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Tücken der Fasnachtsvorbereitung in der Region

«Eine Gugge nach der anderen gäbe Katzenmusik»

Während der vierten Jahreszeit sind richtige Fasnachtler in einem ausgelassenen Dauerzustand. Doch hinter den vielen Umzügen in der Region steckt eine Menge Organisation und verschiedene Sicherheitssorgen.

David
Marti
Freitag, 12. Januar 2018, 16:31 Uhr Tücken der Fasnachtsvorbereitung in der Region
Wagenbau der Fasnachtsclique von Sandra Pauli. Ihr diesjähriges Motto: «Chli stinke muess es.» (Foto: PD)

Das neue Jahr hat kaum begonnen und mancher mag des Feierns überdrüssig sein, doch bestimmt nicht die Fasnachtsfans aus dem Zürcher Oberland. Sie werden die Chance nutzen, um in der Region auf Fasnachtsumzügen oder Maskenbällen Konfetti ins Haar, Trompetenklänge ins Ohr und Bier in den Magen zu bekommen. Oft werden diese Veranstaltungen organisiert und betrieben von den Fasnachtsgesellschaften. Bevor sie sich aber in die Kostüme stürzen dürfen, haben sie noch einiges zu tun.

Die Pfahlbauer

In Robenhausen ist die Fasnachtsgesellschaft Fagero rund um die Präsidentin Ursi Marty mitten in den Vorbereitungen: «Im Moment ist es noch ein wenig stressig, bis dann am 18. Februar um 14 Uhr der Startschusszum Robehuuser Fasnachtsumzug fällt. Darauf freue ich mich.»  Marty ist seit acht Jahren Präsidentin der Fagero, die ganz der historischen Begebenheiten von Robenhausen als Pfahlbauer kostümiert am Umzug teilnimmt. Für den Umzug haben sich bei ihnen bis jetzt 33 Gruppen angemeldet. «Ich bin sehr zufrieden mit dieser Zahl. Im letzten Jahr waren es bloss 24, was schade war.» Angemeldet haben sich auch Fasnachtsgruppen aus Deutschland und Österreich. Zur Organisation des Umzuges gehört auch, dass diese Gruppen nach einer Reihenfolge eingeteilt werden. «Wir achten darauf, dass nicht eine Guggenmusik auf die nächste folgt. Das gäbe Katzenmusik. Auch zu grosse Löcher zwischen den Gruppen wollen wir vermeiden.»

Strasse sperren und reinigen kostet

Über das Budget will Marty keine Angaben machen. Sie sagt aber: «Es gibt Leute, die verstehen nicht, dass die Sperrung der Strassen wegen des Umzuges oder die anschliessende Reinigung einen grossen Finanzposten ausmacht. Dieser Betrag muss erstmal an die Stadt bezahlt werden können.»

«Die immer frecher werdenden Kinder, die in die Guggengruppen rennen und sich die Lippen an den Instrumenten blutig schlagen ärgern mich.»

Ursi Marty, Präsidentin Fagero

Auch die Sicherheit sei früher eine finanzielle Belastung gewesen. Seit einigen Jahren verzichtet Fagero aber auf die Anheuerung von Securitaspersonal. «In Robbenhausen hatten wir keine nennenswerten Zwischenfälle mehr. Einzig die immer frecher werdenden Kinder, die in die Guggengruppen rennen und sich hin und wieder die Lippen an den Instrumenten blutig schlagen oder die Süssigkeiten aus den Taschen der Gruppen klauen, ärgern mich.»

Pöbeleien in Grüningen

Ganz andere Sicherheitssorgen hatte die «Fasnachtsgesellschaft Grüenige». «Eine Zeit lang hatten wir viel Mühe mit kleineren Gruppierungen an unseren Fasnachtsanlässen in Grüningen» , sagt Präsident Ueli Herrmann. Diese seien manchmal aufgetaucht und hätten herumgepöbelt und Streit gesucht. Weil die Fasnachtsgesellschaft seit rund zehn Jahren sechs Securitasleute einsetze, sei nun aber Ruhe eingekehrt. Für den Umzug am 18. Februar hätten sich 22 Gruppen angemeldet. Tendenziell sei in Grüningen eher eine Zunahme der Teilnehmer zu verzeichnen. Der 66-Jährige ist seit 1979 Mitglied und seit vier Jahren Präsident der Fasnachtsgesellschaft. Sein letztes Amtsjahr. An der nächsten Generalversammlung im Sommer will er sein Amt an ein junges Mitglied übergeben. «Bei uns in der Fasnachtsgesellschaft haben wir genügend junge Mitglieder, die Freude an der Fasnacht haben», so Herrmann.

Die Gesellschaft wird sich auch heuer wieder in ihrem Umzugswagen und zu Fuss durch Grüningen bewegen. Auf ihr 30-jähriges Jubiläum haben sich die Mitglieder mit roten Roben neu kostümiert und ihr Vereinslogo geändert. Am Wochenende vom 17. und 18. Februar geht’s dann los. «Ich freue mich auf unseren Auftritt beim Grüninger Publikum», sagt Herrmann.

Erste Präsidentin von Humoria

Der Ustermer Umzug gehört zu den grössten im Zürcher Oberland. Allerdings findet dieser nur in den ungeraden Jahren statt. Sandra Pauli, Präsidentin der Fasnachtsgesellschaft Humoria, sagt: «Die Anmeldungen für den Umzug befinden sich im Schlafmodus. Unser Ziel bis Ende Jahr sind 30 Anmeldungen. 40 wären gut, darüber wird es irgendwann zu viel. Gruppen ablehnen mussten wir aber noch nie, vielmehr müssen wir uns jedes Jahr gegen starke Konkurrenten wie Winterthur behaupten.»

«Dienstag ist kein guter Tag zum Feiern.»

Sandra Pauli, Präsidentin Humoria

Somit kümmern sich die Mitglieder von Humoria Uster in diesem Jahr vor allem um die Organisation des Kindermaskenballs und des Maskenballs. Dieser wird seit 2013 vom «Schübligziischtig» auf Freitag, 16. Februar, verschoben. «Dienstag ist kein guter Tag zum Feiern.» Die erst 27-jährige Pauli ist seit drei Jahren Präsidentin. Die erste überhaupt in der Geschichte von Humoria, die 1903 gegründet wurde.

Riesencaquelon

Dass in diesem Jahr kein Umzug stattfindet, hält Sandra Pauli nicht davon ab, selber mit ihrer Fasnachtsclique «Familie Toborli» aus Uster mit einem Wagen an anderen Umzügen teilzunehmen. «Bestückt mit einem eineinhalb-Meter-Durchmesser-Caquelon auf unserem Wagen, werden wir Raclette – nicht Fondue– verteilen», sagt Pauli. Ihr Lieblingskostüm ist das des Clowns, dieses wird sie auch in diesem Jahr wieder tragen. Mit Humoria wird sie an einen Umzug nach Prenzlau, der Partnerstadt von Uster, fahren. «Wir sind mitten in den Vorbereitungen, Ende Januar geht es dann los.»

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