26-jähriger Winterthurer nach Syrien reisen und dort als Märtyrer für den IS sterben. Am Flughafen Zürich konnte er gestoppt werden. Nun hat das Bundesstrafgericht die Anklageschrift veröffentlicht.

Eva
Kamber
Freitag, 01. Juli 2016, 14:18 Uhr
Die An'Nur-Moschee in Winterthur (Screenshot: Google Maps)

Am Donnerstag hat das Bundesstrafgericht die Anklageschrift veröffentlicht, in der die Bundesanwaltschaft die Vorwürfe gegen einen 26-jährigen Winterthurer auflistet. Er wurde Anfang April 2015 am Flughafen Zürich an der Ausreise in die Türkei gehindert.

Verdächtiger SMS- und Telefonverkehr

Die Anklageschrift des Bundesstrafgerichts bestätigt nun, dass der Mann von der Türkei aus nach Syrien habe weiterreisen und als Märtyrer für den IS habe sterben wollen. Die Grundlage für die Anklage bilde der SMS- und Telefonverkehr des Beschuldigten, schreibt die «NZZ».

Im SMS-Verkehr besprach der Beschuldigte seine geplante Reise ins Kriegsgebiet mit verschiedenen Vertrauenspersonen. Die Telefonate fanden mit Personen aus der Schweiz statt, die sich damals schon in Syrien befanden. Zu ihnen gehört auch Christian I., der aufgrund seiner mutmasslichen Kriegsverbrechen ausgebürgert werden soll.

Winterthurer An'Nur-Moschee

Zudem wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, dass er im Februar und März 2015 in Embrach und Winterthur Bildmaterial hergestellt, verschickt oder besessen hat, das zeigt, wie Menschen gefoltert, gesteinigt und enthauptet werden.

Die Anklageschrift gibt auch einen Hinweis, welche Bedeutung die An'Nur-Moschee in Winterthur in dschihadistischen Kreisen hat. Wenige Tage vor der geplanten Ausreise des Beschuldigten habe er sich vor dem Eingang der Moschee von einer Vielzahl Gleichgesinnter verabschieden lassen, heisst es in der Anklage.

Präzedenzfall

Der in der Nähe von Winterthur wohnende Handwerker muss sich nun am 14. Juli vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten.

Für Bundesanwalt Michael Lauber ist der Fall ein Leitfall, wie er dem «Tages-Anzeiger» im März sagte. Aktuell ist noch nicht klar, ob die Anklagepunkte für eine Verurteilung reichen. Dieser Fall soll Klarheit bringen. «Wir sind der Meinung, es reicht», sagte Lauber.  (eka)

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