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Stadtbibliothek Uster – kein Geld mehr für Anlässe

Die Stadtbibliothek Uster muss dieses Jahr mit deutlich weniger Geld auskommen. Eigene Anlässe liegen nicht mehr drin – und zusätzlich soll sie die Gebühren erhöhen.

Mittwoch, 01. April 2015, 17:00 Uhr

Über 50 Vorträge, Lesungen, Ausstellungen und Aufführungen fanden im letzten Jahr in der Stadtbibliothek Uster statt. Dieses Jahr werden es noch rund 35 sein. «Das klingt nach einem kleinen Rückgang, die Wirkung aber ist gross», sagt Sabina Lilljeqvist Heierli, die stellvertretende Bibliotheksleiterin. Aus Spargründen musste ihre Institution fast alle eigenen Veranstaltungen aus dem Programm streichen, darunter auch die Kindermatinees im Frühling und Herbst. «Die Puppentheatervorstellungen waren beliebt und haben sich zu richtigen Familienanlässen entwickelt. Natürlich sind nun viele enttäuscht, dass sie nicht mehr stattfinden.»

Grösster Kostenfaktor

Um gut 80'000 Franken hat sich das Budget der Stadtbibliothek auf das neue Jahr hin verringert – ein Beschluss des Gemeinderats auf Antrag des Stadtrats. «Es ist ein Stück weit normal, wenn bei Sparrunden auch die Mittel der Bibliothek gekürzt werden», sagt Christian Zwinggi, der Kulturbeauftragte der Stadt und Leiter der Abteilung Präsidiales.

Schliesslich sei die Bibliothek mit einem Budget von 1,3 Millionen Franken immer noch der grösste Einzelposten im Bereich Kultur. Zum Vergleich: Für Kultur im engeren Sinn steht der Stadt im Jahr 470'000 Franken zur Verfügung.

Schon jetzt hohe Gebühren

Der Spardruck der Politik hat aber nicht nur Auswirkungen auf die Anzahl und Vielfalt der Anlässe. Durch die Streichung der Veranstaltungen spart die Bibliothek lediglich 10'000 Franken. Um die restlichen Kürzungen von 70'000 Franken stemmen zu können, schafft sie weniger neue Bücher, DVDs und Computerspiele an.

Ausserdem verlangt das Sparpaket des Stadtrats eine Erhöhung der Einnahmen. Sie sollen im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 Prozent steigen, von 362'000 auf 417'000 Franken. Ein Ziel, das die Bibliothek nur über höhere Ausleihgebühren erreichen kann. Im Auftrag der Abteilung Präsidiales haben von Arx und Lilljeqvist darum eine neue Gebührenordnung erstellt. In einem nächsten Schritt wird sie dem Stadtrat zur Prüfung vor­gelegt. «Wir haben alles getan, um die Erhöhung so verträglich wie möglich auszugestalten», sagt Lilljeqvist.

Bei der Bibliotheksleitung ist man sich bewusst: Schon jetzt sind die Leihgebühren der Stadtbibliothek Uster vergleichsweise hoch. 60 Franken kostet ein Jahresabonnement für Erwachsene, das zur Ausleihe aller Medienarten berechtigt. «Als wir vor zehn Jahren die Preise massiv erhöhen mussten, haben viele Kunden ihre Abonnements nicht mehr verlängert», sagt von Arx. Erst nach etwa drei Jahren erreichte die Zahl der Nutzer wieder das Niveau, wie es vor der Erhöhung war. Stand heute sind das rund 11'000 Abonnements und 5500 aktive Nutzer.

Gefahr eines Leistungsabbaus

Bei der Bibliothek trägt man die Kürzung mit Fassung – einigermassen. «Wenn die Finanzlage nicht mehr so gut ist, muss man etwas unternehmen», sagt Arlette von Arx. Sie will denn auch noch nicht von einem Leistungsabbau sprechen. «Wenn wir aber noch weiter beim Angebot sparen und die Einnahmen erhöhen müssen, dann besteht diese Gefahr.»

Sie ruft darum den Leistungsauftrag der Bibliothek in Erinne­rung – sozusagen prophylaktisch für weitere Budgetdebatten. Dort steht: «Die Stadtbibliothek dient der persönlichen Bildung und ist Veranstaltungs- und Begegnungsort. Damit leistet ?sie einen Beitrag zur Alltags­bewältigung und bietet Anregungen zur Lebens- und Freizeitgestaltung der Bevölkerung.» Für die Leiterin ist darum klar: «Um das umzusetzen, müssen wir im Kulturleben der Stadt eine aktive Rolle spielen – inklusive eigenen Veranstaltungen.»

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