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Neue Kunst am Strassenrand

Kunstplakate Uster enthüllt

Neue Kunst am Strassenrand

Die Bilder für die diesjährigen Kunstplakate in Uster hat Marianne Theis gestaltet. Die Ustermerin will durch die Kompositionen surreale Orte schaffen.

Deborah
von Wartburg
Mittwoch, 11. Juli 2018, 22:40 Uhr Kunstplakate Uster enthüllt

Gestern Abend fielen in Uster Hüllen. Enthüllt wurde die diesjährige Ausgabe der Ustermer Kunstplakate. Sie sind ab heute an verschiedenen Orten am Strassenrand zwischen Stadthaus und Villa am Aabach ausgestellt. Jeden Monat wechseln die Plakate. Insgesamt sind es 63. Die Fotos gestaltet hat die Künstlerin Marianne Theis, die seit Jahren in Uster wohnhaft und künstlerisch tätig ist. Unter anderem hat sie hier die «Künstlergruppe Uster» mitgegründet.

Die diesjährigen Plakate stehen unter dem Thema «Moods and Mysteries», auf Deutsch Stimmungen und Geheimnisse. Die Fotos hat Theis während ihren monatlichen Streifzügen durch Uster aufgenommen. Wasser spielt in allen eine Rolle, sagt sie. Am Computer hat die 72-jährige die Bilder neu interpretiert und miteinander vermischt. Durch Überlagerungen, Farbumdrehungen, Sujets, die die Umgebung wechseln oder gespiegelt werden, entsteht so ein neues Bild mit einer neuen Stimmung. Theis möchte den Wasserorten Usters so etwas magisches, surreales einhauchen. «Ich möchte den Leuten auf vermeintlich Bekanntes einen neuen Blick geben.» Die Sujets sind so verändert, dass man sie nicht mehr zuordnen kann. Das solle man auch nicht, so Theis. Und wenn doch, dann dürfe das mit einem Augenzwinkern geschehen. «Wenn jemand etwas erkennt und denkt ‹Hab dich erwischt› ist das nicht schlimm. Es soll ein Spielen mit der Realität sein.»  

Risiko der öffentlichen Verletzlichkeit

«Mit dem Zeigen seiner Arbeit macht man sich ja immer auch verletzlich»

Theis freut sich auf die neue Art der Ausstellung. Obwohl sie schon in verschiedenen Ländern künstlerisch tätig war und ausgestellt hat, ist es ihr erstes Mal, dass ihre Arbeit über lange Zeit für jeden sichtbar im öffentlichen Raum hängt. «Das macht mich auch nervös. Mit dem Zeigen seiner Arbeit macht man sich ja immer auch verletzlich.» Das sei aber auch die Chance der Kunstplakate. Dass Menschen, die sonst nicht viel mit Kunst am Hut hätten, im Alltag mit den Plakaten in Berührung kommen.

Vor rund einem Jahr hatte Theis einige ihrer Grafiken in einem Buch zusammengefasst, dass sie der Ustermer Kulturkommission zeigte. Die Kommission fand die Drucke gut und wählte Theis‘ Werke für die Kunstplakate aus. «Die Grafiken im Buch waren aber eher noch Skizzen und vor allem waren sie in Querformat. Ich musste für die Plakate alles neu denken, weil diese natürlich hochkant sein mussten.»

«Uster ist ja nicht wirklich am Wasser»

«Ich sah mich selber Werbung für Tuborg oder Carlsberg machen, obwohl ich nicht einmal Bier trinke.»

Marianne Theis, die ursprünglich Grafikerin gelernt hatte, startete ihre Kunstkarriere in der Werbung. Doch auf Dauer gefiel ihr das nicht. «Ich sah mich selber Werbung für Tuborg oder Carlsberg machen, obwohl ich nicht einmal Bier trinke.» Anschliessend illustrierte sie Kinderbücher bei einem deutschen Verlag. Seit dieser im Jahr 1977 schliessen musste, arbeitet sie nur noch künstlerisch. Die Unterstützung ihres Ehemannes erlaubte das. Trotzdem konnte sie sich wegen zwei Kindern oft nur in der Nacht oder am Mittag  der Kunst widmen.

Auch wenn sich ihre Plakate auf Wasser beziehen, sieht Theis sie sich nicht als Werbung für Uster als «Wohnstadt am Wasser». «Den Slogan finde ich ein bisschen krampfhaft gesucht», sagt sie. «Uster ist ja nicht wirklich am Wasser. Es stehen keine Wohnhäuser am Greifensee.»

Grosser Technischer Wandel

«Es freut mich, dass ich diese Technik in meinem Alter noch lernen konnte.»

Dafür habe ihr die erneute Auseinandersetzung mit dem Medium Plakat gefallen. «Die Technik hat sich wahnsinnig verändert, seit ich beruflich Plakate entworfen habe.» Früher habe man die Sujets noch selber zeichnen oder fotografieren müssen und dann in einem komplizierten Verfahren lithografisch vergrössert oder sonst irgendwie verändert. «Heute mache ich alles am Computer, das ist schon praktisch. Und es freut mich, dass ich diese Technik in meinem Alter noch lernen konnte.»

In den nächsten Tagen schaut Theis wie die Plakate bei der Bevölkerung ankommen. Mit einer Historikerin aus Wetzikon sei sie im Gespräch, wie man ihre Drucke eventuell in eine «wasserbezogene» Stadtführung einbauen könnte.

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