×

Unfertige Kunst in Uster

Zeichnungen und Skizzen von Jan Czerwinski

Unfertige Kunst in Uster

Für die nächsten 11 Monate werden an acht Standorten in Uster die Plakate von Jan Czerwinski zu sehen sein. Diese unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von den Plakaten seiner Vorgänger: Sie sind unvollendet.

Alexandra
Gygax
Montag, 10. Juli 2017, 11:19 Uhr Zeichnungen und Skizzen von Jan Czerwinski
Jan Czerwinski vor einem Werbeplakat seiner Plakatserie
Jan Czerwinski vor der Abdeckung, die wirbt für das, was darunter ist. (Bild: Alexandra Gygax)

Das grelle Gelb der Plakatabdeckung ist ein starker Kontrast zum grauen Ustermer Stadthaus. Die Blachen bewerben, was sich unter ihnen versteckt: Skizzen und Zeichnungen, «Gekribbel» und Unfertiges von Jan Czerwinski. Der freischaffende Künstler wurde von der Kulturkommission Uster angefragt, um acht Plakatstellen zu gestalten. «Ich habe die Ausstellungen meiner Vorgänger immer mit Freude verfolgt», sagt er. «Ich lebe in Uster, das heisst ich bin jeden Tag an diesen Plakaten vorbeigegangen. Im Unterschied zu den letzten Serien wollte ich wieder das Handgemachte zeigen – das gab es schon länger nicht mehr.» Ausserdem wollte er ausprobieren, wie kleine Skizzen auf grossen Plakaten wirken.

Schnabel und Schere

Die ältesten Zeichnungen der Plakatserie stammen von 2004. Schon damals hatte er Ideen, Zeichnungen und Unvollendetes aufgehoben, aber nicht nur in Skizzenbüchern, wie das vielleicht andere machen. «Meistens male ich auf lose A4 Papiere, die ich überall herumliegen habe.» Diese Papiere hebe er dann auf, entweder in Schachteln, oder er lässt sie binden. «Dieser Prozess kann mehrere Jahre dauern. Schliesslich weiss ich auch nicht, welche Zeichnungen ich nochmals brauchen will.» Für die Ausstellung in Uster habe es ihm Spass gemacht, wieder durch alte Ideen zu wühlen. «Zum Beispiel habe ich früher viele Kribbeleien zu den Unterschieden zwischen Vogelschnabel und Krabbenschere gezeichnet.» Diese habe er nie weiterverarbeitet. «Auch diese Skizze wird man auf den Plakaten sehen können.»

Nicht jede Skizze ist ein Entwurf

Für Jan Czerwinski sind Skizzen sehr wichtig. «Eine Skizze kann mir als Vorstudie dienen um auszuprobieren, wie ich etwas darstellen kann.» Dann sei die Skizze auch wirklich ein Entwurf - das sei aber nicht immer so. «Es gibt natürlich viel mehr Zeichnungen als fertige Bilder. Denn ich zeichne auch rings um das Thema eines Bildes herum.» So improvisiere er mit Ideen, die ihm gefallen. «Auch wenn das Bild eigentlich fertig ist, kann es sein, dass ich noch Zeichnungen dazu mache, einfach weil ich das Thema noch nicht als ausgeschöpft empfinde.»

Wenn man Czerwniskis Werke betrachtet, fällt auf, dass es Themen gibt, die ihn speziell faszinieren. «Schädel kommen immer wieder vor. Ihre Struktur und kulturhistorische Bedeutung interessiert mich.» Auch Asteroiden, Felsen oder Flechten male er gern, denn Strukturen, die man aus der Nähe betrachtet neu wahrnimmt, begeistern den 51-jährigen. «Alles am Rande der menschlichen Vorstellung und Wahrnehmung finde ich spannend, zum Beispiel die Unendlichkeit oder der Mikrokosmos.»

Verführung aus dem Alltag

Für die aktuelle Ausstellung stellt sich Czerwinski auch die Frage, wie eine Zeichnung, an der man täglich vorbeigeht, auf die Passanten wirkt. «Wenn man vergleicht, wie grell sonst Werbeplakate gestaltet sind, halten sich meine Skizzen eher zurück. Bis auf die Plakatabdeckung, aber die dient ja auch der Werbung», ergänzt er und lacht. Er möchte, dass die Leute in seinen Zeichnungen etwas Neues entdecken, die Handarbeit bemerken und «kurz aus dem Alltag austreten.» Das sei einer der grossen Verführungsmomente die die Kunst besitze. «Wenn ein, zwei Leute beim Vorbeilaufen stehen bleiben um ein Plakat genauer zu betrachten, hat sich die Ausstellung schon für mich gelohnt.»

Die Vernissage findet am Freitag, 14. Juli, um 18 Uhr beim Stadthausplatz Uster statt. Nach einer Einführung werden die Plakate gemeinsam enthüllt, danach gibt es einen Apéro bei der Villa am Aabach.

Kommentar schreiben

Kommentar senden