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Sie wollen in Glasgow eine Medaille

Ustermerinnen an der Multisport-EM

Sie wollen in Glasgow eine Medaille

An den Europameisterschaften in Glasgow sind Jeannine Gmelin und Maria Ugolkova die ambitioniertesten Teilnehmerinnen aus der Region. Beide peilen eine Medaille an.

Florian
Bolli
Mittwoch, 01. August 2018, 10:26 Uhr Ustermerinnen an der Multisport-EM

Sie richten nicht gerade mit der kleinen Kelle an in Glasgow – zumindest verbal: «Eine neue Ära im Weltsport» beginne im August, heisst es auf der Webseite der «European Championships». Dass verschiedene Sportarten am selben Ort zur selben Zeit ihre Kontinentalmeisterschaften austragen ist ein europäisches Novum.

Eine Medaille wäre für Jeannine Gmelin kein Novum. Die Skiff-Weltmeisterin von 2017 aus Uster feierte vor drei Jahren zwar mit EM-Silber den ersten grossen Erfolg auf internationaler Bühne, doch die letzten beiden Chancen auf EM-Gold verpasste sie – 2016 wegen eines Grippevirus, 2017 aufgrund einer Rippenverletzung.

«Irgendwann wird die Serie aufhören. Es ist eine Challenge, sie weiterzuführen.»
Jeannine Gmelin

Zwar bleiben die WM und die Titelverteidigung das grosse Ziel, wie sie bekräftigt, dennoch hat diese EM einen speziellen Stellenwert. Gmelins Ambition ist klar, sie muss sie auch nicht aussprechen – denn von einer Athletin, die seit zwei Jahren jedes einzelne Rennen gewonnen hat, kann nur Gold erwartet werden. Eine Siegserie, die nicht selbstverständlich ist. Zahlen, wie lange die Serie schon andauert, interessieren sie nicht gross. Gedanken darüber macht sie sich dennoch, weil sie immer wieder darauf angesprochen wird. «Irgendwann wird sie aufhören», sagt die Ustermerin, «es ist eine Challenge, sie weiterzuführen.»

Auch unter Druck den Fokus behalten

Zuletzt, am Weltcupfinal auf dem Rotsee, wurde es knapp. Die Irin Sanita Puspure kam Gmelin sehr nahe, 23 Hundertstel betrug die Differenz. Gmelin musste bis am Ende beissen und kämpfen – und freute sich hernach über die Gewissheit, auch unter Druck bestehen zu können. Eine Situation, die sie auch mit ihrer Saisonplanung herbeigeführt hatte. «Mit Henley hatte ich eine grosse Belastung kurz vorher – das war auch ein Risiko.» Eine Woche vor dem Weltcup auf dem Rotsee hatte sie die prestigeträchtige Royal Henley Regatta bestritten (und gewonnen). Viel war dort neu für sie. Das durch viele Motorboote aufgewühlte Wasser, der K.o.-Modus, die vielen Zuschauer ganz nahe an der Strecke. «Ich musste mir Mühe geben, bei so viel Ablenkung den Fokus zu behalten», sagt sie. «Es brauchte Geduld und Nerven. Das bringt mich weiter.»

Vielleicht auch im Hinblick auf Glasgow – respektive das Strathclyde Loch südöstlich der Stadt. Was sie dort erwartet, weiss Gmelin nämlich nur zum teil. «Windig ist es», sagt sie, und natürlich kennt sie die Konkurrenz gut; die Irin Puspure und die Österreicherin Magdalena Lobnig nennt sie als stärkste Rivalinnen. Die britische Titelverteidigerin Victoria Thornley sagte ihre Teilnahme ab. Doch wie gross am Multisportevent die Ablenkungsgefahr sein wird, muss sich weisen. Dass sie den Fokus unter verschiedensten Umständen behalten kann, hat sie bewiesen. Es gibt kein Anzeichen dafür, dass ihre Serie ausgerechnet in Glasgow enden könnte.

Ugolkova: In Hochform Spass haben

Eine EM-Medaille – davon spricht Maria Ugolkova schon länger. Die beste Schwimmerin des SC Uster Wallisellen war nahe dran im letzten Dezember in Kopenhagen an der Kurzbahn-EM. Vierte wurde sie damals in ihrer Paradedisziplin 200 m Lagen. Auch in diesem Jahr zeigt ihre Leistungskurve nach oben – obschon sie im März zwei Wochen lang krankheitshalber nicht trainieren konnte. Einen Monat habe sie gebraucht, um wieder fit zu werden. «Nun bin ich aber in Hochform», sagt Ugolkova.

Das bewies sie Mitte Juli an der Sommer-SM in Aarau, wo die 29-Jährige bemerkenswerte Zeiten erreichte und ihren eigenen Schweizer Rekord über 100 m Crawl pulverisierte – quasi aus dem Training heraus.

«Es muss viel zusammenpassen»

Kurz vor der EM hält sie sich mit Ankündigungen zurück. «Schnell schwimmen und Spass haben» will sie, und in ihrer Paradedisziplin «den Final erreichen, dann schauen wir weiter». Ugolkova belegt derzeit den 8. Rang in der europäischen Bestenliste über 200 m Lagen – mit einer Zeit, die 78 Hundertstel über ihren eigenen Schweizer Rekord. Um in die Nähe der Topzeiten zu kommen, müsste sie diesen wohl unterbieten. Das gelang ihr allerdings seit 2016 bereits fünf Mal; zuletzt im Sommer 2017 in Rom. «Sie ist für einen Spitzenplatz gut», sagt SCUW-Präsident Philippe Walter. «Für eine Medaille müsste aber sehr viel zusammenpassen.»

Zwölf Oberländer in Glasgow

Jeannine Gmelin und Maria Ugolkova sind die aussichtsreichsten, aber nicht die einzigen EM-Athleten mit regionalem Bezug. Am grössten ist die Delegation des Schwimmklub Uster Wallisellen. Neben Ugolkova figurieren Sasha Touretski, Sara Staudinger, Svenja Stoffel und der Liechtensteiner Christoph Meier darin – und wohl auch Nina Kost. Die deutsch-schweizerische Doppelbürgerin hat einen Nationenwechsel und die einjährige Zwangspause hinter sich, wartet aber noch auf die Freigabe des Weltverbandes.

An den Ruderwettkämpfen ist neben Gmelin auch der Pfäffiker Benjamin Hirsch am Start – er kehrt nach einer Verletzungspause in den Vierer ohne Steuermann zurück. Bei den Kunstturnerinnen gehört Stefanie Siegenthaler (Bertschikon) mit ihren 20 Jahren nach der Verletzung von Giulia Steingruber bereits zu den Teamältesten. Die Hinwilerin Alessia Gresser startet bei den Juniorinnen. Zwei Oberländer nehmen die EM schliesslich in Rad-Disziplinen in Angriff: Nicole Hanselmann  (Fehraltorf) ist im Zeitfahren und im Strassenrennen gemeldet; Simon Marquart (Mönchaltorf) im BMX. (fbo)

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