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Ustermer Rapper zur «Ave Maria»-Debatte

«Nathalie Rickli hätte mit dem Shitstorm rechnen müssen»

Die SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli kritisierte das SRF3 dafür, den Kollegah-Song «Ave Maria» gespielt zu haben, weil dieser frauenfeindliche Passagen enthalte. Der Ustermer Rapper «Freezy» findet, dass der Radiosender richtig gehandelt hat und erklärt weshalb Rap für ihn nicht frauenfeindlich ist.

Deborah
von Wartburg
Freitag, 15. Dezember 2017, 06:57 Uhr Ustermer Rapper zur «Ave Maria»-Debatte
Der Ustermer Rapper Freezy ist zwar auch kein Fan von dem Lied «Ave Maria». Dass das SRf es in der Hitparade gespielt hat, findet er aber richtig. (Bild: Nicolas Zonvi)

«Dein Chick is ne broke Ass Bitch. Ich fick sie bis ihr Steissbein bricht» und «Wenn ihm mal ein Hurensohn rausrutscht wie der Fotze seiner Mama» – So klingen Zeilen aus dem Song «Ave Maria» von den deutschen Gangster-Rappern Kollegah und Farid Bang. Der Song hat es in der Schweiz auf Platz 15 der Charts geschafft und wurde von SRF3 am ersten Adventssonntag gespielt.

Hier hören Sie den Song in voller Länge:

Die Nationalrätin Nathalie Rickli (SVP) kritisierte daraufhin in einem Tweet, dass der «Service Public» solche frauenverachtenden Texte spielt. Für ihren Post wurde die Politikerin sogleich mit einem Shitstorm von «Kollegah» und «Farid Bang»-Fans überzogen, die in zahlreichen Kommentaren auf ihrer Facebookseite den Hashtag #JBG3 posteten– also den Namen des Albums, welches das Duo produzierte. JBG steht für «Jung Brutal Gutaussehend».

Rapper Freezy ist von der Reaktion auf den Tweet nicht überrascht. «Rickli hätte mit dem Shitstorm rechnen müssen», sagt der Ustermer, der ausserdem Moderator bei Planet 105 ist und mit bürgerlichem Namen Remo Hunziker heisst. Gerade weil Rickli sich für ihre Empörung ein soziales Medium ausgesucht habe, auf dem – statistisch gesehen – die Altersklasse in der Mehrheit sei, die sich von «Kollegah» und «Farid Bang» angesprochen fühlten.

«Schweizer Volk hat den Song in die Hitparade gekauft»

Freezy findet es in Ordnung, dass SRF3 den Song gespielt hat. Auch wenn es kein typischer Radio-Song sei. Denn der Sender habe das Lied im Rahmen einer Hitparade-Sendung gespielt. «Das Schweizer Volk hat dieses Lied auf Platz 15 der Charts gekauft. Jetzt muss Frau Rickli den Volkswillen akzeptieren. Das ist ihrer Partei doch sonst auch so wichtig.»

Als Privatkonsument sei Freezy zwar auch kein grosser Fan dieses Liedes. «Vor fünf Jahren wäre das vielleicht noch eher meins gewesen», sagt der Ustermer. Aber heute bevorzuge er andere Musik. Berufsbedingt beschäftige er sich jetzt mit einer viel breiteren Musikpalette und könne mit allem «von Gangsta-Rap bis Indie-Pop» etwas anfangen.

«Das ganze Album der beiden Rapper ist auf Provokation ausgerichtet.»

- Ustermer Rapper und Radiomoderator Freezy

Um den Song «Ave Maria» zu verstehen, müsse man sich mit den Künstlern auseinandersetzen. Auch Kenntnisse der deutschen Szene des Gangsterrap, auf die sich die Texte bezögen, seien hilfreich. «Das ganze Album der beiden Rapper ist auf Provokation ausgerichtet.» Deshalb auch die gewalttätigen und sexistischen Zeilen. Die nachfolgende Reaktion darauf sei gewollt.

«Rap ist nicht frauenfeindlich»

Wenn ein 54-Jähriger SRF-Hörer das Lied beim Autofahren einfach an den Kopf geworfen bekommt, sei es klar, dass ihn das irritiere. Deshalb habe SRF3 den Titel ja auch erklärend eingeleitet. Beim Radiosender Planet 105, in welchem Freezy die Morgenshow moderiert, stimmt die Community auf der Website regelmässig über neue Songs ab. «Ave Maria» wurde dort schnell abgewählt. Deshalb spielt der Sender das Lied nicht.

«Rap im Allgemeinen ist nicht frauenfeindlich», stellt Freezy klar. Das sei bei der verwendeten Wortwahl aber zugegebenermassen schwierig zu vermitteln. «Man kann es mit der Situation vergleichen, wenn Jugendliche sich gegenseitig als 'behindert' bezeichnen. Da meinen die ja auch nicht wirklich körperlich oder geistig behindert, sondern es geht um die Beleidigung an sich. Ausgedrückt mit der in der Szene üblichen Wortwahl.» In der Gangsterrap-Szene seien solche Beleidigungen nun normal.

Freezy selber habe aber nie solchen Rap gemacht. «Ich wollte immer authentisch sein in meiner Musik», sagt er. «Deshalb rappe ich auch nicht über Ghettos, Knarren und Bitches. Das wäre absurd.»

Ein Beispiel von Freezy’s Rap:

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