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Der rasche Aufstieg von Nils Stump

Ustermer Judoka

Der rasche Aufstieg von Nils Stump

Rechtzeitig zum Start der Qualifikationperiode für Olympia 2020 ist Nils Stump ins Grand-Slam-Kader aufgestiegen. Das bringt dem Ustermer bereits in seinem ersten Elitejahr erhebliche Vorteile.

Florian
Bolli
Donnerstag, 07. Juni 2018, 08:35 Uhr Ustermer Judoka
Nils Stump kämpft fast nur noch auf der grossen Bühne. (Foto: PD)

Als der Kampf vorbei ist liegt er da, flach auf dem Rücken, keuchend, und hält sich die Hand vors Gesicht. Erst kurz vor Schluss hat sich sein Gegner eine Wertung und damit den Sieg gesichert. Für Nils Stump ist das Grand-Prix-Turnier in Hohhot  (CHN) zum frühstmöglichen Zeitpunkt zu Ende. «Mein Gegner hat oft angegriffen, ich war zu verhalten», sagt der Ustermer. «Nicht gerade sehr zufrieden» sei er damit.

Der Kampf von Nils Stump in Hohhot (China). (Video: Youtube/IJF)

Das Turnier im Norden Chinas war zwar keines von zentraler Bedeutung, aber doch eines, mit dem ein neuer Abschnitt in Stumps Karriere begann. Vor wenigen Wochen wurde er ins Grand-Slam-Kader aufgenommen. Stump stiess damit in einen erlesenen Kreis von Schweizer Elite-Judokas vor – neben ihm figurieren nur noch Cirill Grossklaus sowie Evelyne Tschopp und die Ustermerin Fabienne Kocher auf dieser Stufe. Die Aufnahme war für Stump in seinem ersten Elitejahr ein Ziel, das er nun bereits abhaken kann.

«Ich hatte erwartet, dass Nils es bis Ende Jahr schafft, nun ist es bereits früher geschehen. Das ist ausserordentlich, aber nicht völlig unerwartet», sagt Jenny Gal. Sie war lange Stumps Trainerin und bekleidete bis Ende Mai das Amt der Leistungssportchefin des nationalen Verbandes. «Er zeigte konstant gute Leistungen – nicht nur an einzelnen Turnieren», sagt Gal. Höhepunkt war der dritte Rang am Grand Prix in Tiflis Ende März. Ein Erfolg, der Stump ähnlich viel bedeutet wie seine EM-Medaillen bei den Junioren. «Ein Grand-Prix ist sicher gleich wichtig», sagt er, «der Stellenwert ist sehr hoch». Höher zu werten sind – neben Titelkämpfen – nur noch Grand-Slam-Turniere.

«Sozusagen» Profisportler

Anlässe dieser Grössenordnung werden für den als sehr trainingsfleissig geltenden Ustermer Judoka nun vermehrt an der Tagesordnung liegen. Dank seinem Aufstieg muss er auch nicht erst überlegen, wie solche Teilnahmen zu finanzieren sind. Laut Gal übernimmt nun der Verband im Grundsatz die Kosten für Turniere und Trainingslager – es handelt sich dabei um eine Summe im tiefen fünfstelligen Bereich. Zuletzt hatte ihn nur schon die Teilnahme an Juniorenturnieren 10’000 Franken jährlich gekostet – nun, nach dem Elite-Übertritt, wird der Aufwand noch grösser.

Als Profisportler will sich Stump zwar nicht bezeichnen, «vielleicht bin ich das sozusagen, aber Judo ist eine Randsportart», sagt der 21-Jährige. Doch sein Fokus liegt vollumfänglich auf dem Sport. Im letzten Jahr hat er das KV abgeschlossen, danach bis im März die Sportler-RS hinter sich gebracht. Vorerst arbeitet er nicht, «ein kleines Pensum wäre zeitlich vielleicht möglich», sagt er zwar, «aber ich bin sehr oft weg, es wäre sicher nicht einfach, einen Arbeitgeber zu finden».

Punkten für Olympia

Auf der Suche ist er deshalb nicht nach einer Stelle, sondern nach Resultaten im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. «Sie sind schon recht präsent», sagt Stump. Das hat einen Grund: Die Qualifikationsperiode dafür begann mit dem GP in Hohhot und dauert rund zwei Jahre an.

Massgeblich ist die nationenbereinigte Weltrangliste (nur ein Athlet pro Land, ohne Gastgeber Japan) der Gewichtsklasse bis 73 kg, in der Stump am Stichtag, dem 25. Mai 2020, einen Top-18-Rang belegen muss. Gal rechnet damit, dass dafür ein Rang zwischen 20 und 25 in der Gesamtrangliste nötig sein wird. Davon ist Stump als 47. derzeit noch relativ weit entfernt. Als «schwierig, aber für Nils nicht unrealistisch» bezeichnet Gal dieses Unterfangen. «Ihm kommt seine Lernfähigkeit zugute. Es kann sehr schnell Dinge aufnehmen und umsetzen», sagt sie.

«Habe ja noch Zeit»

Stump selber bezeichnet die Qualifikation als machbar. «Ich habe ja noch Zeit», sagt er und denkt dabei auch an die Tatsache, dass die Punkte im ersten Jahr nur zur Hälfte in die Endwertung einfliessen werden. Für Olympia entscheidend wird also das nächste Jahr sein. «Es ist aber wichtig, dass er jetzt schon punktet, weil ihm das in den Auslosungen Vorteile bringt», sagt Gal.

Entsprechend dicht gedrängt ist das Programm des 21-Jährigen – er bestreitet zwar zwischendurch zu Trainingszwecken auch kleinere Turniere, tritt aber hauptsächlich auf der grossen Bühne an. Nächste Woche steht ein Trainingslager in Japan an, im Juli folgt der nächste Grand Prix in Zagreb. Das Podest wird auch dort das Ziel sein.

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