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Mobilfunkantenne bereitet Kopfweh

Mobilfunkantenne bereitet Kopfweh

Die IG Mobilfunk Elgg verlangt von der Firma Elibag, dass sie den Vertrag mit Sunrise kündigt. Die Strahlung der Anlage schädige Tier und Mensch. Auf dem Hof von Familie Peter sind die Schäden auf 33'000 Franken angestiegen.

Michael
Hotz
Mittwoch, 09. November 2016, 15:02 Uhr
Thomas Peter und seine Kühe haben genug von der Elibag-Antenne in Elgg. (Bild: Ruth Bossert)

Die Banner der Interessengemeinschaft Mobilfunk hängen in Elgg überall. «Mobilfunk mit Vernunft», heisst ihr Slogan. In der regionalen Presse laufen die ersten Leserbriefe, eine öffentliche Informationsveranstaltung mit Peter Schlegel vom Dachverband Bürgerwelle Schweiz steht am 11. November im Gemeinschaftsraum in Elgg an.

Die Anlage auf dem Gebäude der Firma Elibag AG wird seit 2011 von Sunrise betrieben und hat eine bewilligte Sendeleistung von 2x 2020 Watt. Nachdem die Sendeleistung ab Mai 2013 aufs Maximum erhöht wurde, hörte der Vorstand der IG Mobilfunk von ersten Problemen. Debora Widmer wohnt und arbeitet knapp 100 Meter von der Antenne entfernt. Seit gut drei Jahren leidet die selb­ständige Steinbildhauerin an gesundheitlichen Problemen – Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit.

Mehrere Totgeburten

Der Hof der Familie Peter liegt 114 Meter von der Antenne entfernt mit direktem Sendestrahl in den Stall. Erstmals trat im November 2013 auf dem Hof ein Tierschaden ein. Unerklärbare Totgeburten folgten. Drei im Frühling 2014 geborene Kälber fielen durch Orientierungsprobleme auf. Sie ­liefen aus unerklärlichen Gründen in Weidezäune, andere Tiere hatten angeschwollene Beine und Sprunggelenke sowie Abszesse – auch die Klauen waren betroffen. Es folgten Notschlachtungen und mehrere Tiere mussten eingeschläfert werden.

«Ein Desaster ohne Ende», sagt Thomas Peter und zeigt auf einen ganzen Stapel von Stellungnahmen des örtlichen Tierarztes, des Tierspitals Zürich und des zuständigen Klauenpflegers. Sie alle bestätigen die Vorkommnisse auf dem Hof, schreiben von unerklärlichen Besonderheiten unbekannter Genese, schliessen aber auch nicht aus, dass die Strahlenbelastung die Probleme ausgelöst haben könnte. Inzwischen sind 23 Tiere zu Schaden gekommen, die finanziellen Einbussen betragen über 33'000 Franken.

IG-Präsident fordert Vertragskündigung

Theo Wirth, Co-Präsident der IG Mobilfunk, ärgert sich, dass die Anlage auf dem Dach der Küchenbaufirma Elibag von UMTS auf die LTE-Technik (4G) umgerüstet wird. Damit befürchtet er massiv höhere Schädigungen. Deshalb verlangt die IG von Thomas Fries, Geschäftsleiter der Firma Elibag, dass er den 10-Jahres-Vertrag mit Sunrise auf Mai 2019 kündigt beziehungsweise nicht mehr verlängert. Noch weiss Thomas Fries nicht, wie er sich entscheiden wird.

Einerseits will er mit der möglichen Strahlenbelastung kein Leid über Mensch und Tier bringen, anderseits steht sein Gebäude in der Gewerbezone, wo seines Erachtens Mobilfunkantennen auch hingehören. In einer Stellungnahme schreibt Sunrise dazu, dass sie in der gleichen Region einen Alternativstandort suchen werde, sollte der Vertrag mit der Firma Elibag nicht verlängert werden.

Für Theres Wenger, Kommunikationsleiterin Sunrise, müssen die Mobilfunkantennen dort stehen, wo sich die Kunden aufhalten und ihre Dienste nutzen. Um deren Bedürfnissen gerecht zu werden, bauen alle Anbieter ihre Mobilfunknetze laufend aus. «Das Datenvolumen verdoppelt sich in der Schweiz alle zwölf Minuten», schreibt Wenger weiter. Zudem habe die Forschung keine ge­sundheitsschädigenden Wirkungen nachgewiesen.

Alternative Standorte sind da

Für Christoph Ziegler, Gemeindepräsident von Elgg, gehört eine flächendeckende Abdeckung und die heute notwendige Kapazität für mobile Dienste zu einer attrak­tiven Wohngemeinde. Auch das Gewerbe sei auf funktionierende Mobilfunkverbindungen angewiesen, sagt er. Die Gemeinde lehnte das erste Baugesuch für die Mobilfunkantenne Obermühle ab, das Baurekursgericht hiess das Gesuch hingegen gut.

Die Gemeinde stellte Sunrise gemeindeeigene Alternativstandorte bei der ARA, der Schnitzelhalle oder auf dem Schneitberg zur Verfügung, welche aber aus Standortgründen abgelehnt wurden. «Uns sind die Hände gebunden», sagt Ziegler. Hier spiele der freie Markt. Die Gemeinde prüfe nun die Rechtmässigkeit und biete Hand für Vermittlungsgespräche, er hofft, dass die Situation nicht ­eskaliert und einvernehmliche ­Lösungen gefunden werden.

Landwirt fühlt sich alleingelassen

Von solchen Lösungen hält Landwirt Thomas Peter nach mehreren erfolglosen Gesprächen wenig. Er will, dass das Elend seiner Tiere endlich aufhöre und er den Betrieb, den er in der fünften Generation bewirtschaftet und bislang nie Probleme hatte, wieder normal führen kann. Er fühlt sich alleingelassen: vom Bauernverband und von Michael Hässig, Leiter der Bestandesmedizin am Tierspital Zürich, welcher bis vor einem Jahr die Meldestelle Nunis (Nutztiere und nicht ionisierende Strahlung) führte.

Auf Anfrage rechtfertigt sich ­Michael Hässig, dass die Studie des Bundesamts für Umwelt abgeschlossen sei und man auf den Bericht warte. Er spüre die Unzufriedenheit betroffener Landwirte, hingegen sei nur ein sehr kleiner Teil von der Strahlenbelastung betroffen. Heute gehe man davon aus, dass gesunde Tiere keine Probleme haben. Hingegen seien Tiere mit schlechtem Immunsystem mehr gefährdet.

Er sei enttäuscht, dass der Nationalrat höhere Grenzwerte verlange, damit das Mobilfunknetz ausgebaut werden könne. «Die WHO warnt vor einem Krebsrisiko bei Mobilfunkstrahlung und erhöhte die Einstufung. Das Par­lament will trotzdem höhere Grenzwerte», ärgert er sich. Er befürworte ein Moratorium, bis die WHO-Studie ausgewertet sei. (Ruth Bossert)

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