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Blinder Esel Noldi: vom Aussenseiter zum Fotomodel

Der blinde Esel Noldi wird Fotomodel: Er posiert im Jahreskalender 2012 von Gut Aiderbichel. Vor einem Jahr fand das Tier auf dem Gnadenhof ein neues Zuhause. Im Wagerenhof Uster wurde es von der Herde nicht akzeptiert.

Dienstag, 27. Dezember 2011, 19:56 Uhr

Der blinde Esel Noldi posiert für den Monat September 2012 des neuen Jahreskalender vom österreichischen Gnadenhof Aiderbichl. Links an seiner Seite steht seine nicht-blinde «Ersatzmutter» Mia. Dass der blinde Esel auf dem österreichischen Hof Anschluss zu Artgenossen fand, ist nicht selbstverständlich.

Schicksal bewegte

Das Schicksal des blinden Esel Noldi aus dem Wagerenhof Uster bewegte anfangs Jahr zahlreiche Tierschützer. Der junge, acht Monate alte Esel kam im Landwirtschaftsbetrieb des Behindertenheims blind auf die Welt. Er wurde von der Herde nie richtig akzeptiert und gemäss Wagerenhof-Gesamtleiter Luzius Voigt auch von den anderen Eseln geplagt. Hinzu kam ein weiteres Problem, wie der Heimleiter schilderte: «Er kann Hindernisse nicht erkennen und rennt in sie hinein. Dies irritiert und verängstigt ihn; er reagiert aggressiv gegenüber Menschen.»

Die Heimverantwortlichen prüften daraufhin eine Fremdplatzierung des Tieres. Auch das Einschläfern des Tieres stand zur Diskussion, falls man für den Esel keine tiergerechte Unterbringung finden konnte. Als dies bekannt wurde, erhielt der Wagerenhof-Gesamtleiter Hunderte Mails von empörten Tierschützern.

Esel Mario als Freund

Dank eines Hinweises aus der Bevölkerung nahm Voigt Kontakt mit dem österreichischen Gnadenhof Gut Aiderbichl in Henndorf auf. Auf dem ehemaligen Bauernhof in der Nähe von Salzburg leben viele alte, «ausgemusterte» Tiere und solche mit Handicaps. Unter anderem auch blinde Pferde und Esel. Ende Januar wurde Noldi nach Österreich transportiert. Dort erwarteten ihn eine gepolsterte Box und ein Auslaufgehege, das speziell für blinde Tiere in Abschnitte unterteilt ist.

«Noldi hat sich gut eingelebt und fühlt sich bei uns wohl. In Esel Mario hat er zudem einen guten Freund gefunden», erklärt Aiderbichl-Pressesprecherin Britta Freitag auf Anfrage. «Mario kann sehen und hat seinem ‹Schüler› das ganze Gut gezeigt.»

Es sei aber auch schon vorgekommen, dass der blinde Esel Noldi seinen ‹Freund› am Halfter genommen und ihn vom Schweine- bis zum Eselhaus rund 600 Meter über Wege und Kreuzungen geführt habe. «Noldi kann dank Mario jetzt auch problemlos im Freilauf-Gehege gehalten werden», sagt Freitag. Somit haben sich die Lebensbedingungen für den blinden Esel zum Guten gewendet.

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