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Hörgeräte - kleine Helfer im Ohr

«Lenny ist…» Hörgeräteakustiker

Hörgeräte - kleine Helfer im Ohr

Jennifer Schwarz hört genau hin. Die Dürtnerin ist Hörgeräteakustikerin bei Amplifon in Uster. Züriost durfte sie bei einer Hörberatung begleiten.

Lennart
Langer
Donnerstag, 07. Juni 2018, 15:14 Uhr «Lenny ist…» Hörgeräteakustiker

Ein lautes Rauschen übertönt die Stimme. Einige Satzfetzen scheinen in den Umgebungsgeräuschen unterzugehen. Wir befinden uns nicht etwa an einer stark befahrenen Strasse, sondern im Büro von Jennifer Schwarz. Sie ist Hörgeräteakustikerin und analysiert gerade das Gehör eines Kunden. Die Stimme kommt aus dem Computer und ist Teil des sogenannten «Verständnistests im Störgeräusch». Mit diesem Test kann Schwarz überprüfen, ob ihre Kunden einen Satz auch unter erschwerten Bedingungen verstehen können.

Der «Verständnistest im Störgeräusch» ist der letzte von drei Tests, die sie mit ihren Kunden nach einem vorangehenden Beratungsgespräch durchführt. Zuerst erhalten die Personen einen Kopfhörer und müssen mit Handzeichen angeben, wann sie einen Pfeifton hören. Danach werden ihnen einzelne Wörter auf die Kopfhörer gespielt, die sie wiederholen müssen. Die gewonnenen Daten wertet Jennifer Schwarz mit Hilfe eines Computerprogramms aus und kann so den Grad des Gehörverlusts bestimmen.

Neben den Computerdiagrammen spielt bei der Beratung auch das persönliche Gespräch eine wichtige Rolle. «Man muss die Bedürfnisse der Kunden erkennen und die richtigen Fragen stellen», sagt Jennifer Schwarz. Für sie war der direkte Kontakt mit den Kunden mit ausschlaggebend, als sie sich für den Beruf als Hörgeräteakustikerin entschied. «Mir ist wichtig, dass ich den Kunden helfen kann», sagt sie. Früher hat die Dürntnerin als Sportartikelverkäuferin gearbeitet. Den Kundenkontakt hatte sie schon damals. An ihrer neuen Tätigkeit schätzt sie zudem, dass er durch die ständigen Aktualisierungen der Hörgeräte auch technisch anspruchsvoll sei.

«Die Vorurteile nehmen ab»

Obwohl viele Menschen unter einem Gehörverlust leiden, meiden viele nach wie vor den Gang zur Hörgeräteakustikerin. Die kleinen Helfer im Ohr sind immer noch mit einem Stigma behaftet. Im Gegensatz zu Sehhilfen. Brillen sind gesellschaftlich akzeptiert und haben sich mit der Zeit zu Accessoires entwickelt. Doch auch die Vorurteile gegenüber den Hörhilfen nähmen ab, sagt Jennifer Schwarz. «Jüngere Generationen stehen Hörgeräten viel offener gegenüber.»

Das sei eine positive Entwicklung, denn «für uns ist es wichtig, dass Betroffene relativ früh vorbeikommen», sagt Schwarz. Sobald in lauter Umgebung Verständigungsprobleme aufträten oder Gesagtes erst im zweiten Anlauf verstanden würde, sollte das Gehör überprüft werden. Denn: «Je kleiner der Unterschied zwischen mit und ohne Hörhilfe ist, desto einfacher gewöhnt man sich an das Gerät», sagt Schwarz.

Sind alle Tests gemacht, stellt die Hörgeräteakustikerin den Kunden die verschiedenen Geräte vor, die für sie in Frage kommen. Der technische Fortschritt hat auch vor den Hörhilfen nicht Halt gemacht hat. In den letzten Jahren haben sich die klobigen und unästhetischen Maschinen zu kleinen raffinierten Hightech-Geräten entwickelt. Auf den ersten Blick ist der kleine Knopf im Ohr kaum mehr erkennbar. Erst bei genauerem Hinschauen fällt das dünne Kabel auf, das zu einem kleinen Gerät hinter dem Ohr führt.

Perfekt auf die Bedürfnisse abgestimmt

Eine Woche nach der Auswahl kann der Kunde zur Anpassung des Hörgeräts vorbeikommen. Das sei ein aufwendiger Prozess, erklärt Schwarz. «Unser Gehör ist entwöhnt und wir müssen es wieder trainieren.» Es sei nicht wie mit einer Brille, mit der man auf Anhieb wieder besser sehen könne. Mit Hilfe eines Computerprogramms kann die Hörgeräteakustikerin feinste Justierungen am Hörgerät vornehmen. So können allfällige Störgeräusche unterdrückt und das Gerät perfekt auf die Bedürfnisse des Trägers angepasst werden.

Aber auch nach der Feinjustierung können im täglichen Gebrauch noch Unstimmigkeiten vorkommen. Deshalb kann das Hörgerät vier Wochen unverbindlich getestet werden und wo nötig wird von der Hörgeräteakustikerin nachgebessert. Passt schliesslich alles, folgt für Jennifer Schwarz der, wie sie sagt, beste Moment ihres Berufs: «Das Schönste ist, wenn die Kunden nach ein paar Tagen zurück in den Laden kommen, sich bedanken und eine grosse Verbesserung festgestellt haben.»

In unserer Serie «Lenny ist…» erhalten wir von den verschiedensten Menschen in der Region einen Einblick in ihr Berufsleben. In dieser Ausgabe haben wir Hörgeräteakustikerin Jennifer Schwarz von Amplifon in Uster bei einer Hörberatung begleitet.  

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