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Die «Gefahr der Belanglosigkeit» gebannt

Ausstellung im Zeughaus Uster

Die «Gefahr der Belanglosigkeit» gebannt

Martin Reukauf und Jan Czerwinski stellen im Zeughaus Uster zeitgenössische Bilder von zwölfmalern aus. Sie warnen aber auch vor der «Gefahr der Belanglosigkeit» im digitalen Zeitalter und finden, dass es in Uster mehr Kunsträume geben sollte.

Alex
Schüpbach
Dienstag, 22. Mai 2018, 11:47 Uhr Ausstellung im Zeughaus Uster

«Am Anfang war der Raum. Und damit kann man arbeiten», sagt Martin Reukauf, Künstler aus Uster und Mitinitiator der Ausstellung «MK2» (siehe Infobox). Der Ausstellungsraum sei auch ausgewählt worden, weil er unbeschrieben sei. Es werde viel geredet, was man im Zeughaus machen könnte. Reukauf und Jan Czerwinski, ebenfalls Künstler aus Uster, wollten «etwas machen» und nicht nur davon reden.

Grosse Strömungen prägen Malerei

«Uster existiert auf der Kunstkarte schlichtweg nicht», fügt Reukauf an. Die zwei Maler wollen zeigen, was möglich wäre, wenn Uster neben dem akku Künstleratelier eine Kunsthalle hätte. Das K2, in dem die Ausstellung zu sehen ist, solle in Zukunft für gute Veranstaltungen stehen: «Wir wollen das Label K2 prägen», sagt er.

Die Ausstellung vereint Bilder von zwölf Malern und ist eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer Kunst. «Die gesellschaftliche Vorstellung eines Bildes hat sich seit der Digitalisierung grundlegend verändert. Es gibt neue Reibungsflächen», sagt Reukauf. Grosse Strömungen hätten die Malerei bereits in vergangenen Epochen geprägt. Czerwinski fügt hinzu: «Es gibt die Diskrepanz zwischen dem schnellen Handyfotos gegenüber der Zeit, die für das Malen eines Bildes benötigt wird.» Der Betrachter einer Ausstellung habe viel mehr Sinneswahrnehmungen im physischen Erlebnis verglichen mit dem Betrachten der Bilder auf einem Bildschirm.

 

«Uster existiert auf der Kunstkarte schlichtweg nicht»

Martin Reukauf, Künstler aus Uster

 

Die heutige Bildwahrnehmung führe aber zu einer «Gefahr der Belanglosigkeit», wie die zwei Künstler in einer Mitteilung schreiben. Nur weil alles möglich sei, heisse das nicht, dass alles qualitativ gut ist, meint Reukauf. «Sie hätten diese Gefahr gebannt, indem sie mit ihrem professionellen Wissen gute Leute für die Ausstellung ausgewählt hätten.»

Bekundung von Respekt

Die Maler wurden von Reukauf und Czerwinski im gemeinsamen Gespräch ausgewählt. Alle hätten sofort zugesagt. «Wir haben Künstler ausgewählt, von denen wir Fan sind», sagt Czerwinski. Er und Reukauf stellen auch eigene Werke aus. Die Bilder sind sehr unterschiedlich. «Da wir selber Maler sind, haben wir einen eigenen Blick auf die Malerei», sagt Reukauf. Czerwinski fügt an: «das Interesse sollte immer darüber hinausgehen, was man selber macht». Die Auswahl der Bilder sei auch eine Bekundung des Respektes gegenüber grossen Namen in der Szene.

 

«Das Interesse sollte immer darüber hinausgehen, was man selber macht»

Jan Czerwinski, Künstler aus Uster

 

In der Kunstwelt werde die Ausstellung bereits mit Spannung erwartet. Auch in der Ustermer Kulturszene freue man sich darauf. Reukauf und Czerwinski hätten bereits sehr viele positive Rückmeldungen erhalten und die Ausstellung sei in der Fachpresse gut aufgenommen worden. «Ein Erfolg wäre es, wenn es hier wieder eine ähnliche Ausstellung geben würde», sagt Reukauf.

Das Publikum wird aus der ganzen Schweiz erwartet. Man wolle den Besuchern ein Gefühl von Qualität in der Kunst mitgeben, sagt Reukauf. «Wir wollen den Ustermern und den Besuchern zeigen, dass sich Uster auf Augenhöhe mit anderen Orten bewegen könnte».

 

Die Ausstellung «MK2 – Zwölf Positionen zeitgenössischer Malerei» wird im Gebäude K2 des Zeughauses Uster vom Donnerstag, 24. Mai, bis Sonntag, 10. Juni, ausgestellt. Gezeigt werden Malereien von John Beech, Reto Boller, Jan Czerwinski, Andrea Heller, Velemir Ilišević, Rachel Lumsden, Clio Newton, Léopold Rabus, Martin Reukauf, Felix Studinka, Stephan Jon Tramèr und Frank Oude Weernink. Die Öffnungszieten sind jeweils Donnerstags und Freitags von 16 bis 20 Uhr und Samstags und Sonntags von 14 bis 16 Uhr. Die Eröffnung ist am Donnerstag, 24. Mai, um 18 Uhr. Führungen werden jeweils Samstags um 15 Uhr angeboten. Am Donnerstag, 31. Mai, findet um 19 Uhr ein Künstlergespräch statt, das von Isabelle Köpfli moderiert wird. Die Ausstellung ist gratis.
Alle Infos unter: www.mk2-ausstellung.ch

 

 

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