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Wer holt die Kastagnetten aus dem Feuer?

Flamenco-Veranstaltung in Uster

Wer holt die Kastagnetten aus dem Feuer?

Am Wochenende klackern in Uster die Schuhsolen und wirbeln die Röcke zu perkussiven Gitarrenklängen. Dann finden im Kulturhaus Central Flamenco- Vorstellungen statt. Zwei Zürcher Oberländerinnen leben die feurige Kunst auf der Bühne, müssen jedoch abseits ums eiskalte Geschäft kämpfen.

David
Marti
Donnerstag, 23. November 2017, 06:58 Uhr Flamenco-Veranstaltung in Uster

«Flamenco lebt nicht nur von jungen Körpern. In Spanien gibt es auch 70-Jährige, die noch Flamenco tanzen», sagt die 33-jährige Flamenco-Tänzerin Ladina Bucher. Zusammen mit ihrer Freundin Nadine Philipp organisiert sie am Samstag und Sonntag zwei unterschiedliche Flamenco- Aufführungen im  Kulturhaus Central in Uster. Sie treten selber an beiden Tagen als Tänzerinnen auf. Auf die Frage  was für sie Flamenco sei, kommt von Bucher zunächst einmal eine umfassende sachliche Antwort. Erst auf Nachfrage sagt sie: «Rhythmus verinnerlichen und Kommunikation zwischen Gesang, Tanz und Gitarre.»

Während ihrem mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Spanien und dem steten Kontakt mit Spaniern hat sich auch ihr eher kühles Zürcher Temperament dem iberischen angeglichen. «Die Spanier fluchen mehr, das habe ich ein wenig übernommen, ich nehme so auch andere fluchende Leute gelassener.»

Fördergesuch abgelehnt

Gelassenheit braucht’s auch in Sachen Finanzierung: «Ohne Kulturförderung wird es schwer», so Bucher. Das Kulturförderungsgesuch an die Stadt Uster wurde abgelehnt. Laut Bucher mit folgender Begründung: Die Stadt Uster fördere keine Anlässe, die in einem Bezug zu Vereinen stehe. Die Vereine würden sich über die Vereinsaktivitäten und Mitgliedschaften selber finanzieren.

Bucher sagt, der Frust dabei sei, dass Philipp und sie als Stadtzürcherinnen ohne Bezug zu Uster bessere Chancen gehabt hätten, Fördergelder für die Durchführung eines Events in Uster zu bekommen. Die explizite Erwähnung, dass Nadine Philipp im Verein Movity Bewegungsschule Uster tätig ist, habe ihnen die Chancen auf die Fördergelder genommen. Christian Zwinggi von der Stadt Uster sagt: «Es ist falsch, dass Zürcher bessere Chancen auf Fördergelder hätten als Ustermer.»

Viele freie Plätze

Die beiden hoffen jetzt noch auf Förderbeiträge von der Migros. Die Organisatorinnen Ladina Bucher und Nadine Philipp kalkulierten knapp. Die Aufführung muss Ausverkauft sein, um die Ausgaben von 10‘700 Franken annähernd zu decken. Aber auch wenn beide Abendvorstellungen im Kulturhaus Central ausverkauft sind, rechnen die beiden noch mit einem Verlust von 1464 Franken.

Bis heute sind für beide Tage von insgesamt 360 Sitzplätzen erst ungefähr 100 Reservationen eingegangen. Während die Ustermer kaum Interesse an Flamenco zeigen, sei das in Zürich und Winterthur anders. «In diesen Städten füllen wir ohne Probleme auch grosse Säle.»  Der gewichtigste Ausgabenposten betrifft die Gage der Künstler: Neun professionelle Tänzer, Musiker und Sänger aus Spanien und der Schweiz schlagen mit 7000 Franken zu Buche. Nicht eingerechnet ist der Lohn der beiden Tänzerinnen und Organisatorinnen Bucher und Phillip, die notfalls darauf verzichten wollen.

Auch Tanzschule beim Auftritt dabei

Ohne finanzielle Entschädigung treten die 30 Schüler der Tanzschule auf. Phillip unterrichtet Flamenco an der Movity Bewegungsschule in Uster. Bucher bietet Tanzkurse in verschiedenen Tanzschulen in der Schweiz an. Beide haben ihr Handwerk in Spanien verfeinert. Phillip arbeitet nebenbei noch als Sporttherapeutin, Bucher hat den Bachelor in Theater- und Tanzwissenschaft an der Universität Bern gemacht.

Das ist Flamenco
Flamenco – das ist Gitarre, Gesang und Tanz. Eine Kunst vor über 200 Jahren in Andalusien geboren. Sie war dem Schmelztiegel der Kulturen der Mauren, Juden, Zigeuner und Andalusier zu verdanken. 2010 ist Flamenco von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Laut Bucher und Phillip ist der Flamenco in Uster eine Nischenkultur, die ums Überleben kämpft. Die geplante Auftrittsreihe im Kulturhaus Central sollen den Flamenco der lokalen Bevölkerung näher bringen. Reservation per E-Mail an nadine.philipp@bluewin.ch

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