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Remar: «Helfen ist unsere Pflicht»

Unbekannte Organisation

Remar: «Helfen ist unsere Pflicht»

Die Hilfsorganisation «Remar» feiert ihr 25-jähriges Bestehen in der Schweiz. Dennoch ist die Organisation weitgehend unbekannt – doch das soll sich ändern.

Fabienne
Würth
Donnerstag, 01. Juni 2017, 12:49 Uhr Unbekannte Organisation
Paulo Oliveira im Brockenhaus von Remar: Vor 20 Jahren war er heroinsüchtig, heute ist er Geschäftsführer von Remar Wetzikon. (Bild: Fabienne Würth)

Antonio sortiert im Brockenhaus von «Remar» in Wetzikon Teller und Tassen. Der 34-jährige Neapolitaner ist seit zwölf Tagen bei Remar in der Schweiz und hat – wie alle anderen 33 Beschäftigten – ein grosses Ziel vor Augen: den Sprung aus der Heroinsucht zu schaffen. «Ich bin froh, hier zu sein», sagt er. «Das ist meine Chance, wieder auf die Beine zu kommen.»

Dass sich hinter der Fassade des Brockenhauses ein Reha-Zentrum zur Arbeitstherapie befindet, ist vielen gar nicht bewusst – das weiss Geschäftsführer Paulo Oliveira. «Als wir im November ein Kerzenziehen durchgeführt haben, staunten viele Besucher, dass wir mehr sind als ein Brocki – wir organisieren Umzüge, bieten Wohnungsreinigungen oder Räumungen von Geschäfts- und Privaträumen an. Alles mit dem Ziel, Suchtkranken den Wiedereinstieg in einen geregelten Alltag zu ermöglichen.» Diese engagieren sich für Kost und Logis.

In Spanien gegründet

Die weltweit agierende Organisation, die in 74 Ländern präsent ist, unterstützt zudem Hilfsbedürftige. «Helfen ist unsere Pflicht», heisst es auf der Website. Aktuell sammelt Remar für die Hungersnot in Afrika. «Das Geld generieren wir durch unsere Projekte. Wir finanzieren uns zu 80 Prozent aus Dienstleistungen und zu 20 Prozent aus Spenden», sagt Oliveira, der zusammen mit vier weiteren Festangestellten in Wetzikon tätig ist.

Das christliche Hilfswerk Remar wurde 1987 in Spanien gegründet. 1992 wurde die Niederlassung in der Schweiz mit Filialen in Schwerzenbach, Uster, Mönchaltorf, Hinwil, Volketswil und Basel eröffnet. «Zum Jubiläum öffnen wir die Türen zu den Wohnunterkünften unserer Rehabilitanden auf einem alten Bauernhof in Volketswil und laden zu einem Kongress im Ustermer Stadthofsaal ein», sagt Oliveira.

System Remar funktioniert

Auch der Gründer von Remar international, Miguel Diez, wird vor Ort sein. Laut seiner Biografie war er selber spiel- und suchtkrank, ehe er sich durch die Zuwendung zum christlichen Glauben davon befreien konnte. Unter anderem wegen seiner Haltung zu Homosexualität und Frauen, denen er eine untergeordnete Rolle zuweist, werden er und Remar aber auch immer wieder kritisiert.

Aber das System Remar funktioniere, sagt Paulo Oliveira: 45 Prozent der Klienten gelinge der Wiedereinstieg in die Gesellschaft, drogenfrei. Er selbst war heroinsüchtig, habe dank Remar vor 20 Jahren den Weg aus der Abhängigkeit gefunden.

Weniger Abhängige als Früher

Remar platziert die Drogensüchtigen für durchschnittlich 18 Monate in einer Niederlassung im Ausland. Wie Oliveira bleibt ein grosser Teil an Personen, die bei Remar in Therapie war, innerhalb des Werkes. Aktuell sind knapp 25 Schweizer im Ausland in Rehabilitation.

Das sind weniger, als noch vor 20 Jahren. «Damals war der Platzspitz ein grosses Thema. Seit der kontrollierten Methadon- und Heroinabgabe hat sich die Situation entschärft, aber heute werden Drogen einfach versteckter genommen, oft auch am Wochenende. Auch kommen beispielsweise häufiger als früher Jugendliche zu uns, die durch ihren Cannabiskonsum nicht mehr arbeitsfähig sind», so der Geschäftsführer. Und er fügt an: «Wir sind da und helfen, wo wir können.»

 

Der Kongress im Stadthaussaal Uster findet am 3./4. Juni von 10 bis 14 Uhr statt. Der Tag der offenen Türe auf dem Bauernhof im Erdbeerenrain in Volketswil ist am 26. August von 16 bis 19 Uhr.

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