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Erfolg für Kessler und Stopper: Zwillingseschen bleiben stehen

Ustermer Stadtrat lenkt ein

Erfolg für Kessler und Stopper: Zwillingseschen bleiben stehen

Gemeinderat Werner Kessler (BPU) kettete sich selbst an die beiden Bäume – nötig gewesen wäre die Aktion jedoch nicht. Der Stadtrat lässt die beiden Eschen am Burghügel nun doch stehen. Sie zu fällen, sei nicht dringend notwendig, sagt er.

Montag, 15. Januar 2018, 15:50 Uhr Ustermer Stadtrat lenkt ein

Montagmorgen auf dem Burghügel Uster: Unten am Hang kreischen bereits die Kettensägen. Bäume knacksen und fallen polternd zu Boden. Oben steht Werner Kessler in der Baumkrone einer der beiden Eschen neben der Burgscheune. Der BPU-Gemeinderat ist mit einer Kette an den Stamm angebunden – und grinst triumphierend. «Das ist ein Sieg», ruft er zu seinem Gemeinderats- und Parteikollegen Paul Stopper hinunter.

Frierend am Baum

Morgens um 7 Uhr ist Kessler mit Hilfe einer Leiter auf den fast 30 Meter hohen Baum geklettert und hat dort eine Stunde gefroren, wie er erzählt. Eine unnötige Aktion: Der Ustermer Stadtrat hat Paul Stopper bereits am Freitag eine E-Mail geschickt, dass er die die beiden Eschen vom Holzschlag ausnehme, den er heute Montag und morgen Dienstag am Burghügel durchführt. «Wir wollten aber sichergehen und auch zeigen, dass wir zu Widerstand entschlossen sind, falls das nötig wäre», sagt Kessler zu seiner Ankett-Aktion.

Werner Kessler erklärt seine Ankett-Aktion – und wie er sie erlebt hat. (Video: Raphael Brunner)

«Dem Frieden zuliebe»

Die beiden Gemeinderäte haben zumindest einen Teilerfolg errungen. Sie und die von Stopper präsidierte Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz (GNVU) hatten den Holzschlag am Burghügel stets auf Schärfste kritisiert. Die Stadt fällt dort dieser Tage rund einen Fünftel aller Bäume. Als Grund nennt der Stadtrat Bedenken wegen der Sicherheit. Aufgrund des starken Gefälles könnten vor allem ältere, grösser Bäume umkippen.

«Es wäre günstiger gekommen, alles auf einmal zu erledigen.»
Bauvorstand Thomas Kübler (FDP)

Ursprünglich plante die städtische Forstabteilung auch die beiden Eschen neben der Burgscheune zu fällen. Nun verzichtet der Stadtrat darauf. «Die Eschen sind nicht gesund, sie sind aber auch nicht so krank, dass man sie sofort herausnehmen muss», sagt Bauvorstand Thomas Kübler (FDP). «Dem Frieden zuliebe» habe man den Wunsch der GNVU entsprochen, sie vorerst stehen zu lassen.  Er stellt klar: «Die Ankett-Aktion von Werner Kessler hatte auf diesen Entscheid nicht den geringsten Einfluss.»

Die Eschen wollte der Stadtrat anfänglich fällen, um nicht innert weniger Jahre zweimal einen Holzschlag am Burghügel durchführen zu müssen. Um die Bäume abzutransportieren, ist zwei Tage lang ein Helikopter im Einsatz. «Es wäre günstiger gekommen, alles auf einmal zu erledigen», sagt Kübler. Die beiden Eschen würden nun gefällt, wenn es wirklich notwendig sei.

«Die Zwillingseschen sind die grössten auf Ustermer Stadtgebiet.»
Paul Stopper, Präsident Gesellschaft für Natur und Vogelschutz Uster

Ungewohntes Eingeständnis

Für Kessler und Stopper gibt es überhaupt keinen Grund, nur schon daran zu denken, die Eschen zu fällen. «Die Zwillingseschen sind meines Wissens die grössten auf Ustermer Stadtgebiet» sagt Stopper. Zusammen mit der grossen Linde direkt neben der Burg würden sie zudem das Bild des Burghügels prägen. Den Holzschlag generell findet er immer noch unnötig. Für einmal räumt aber selbst der streitbare Gemeinderat ein: «Der Stadtrat hat gezeigt, dass er nicht immer stur sein muss.»

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