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Kiesabbau in Freudwil

Stopper und Kessler wollen Abbaupläne verhindern

Die beiden BPU-Gemeinderäte Werner Kessler und Paul Stopper aus Uster wollen den Kiesabbau im Weiler Freudwil unbedingt verhindern. Schon gegen den Gestaltungsplan erhob Stopper Einspruch – vergeblich. Nun versuchen es die beiden mit einer Beschwerde beim Bezirksrat.

Malte
Aeberli
Dienstag, 19. Dezember 2017, 08:22 Uhr Kiesabbau in Freudwil
Bereits heute wird in Freudwil Kies abgebaut. Neu soll östlich der Freudwilerstrasse ein neues Abbaugebiet erschlossen werden. Die BPU-Gemeinderäte Paul Stopper und Werner Kessler wollen das Vorhaben allerdings noch stoppen. (Archivbild: Fabio Meier/Bildmontage: Andreas Steiner)

Kiesabbau ist in Uster ein schwieriges Geschäft: Eine Initiative der Grünen will ihn im Näniker Hardwald ganz verbieten. Die Ustermer Bevölkerung wird wohl im kommenden Jahr über die Initiative befinden.

Ein weiteres Kiesabbau-Projekt für das Gebiet Freudwil-Hooggen auf Ustermer Boden ist zudem ins Visier der beiden BPU-Gemeinderäte Werner Kessler und Paul Stopper geraten. Vorgesehen ist ein Abbaugebiet von acht Hektaren, was rund elf Fussballfeldern entspricht. Schon im Sommer 2016 wollte Stopper den Gestaltungsplan verhindern – allerdings vergeblich. Alle Einwendungen wurden nicht berücksichtigt. Der Gestaltungsplan ist gültig.

Auf verlorenem Posten?

Bereits 2003 schloss die Stadt Uster, Eigentümerin der Grundstücke, einen Abbauvertrag mit der «Kies AG» aus Bauma ab, die zur FBB-Gruppe gehört. Dieser Vertrag wird der Stadt in den kommenden 15 Jahren rund 7,2 Millionen Franken in die Stadtkasse spülen. Der Gemeinderat genehmigte den Vertrag im letzten September mit nur drei Gegenstimmen. Gemäss Vertrag muss die Kies AG in den kommenden zwölf Monaten mit dem Abbau des Kieses beginnen.

Stopper und Kessler nehmen nun einen vermutlich letzten Anlauf, die Abbaupläne doch noch zu verhindern. Die beiden reichten eine Gemeindebeschwerde beim Bezirksrat ein und fochten damit den Entscheid des Ustermer Parlaments an. Allerdings entzog der Bezirksrat der Beschwerde mit Präsidialentscheid bereits die aufschiebende Wirkung. Was ein erster Hinweis auf den Ausgang des Verfahrens sein könnte.

Donnernde Lastwagen

Paul Stopper und Werner Kessler führen in ihrer Beschwerde den Umweltartikel ins Feld, den die Ustermer Stimmbürger 2012 in die Gemeindeordnung aufgenommen haben. Dieser verpflichtet die Stadt unter anderem zu einer «kontinuierlichen Reduktion des CO2-Ausstosses pro Einwohner» und zur Förderung der Energie-Effizienz.

«Man fährt den Kies rund 15 Kilometer bis nach Gossau zur Aufbereitung. Das ist doch ein Irrsinn.»
Paul Stopper, BPU-Gemeinderat Uster

Diesen Artikel sieht Stopper missachtet. Denn im Gestaltungsplan stehe schon explizit, dass jährlich 20‘000 Lastwagen mitten durch Uster fahren würden, weil das Kies zur Aufbereitungsanlage in Gossau gefahren werden müsste. «Dann donnert alle sieben Minuten ein 40-Tönner durch Uster», enerviert sich Stopper. Unverständlicherweise habe man keine alternative Aufbereitung des Kieses auf der Abbaustelle selbst oder bei der näheren Hard AG in Volketswil geprüft. «Stattdessen fährt man den Kies rund 15 Kilometer bis nach Gossau zur Aufbereitung». Das nicht verwertbare Material werde dann auf dem gleichen Weg wieder nach Freudwil gekarrt. «Das ist doch ein Irrsinn».

Anfrage im Sommer

Die Argumente von Stopper und Kessler sind allerdings nicht neu. Bereits in den Erwägungen zum Gestaltungsplan führte Stopper dieselben Punkte ins Feld, wie wenig später in einer zusätzlichen Anfrage zum Kiesabbau im August 2017.

«Es wird nicht zu Mehrverkehr kommen.»
Auszug aus dem Gestaltungsplan Freudwil-Hooggen

Die Stadt äussert sich zwar aktuell nicht mehr zum Thema, weil die Beschwerde ein laufendes Verfahren betreffe. Aus der Antwort zu Stoppers Anfrage lässt sich die Position des Stadtrates aber durchaus ablesen. Gemäss kantonalem Gesamtkonzept werde der neue Standort als Ersatz für die Kiesgrube in Nänikon gesehen, weshalb es nicht zu Mehrverkehr für die Region kommen werde. Alle Zu- und Wegfahrten würden über den Autobahnanschluss Uster Nord erfolgen. Auch die kantonale Baudirektion stützte diese Argumentation.

Ökologischer Irrsinn oder regionale Bedürfnis?

Auch zu Stoppers Einwand zum Umweltartikel hat der Stadtrat eine klare Position. Zum einen mache eine Aufbereitung des Kieses auf dem Areal in Freudwil wirtschaftlich keinen Sinn. Zudem müsste selbst bei einer Aufbereitung bei der Hard AG, der Kies nach der Aufbereitung ebenfalls ins Lager nach Gossau gefahren werden.

In einer regionalen Gesamtbetrachtung decke sich das Vorhaben Kiesabbau in Freudwil-Hooggen deshalb durchaus mit dem Umweltartikel der Ustermer Gemeindeordnung. Könne doch mit einer lokalen Anlage in Uster ein regionales Bedürfnis befriedigt und grössere Transporte von und zu Kiesabbaugebieten ausserhalb der Region vermieden werden. Der Bezirksrat entscheidet Anfang des kommenden Jahres über die Beschwerde.

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