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Sie planschten diesen Sommer im Greifensee

Ponys knuddeln als Therapie

Diego Schönenberger sorgt am Greifensee für Aufsehen, wenn er dort mit seinen Ponys baden geht. Diese trainiert er, um sie für die Therapie von behinderten und demenzkranken Menschen einsetzen zu können.

Deborah
von Wartburg
Mittwoch, 20. September 2017, 10:32 Uhr Sie planschten diesen Sommer im Greifensee
Jedes der Ponys hat seinen ganz eigenen Charakter, der dann auch sein Einsatzgebiet bestimmt. (Bild: Deborah von Wartburg)

Am Greifensee beim Seerestaurant «8610» in Uster konnte man diesen Sommer besonders herzige Badegäste antreffen. Denn um seinen Ponys eine Abwechslung zu gönnen und auf das geplante Therapieangebot hinzuweisen, ist Diego Schönenberger dort mit ihnen ins Wasser gegangen.

Hier sieht man die Aktion noch im Handyvideo (Video: zvg):

«Die Idee hatte eine Frau aus unserem Reitstall, dem Lärchenhof, die mit ihrem Pferd im Wasser ganz besondere Kunststücke beherrscht», sagt Schönenberger. Deshalb sei der ganze Hittnauer Stall gemeinsam zum Schwimmen gegangen. «Nach den Kunststückchen und dem Planschen im Greifensee sind wir jeweils noch im Café ‹8610› am See gesessen und haben uns mit den Schaulustigen unterhalten.»

Nach dementer Seniorin benannt

Doch Schönenberger hat mehr mit seinen drei Ponys vor als nur baden: Das beige Miniature Shetlandpony «Goldflake van Spring» (Foto) und die beiden American Miniature Horse/Mini-Shettie-Mischlinge Greta van Prenses und Foxy van Omhelzing sollen eines Tages zu Therapiezwecken eingesetzt werden: Mit Knuddeln, Spielen oder Spaziergängen. «Die holländischen Adelstitel habe ich ihnen wegen einer Seniorin aus den Niederlanden gegeben, die mich  als kleiner Junge mit ihrem Wesen begeistert hat.» Schönenbergers Mutter hatte Demente Personen in einer Klinik betreut und der Sohn hatte die Bewohner häufig besucht. Der Tierpfleger hatte die drei Ponys einer Frau abgekauft, die sie nicht mehr halten konnte. Die Frau wiederum habe sie von einem Messiehof gerettet, wie Schönenberger erzählt.

Noch keine Studien mit Ponys

Noch gibt der 21-Jährige mit seinen Ponys Übungsstunden, um die Erfolge dieser Therapieform aufzuzeigen. Denn dafür gibt es bei Ponys im Gegensatz zur Therapie mit Hunden noch keine Studien. Deshalb zahle die Krankenkasse leider auch nicht an die Therapie, so Schönenberger.
Nächstes Jahr soll es dann richtig losgehen. Da schönenberger selbst keine Ausbildung mit Menschen hat, erarbeitet er einen sinngemässen Ablauf mit einem Therapeuten vor Ort.

Streicheleinheiten statt Futter

 Jedes der Ponys soll auf einem anderen Gebiet zum Einsatz kommen. Goldflake ist mit seinen drei Jahren das Älteste der Tiere. Er eigne sich dank seiner robusten und ruhigen Art besonders für Kinder mit einer schlechten Motorik so Schönenberger. Foxy ist das jüngste der Tiere. Er wird darauf trainiert, als Belohnung Liebkosungen statt Futter zu verlangen. «Er geniesst einfach die Anwesenheit von Menschen.» Das sei wichtig für die Arbeit mit introvertierten, psychisch labilen oder einfach sensiblen Kindern. Denn, wenn ein Pony stets Essen als Belohnung erwarte, bestehe die Gefahr, dass er dieses bei einer bestimmten Haltung der Hand darin suche und die Kinder erschrecke. Die braune Greta ist zwei Jahre alt und die frechste der drei Tiere. «Sie kann sehr lieb sein, aber eben auch eine kleine Zicke. Wofür wir sie einmal einsetzen können, wissen wir noch nicht. Vielleicht will sie auch einfach kein Therapiepony sein und das ist dann auch in Ordnung.»

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