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Sulzbacherstrasse in Uster

Unzufrieden mit der Lärmbekämpfung

Anwohner gehen gegen die Sanierung der Sulzbacherstrasse in Uster vor. Auf einen Bescheid müssen sie aber länger warten als geplant.

David
Marti
Montag, 26. Februar 2018, 09:17 Uhr Sulzbacherstrasse in Uster
Sulzbacherstrasse Uster
Die Sulzbacherstrasse mit Blick auf das Herracher-Quartier. (Foto:Nathalie Guinand)

Die Sulzbachstrasse soll von der Einmündung in die Aathalstrasse bis zur Nossikerstrasse für 6,6 Millionen Franken saniert werden (wir berichteten). Das Projekt hinkt dem ursprünglichen Zeitplan jedoch hinterher. Der Terminplan des vergangenen Jahres sah vor, dass die Prüfung allfälliger Einwendungen im Sommer 2017 behandelt wird, bevor dann die öffentliche Planauflage erfolgt. Nun ist klar dass sich das ganze Bauprojekt um mindestens neun Monate verzögert, sagt Thomas Maag, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion.

Zum Grund dieser Verzögerung meint Maag: «Die Brücke über die Aa ist sanierungsbedürftig. Dieses Bedürfnis konnte erst später ins Projekt einbezogen werden.» Somit werde auch die Bauausführung voraussichtlich erst im Winter 2019 losgehen – ein Jahr später als geplant. «Ob die Kosten für die Instandsetzung der Brücke  über ein separates Projekt abgerechnet oder ins Strassenprojekt integriert werden, ist noch offen.»

(Grafik: Baudirektion Kanton Zürich)

Jedermann darf Einwendungen machen

Einwendungen zu einem Bauprojekt kann jeder Bürger machen. Die Einsprache zur Planauflage muss hingegen von einem direkt betroffenen Anwohner oder einer gemäss Verbandsbeschwerderecht einspracheberechtigten Institution kommen. Im Fall der Sulzbacherstrasse gingen bei der Baudirektion 15 Einwendungen ein. Eine davon von der «Eigentümergemeinschaft im Herracher Uster».

Ablauf nach Strassengesetz:

Roter Pfeil: Stand des Projektes heute
Grüner Pfeil: Ziel Sommer 2018

(Grafik: Baudirektion Kanton Zürich)

In dem Schreiben sind nebst Sicherheitsbedenken und verkehrstechnischen Überlegungen auch Anregungen für eine bessere Lärmsanierung aufgelistet. Dabei solle auch auf der Sulzbacherstrasse auf Höhe des Herracher-Quartiers ein sogenannter Lärmreduzierender Belag  asphaltiert werden. In der Projektierung der Zürcher Baudirektion sei dies nicht vorgesehen –die Lärmemissionen sollen dort stattdessen mit Schallschutzfenstern gedämmt werden.

«Eine Erweiterung der Tempo-50-Zone würde die Situation entschärfen.»

Hans Conrad Daeniker, Anwohner

Keine Post vom Kanton

Hans Conrad Daeniker ist Mitglied der Eigentümergemeinschaft und wohnt direkt an der Sulzbacherstrasse. Er verstehe diese «Ersatzmassnahme» nicht, sagt er. «Wieso werden einzelne Abschnitte der Sulzbacherstrasse mit Flüsterbelag versehen und andere nicht?» Auch eine Temporeduktion, die den Lärmpegel verringern würde, könne er sich vorstellen. «In der Zone beim Herracher beschleunigen die Autos auf Tempo 60. Eine Erweiterung der Tempo-50-Zone würde die Situation entschärfen.» Das Einwendungsschreiben des «Eigentümergemeinschaft im Herracher Uster» werde aktuell – wie alle anderen Einwendungen – vom Kanton geprüft, sagt Thomas Maag. Den Umgang mit Einwendungen erklärt er so: «Ist eine Einwendung aus  unserer Sicht sinnvoll und realisierbar, wird sie ins Bauprojekt eingearbeitet.»

(Grafik: Baudirektion Kanton Zürich)

Absendern von Einwendungen werde eine allfällige Ablehnungsbegründung aber nicht mit der Post zugestellt. Sie müssten diese aus dem technischen Bericht der Projektauflage entnehmen.

Die nächste Sitzung entscheidet

Damit ist klar, dass die Eigentümergemeinschaft Herracher erst bei der Planauflage erkennen wird, ob ihre Einwendungen Gehör fanden. Eine Ablehnung muss aber vom Kanton zumindest begründet werden. Ob danach das nächste rechtliche Mittel gegen das Bauvorhaben ergriffen wird, kann der Präsident der Eigentümergemeinschaft, Christian von Dach, erst nach deren Jahressitzung im April sagen. Er selber sehe bei der Sanierung eher Sicherheitsbedenken. «Anders als die Eigentümer in der ersten Hauszeile macht sich bei mir der Lärm in der dritten Reihe besonders im Sommer bei offenem Fenster bemerkbar. Ich nehme dann ein Dauerrauschen aus Richtung Gossau wahr. Dies obwohl die Strasse in Luftlinie doch 300 bis 400 Meter entfernt ist.»

Beim Wohnquartier zu laut

Das Bundesamt für Umwelt setzt die Grenze der Alarmwerte in Wohngebieten am Tag auf 70 Dezibel und in der Nacht auf 65 Dezibel. Was die Lärmmessung des Kantons im Wohnquartier Herracher ergab, wird erst in der Planauflage im kommenden Sommer veröffentlicht. Hingegen sind die Lärmemission auf Höhe des Herrachers bekannt: Mit rund 78 Dezibel am Tag und rund 68 in der Nacht liegen sie deutlich über den definierten Alarmwerten. Somit ist der Kanton zu einer Lärmsanierung gezwungen.

«Über den Entscheid des Bundes sind wir glücklich, denn er entlastet den Kantonshaushalt.»

Thomas Maag, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion

Die Frage ist, wie diese verwirklicht wird. Laut der Lärmschutzverordnung des Bundes sind eigentlich Massnahmen, welche die Lärmerzeugung verhindern oder verringern zu bevorzugen. Solche Massnahmen wären zum Beispiel lärmreduzierender Asphalt, Temporeduktionen oder Änderung des Strassenverlaufs. Erst dann sollen Umsetzungen folgen, die die Lärmausbreitung verhindern oder verringern, etwa Lärmschutzwände, Erdwälle oder Schallschutzfenster.

Lärmreduzierender Belag

Doch was sind die Vor- und Nachteile eines lärmreduzierenden Belags, wie ihn die Anwohner des Herracher-Quartiers fordern? Laut einer Studie der ETH Zürich kann lärmreduzierender Strassenbelag die Rollgeräusche des Verkehrs im besten Fall zwischen 7.5 und 10 Dezibel mindern.

Allerdings haben laut dem Zürcher Tiefbauamt die Beläge nur eine Lebenszeit von 12 bis 15 Jahren – 30 bis 50 Prozent weniger als herkömmliche Beläge. Eine weitere Studie zeigt zudem, dass der schalldämpfende Effekt der Strasse mit der Zeit abnimmt.

Revision erfreut Kanton

Gemäss einer Anpassung der Lärmschutz-Verordnung (LSV), werden die finanziellen Beiträge vom Bund an die Kantone bis 2022 verlängert. Ursprünglich sollten diese am 31. März 2018 eingestellt werden. Neu werden 51 Millionen für die nächsten vier Jahre an die Kantone fliessen. Thomas Maag sagt: «Über den Entscheid des Bundes sind wir glücklich, denn er entlastet den Kantonshaushalt. Für die Lärmsanierung Sulzbacherstrasse hat dieser Beschluss jedoch keine Auswirkungen.»

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