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Albanischer Frauenverein: «Ohne Frauen keine Integration»

Albanischer Frauenverein: «Ohne Frauen keine Integration»

Bute Lajqi-Nikqi ist seit 10 Jahren Vereinspräsidentin des Albanischen Frauenvereins Winterthur. Die albanisch-schweizerische Doppelbürgerin über ihr Engagement, was der Verein der Stadt Winterthur alles bietet und welche Ziele sie verfolgt.

Christian
Saggese
Dienstag, 05. April 2016, 14:38 Uhr
Bute Lajqi-Nikqi (links) zufrieden am 2. April beim albanischen Frauenfest. «Die Tanzfläche wurde nur zum Essen und Trinken verlassen.» (Bild: zvg)

Sie sind vor fast 26 Jahren vom Kosovo in die Schweiz gekommen und setzen sich für die Integration albanischer Frauen ein. Fühlen Sie sich integriert?
Bute Lajqi-Nikqi: Ja. Ich bin gut vernetzt und pflege Freundschaften zu Schweizerinnen, Albanerinnen und auch zu Menschen anderer Nationen. Wenn ich während der Ferien in den Kosovo gehe, ist dort meine Heimat. Sobald ich die Schweizer Grenze wieder überquere, bin ich erneut in meiner Heimat. Ich bin nicht nur formell Doppelbürgerin, ich fühle mich auch genau so.

Wieso braucht es einen albanischen Frauenverein in Winterthur?
Früher waren die albanischen Vereine sehr männerdominiert und vor allem politisch engagiert. Wir Frauen wollten primär unseren Landsleuten in der Schweiz helfen, und zwar so viel wie möglich. Die Frauen, die hier leben, sollten besser integriert werden.

Ist dies das Ziel des Vereins?
Ja. Denn eine Bevölkerung ist erst integriert, wenn auch die Frauen integriert sind. Wenn man zum Beispiel die Sprache nicht beherrscht, sind die Hemmungen gross, auch nur schon spazieren zu gehen, geschweige denn die eigenen Kinder bei Hausaufgaben zu unterstützen. Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration, weshalb der Verein schon seit 2007 Deutschkurse anbietet. Ein weiteres Ziel ist, das Image der Albanerinnen und Albaner zu ändern. Da hat sich viel getan in den letzten Jahren.

Was für Angebote bietet der Verein aktuell an?
Zusammen mit meinen Töchtern und dem Vorstand habe ich ein Nachhilfeprojekt gegründet. ­Albanerinnen, aber auch Albaner erhalten so die Möglichkeit, günstige Nachhilfestunden neben der Schule zu besuchen. Denn eine gute Bildung führt zu einem guten Image und zu Integration. Ausserdem bieten wir ein Sportangebot an, und zwar für Mädchen und Frauen aus dem gesamten Balkan. Zukünftig wollen wir auch Asylsuchende dazu einladen. Spezielle jährliche Anlässe sind unser Mitwirken beim Tag der Völker und das albanische Frauenfest. Dieses fand letzten Samstag statt und wurde mit über 130 Gästen sehr gut besucht.

Wer unterstützt den Verein bei den Angeboten?
Neben den städtischen Geldern für das Sportangebot gebührt ein grosser Dank der Pfarrei St. Peter und Paul. Seit der Gründung des Vereins im Jahr 2005 bis heute werden uns von der Kirche Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Ob für das jährliche albanische Frauenfest, für Deutschkurse oder für die Mitgliederversammlungen. Das ist essenziell, denn wenn du keine Räume hast, kannst du aufhören! Unverzichtbar ist auch die Hilfe des Interkulturellen ­Forums Winterthur (IFW), das uns schon seit Jahren unterstützt.

Was motiviert Sie auch nach so vielen Jahren für Ihr Engagement?
Ich freue mich sehr, dass sich auch die junge Generation motivieren lässt, sich zu engagieren. Neben vielen anderen jungen Frauen sind zum Beispiel auch meine Töchter beim Verein und in anderen Integrationsprojekten des IFW, wie dem Bistro International, dabei. Und sie teilen meine Philosophie: Das Ziel ist nicht Geld, sondern Integration. Und wenn wir unsere Bevölkerung hier besser unterstützen, können diese auch ihr Heimatland besser unterstützen. (Jonas Demmerle)

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