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Immer grössere Welse

Die Monster vom Greifensee

Fänge von zwei Meter grossen Welsen an der Aare und am Bodensee sorgten in jüngster Zeit für Aufsehen. Solche Brocken schwimmen auch im Greifensee. Müssen Hundehalter nun aufpassen?

Mittwoch, 16. August 2017, 16:33 Uhr Immer grössere Welse

Es sind Bilder, die manchem Schwimmer das Blut in den Adern gefrieren lassen: Fischer, die wahre Monster präsentieren, die sie aus Schweizer Flüssen und Seen gezogen haben. Diesen Sommer etwa einen 50 Kilo-Wels aus der Aare, oder einen über zwei Meter langen Wels aus dem Bodensee – urzeitlich wirkende Ungetüme, die mit uns Badenden im Sommer das Wasser teilen.

Population nimmt überall zu

Die spektakulären Fänge sind kein Zufall. Wie kaum ein anderer Fisch hat sich der Wels, der grösste europäische Süsswasserraubfisch, in den vergangenen Jahren in Schweizer Gewässern ausgebreitet. Auch im Greifensee. «Die Wels-Population nimmt hier seit Jahren zu», sagt Andreas Hertig, Adjunkt Fischerei des Amts für Landschaft und Natur des Kantons Zürich.

«Das sind Schauergeschichten»
Andreas Hertig, Adjunkt Fischerei, über «Killer-Wels Kuno»

Dass sich manche vor dem Fisch mit den auffälligen Barteln fürchten, kann er verstehen. Mit ihrer schuppenlosen Haut, dem grossen Kopf und den kleinen Augen sähe der Wels ziemlich urtümlich aus. «Und manche Exemplare sind wirklich riesig.» Bis zu 3 Meter lang und über 100 Kilogramm schwer kann der Europäische Wels werden. Und bis zu 60 Jahre alt. Je älter das Tier, desto grösser wird es.

Von Menschen ausgesetzt

Im Greifensee kommt der Wels etwa seit 25 Jahren vor. Wie in fast allen anderen Schweizer Seen wurde er hier unerlaubterweise von Menschen ausgesetzt; sogenannt autochthon, also ursprünglich heimisch, ist er hierzulande nur im Rhein, im Bodensee und in Jura-Randseen. «Inzwischen kratzen auch im Greifensee manche ältere Exemplare an der 2-Meter-Marke», sagt Hertig.

Ein riesiger Wels in der Aare. (Quelle: Youtube)

Kraft und Geduld notwendig

Auch die Greifensee-Fischer berichten von immer grösseren Welsen, die sie gesichtet haben. «An der Oberfläche tummeln sich aber eher die Kleinen», sagt der Riediker Berufsfischer Andreas Zollinger. Die grossen Brocken würden sich meist am Grund aufhalten. Der längste Wels, den Zollinger je gefangen hat, mass denn auch vergleichsweise kurze 1,3 Meter. «Es gibt aber bedeutend grössere.»

Diese Einschätzung teilt Andreas Heller, Präsident des Sportfischervereins Maur und Umgebung. Er weiss von Leuten, die Welse von über 1,8 Meter Länge im Greifensee gefangen haben. Um einen solchen Riesen ins Boot zu hieven, müsse man aber mit dem Boot auf den See hinaus. «Zudem braucht es viel Kraft, Geduld und Erfahrung.» In der Regel seien die gefangenen Welse im Greifensee deshalb deutlich kleiner.

Meist ein Beifang

Fakt ist, dass die Zahl der Welse im Greifensee stetig zunimmt. Das belegen die Fangquoten, die Berufs- und Hobbyfischer der Fischerei- und Jagdverwaltung melden müssen. Im Jahr 2015 waren es seitens der Hobby-Fischer 93 Exemplare. 2010 noch gerade mal 12. «Der Wels scheint sich hier wohlzufühlen», sagt Fischerei-Adjunkt Hertig.

Anders als an anderen Gewässern klagt am Greifensee aber niemand, dass der Wels alle anderen Fische weg fresse. «Die meisten von uns fischen nach Hecht und Egli. Und davon hat es nach wie vor genug», sagt Beni Stettler, Präsident der Freien Fischer-Vereinigung Greifensee-Schwerzenbach. Der Wels sei eher Beifang. Anders als viele meinen, eigne sich der «Waller» aber gut als Speisefisch. Die kleinen, jüngeren seien dabei schmackhafter als die grossen, fetten. «Generell kann man sagen: Der Wels im Greifensee ist kein Problem.»

Hunde in Gefahr?

Wirklich nicht? Es gibt Berichte, dass Welse auch anders können: So soll «Killer-Wels Kuno» im deutschen Mönchengladbach mehrere badende Dackel verspiesen haben. Und in der Nähe von München hat ein Wels im vergangenen Sommer angeblich eine Schwimmerin angegriffen, wie mehrere Zeitungen berichteten.

Für Hertig sind das Schauergeschichten: «Und wenn es wirklich zu diesen Vorfällen gekommen sein sollte, sind sie absolute Ausnahmen.» Der Wels sei zwar ein gefrässiger Räuber. Auf seinem Speiseplan stehen aber in erster Linie Fische. Oder auch mal eine Ente, eine Möwe oder eine schwimmende Ratte. «Schwimmer müssen im Greifensee aber vor keinem Fisch Angst haben. Und auch badende Hunde nicht.»

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