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Stadtzentrum soll autofrei werden

Der tödliche Unfall beim Bushof Uster hat ein politisches Nachspiel: Das Zentrum soll Fussgängerzone werden, fordert eine Motion.

Donnerstag, 28. August 2008, 09:00 Uhr

Am Abend des 1. August wollte ein 95 Jahre alter Mann vom Ustermer Bushof auf die andere Seite der Bankstrasse wechseln. Dabei wurde er von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Auf der Bankstrasse gilt - wie im ganzen Stadtzentrum - Tempo 30. Vermutlich war der betagte Mann daher überzeugt, dass er den Vortritt habe. Dem ist aber nicht so: Auch in Tempo-30-Zonen ist der Strassenverkehr vortrittsberechtigt.


Dafür, dass der Mann glaubte, korrekt zu handeln, spricht auch, dass er auf einem gepflästerten Streifen über die Strasse gehen wollte, den er vermutlich für eine Art Fussgängerstreifen hielt. Doch auch dies ist ein Trugschluss: In Tempo-30-Zonen sind Zebrastreifen nicht erlaubt - nur in Ausnahmen.

Altes Postulat von Rot-Grün

Der zuständige Stadtrat Hans Streit (SVP) sah nach dem Unfall keinen Handlungsbedarf. Nun wird er beziehungsweise der Gesamtstadtrat aber vielleicht doch handeln müssen. Denn es ist eine Motion eingereicht worden, die verlangt, dass der fragliche Bereich in eine Fussgängerzone umgewandelt wird. Und wenn diese von einer Ratsmehrheit überwiesen wird, ist eine entsprechende Vorlage zu erarbeiten.

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Dass nach dem tödlichen Unfall ein Vorstoss zur Änderung des Verkehrsregimes an der Bankstrasse kommt - wo es täglich 40'000 Fussgängerbewegungen gibt -, überrascht nicht. Bemerkenswert ist hingegen, dass er nicht von Rot-Grün kommt, also von SP, Grünen und Grünliberalen. Schliesslich ist eine Fussgängerzone im Zentrum seit Jahren ein Postulat der SP sowie des LdU, der sich in Uster früher neben der SP für grüne Anliegen einsetzte. Nein, die Motion kommt aus der ganz rechten Ecke, von SD-Gemeinderat Werner Kessler.

«Diffuses Verkehrsregime»

Konkret fordert Kessler, dass eine Vorlage zur Einrichtung einer Fussgängerzone im Gebiet Poststrasse, Bankstrasse (Abschnitt Bahnhofstrasse bis Amtsstrasse) und Gerichtsstrasse (Abschnitt Poststrasse bis Amtsstrasse) ausgearbeitet wird. Über die Bankstrasse hinaus soll also praktisch das ganze Gebiet autofrei werden, das heute Tempo-30-Zone ist. Der motorisierte Verkehr soll hier ausgeschlossen werden - mit Ausnahme der Busse. Und: «Für den Zulieferverkehr sind sehr restriktive Bestimmungen zu erlassen.»


Ein wesentlicher Einwand von Stadtrat Streit gegen eine Fussgängerzone ist, dass die Zufahrt zum Parkhaus unter der Grossüberbauung Skyline für die nächsten paar Jahre provisorisch von der Poststrasse her erfolgt. Dieses Problem soll laut Kessler so gelöst werden, dass die definitive Einfahrt von der Zürichstrasse her zeitlich vorgezogen wird. Die Vorlage soll gemäss Motion «zuhanden des Gemeinderates, gegebenenfalls zuhanden der Stimmbürgerschaft» erarbeitet werden.


In der Begründung dafür schreibt der SD-Gemeinderat, seit der Einführung des «diffusen Verkehrsregimes» herrsche auf der Bankstrasse «ein wildes Durcheinander von Durchgangsautoverkehr, Suchverkehr, Busverkehr, Veloverkehr und von verunsicherten Fussgängern». Seit der Entfernung der Zebrastreifen wisse niemand mehr, wer Vortritt habe. Nun sei die Einrichtung einer Fussgängerzone «forciert anzugehen».


Ein autofreies Zentrum habe ja schon in den 1980-er Jahren eine Volksinitiative verlangt. Sie sei aufgrund eines Gegenvorschlags aber zurückgezogen worden, weil der Stadtrat den Initianten die schrittweise Einführung einer zusammenhängenden Fussgängerzone in diesem Bereich versprochen habe. Realisiert worden sei dann aber «fast nichts».

Neuer Weg Post-/Bahnhofstrasse

In die Vorlage einbezogen haben möchte Gemeinderat Kessler auch «eine attraktive Fussgänger- und Veloverbindung» von der Poststrasse zur Bahnhofstrasse, als Verlängerung der Gerichtsstrasse. Eine solche sei sogar schon seit den 70er Jahren geplant gewesen, aber «immer wieder unter einem Vorwand hinausgeschoben» worden.

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