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Am Valentinstag das Tanzbein geschwungen

Uster

Am Valentinstag das Tanzbein geschwungen

Walzer, Tango oder Schlager: Zu verschiedensten Musikstilen wurde gestern am Valentinstag im reformierten Kirchgemeindehaus in Uster getanzt. Dabei war den Besuchern des Tanzcafés die Freude an der Bewegung wichtiger als die Liebe.

Deborah
von Wartburg
Dienstag, 14. Februar 2017, 20:39 Uhr Uster

«Hossa, hossa!» Das Tanzcafé im reformierten Kirchgemeindehaus Uster hat am Valentinstag gerade erst begonnen, als Rex Gildos «Fiesta mexicana» erklingt. Da gibt es kein Halten mehr. Die Tanzfläche füllt sich, die Stühle bleiben verlassen zurück.

22 Senioren, im Altersspektrum von 67 bis 85 Jahren, bewegen sich zu dem Schlagerhit aus den 1970er Jahren – die einen mit dem vertrauten Ehepartner, die anderen mehr oder weniger zufällig mit der Person, mit der sie eben noch im Gespräch waren. Die einen schneller und taktgenau, die anderen gemächlicher. Fröhliche Gesichter sind bei allen auszumachen.

Kontakte sind schnell geknüpft. Alle duzen sich, eine andere Anrede ergibt sich kaum, tragen doch alle ein Namensschild mit ihrem Vornamen. Und alle haben von Organisatorin Beatrice Spörri oder von einer ihrer drei Helferinnen eine ­weisse Rose angeheftet bekommen. «Warum denn das?», wird gefragt. «Weil doch heute Va­lentinstag ist», bekommen die Tänzer zu hören. «Ach so» – ein Schmunzeln. Was soviel heissen mag, wie: Da war doch mal was mit diesem Valentinstag. Aber das ist schon eine Zeit lang her.

Willkommene Abwechslung

Allmonatlich findet das Tanz­café statt. «Dass es heute auf den Valentinstag fällt, ist Zufall», sagt Spörri, die den Anlass letzten Mai initiiert hat. «Wir passen aber stets die Dekoration an die Saison an.» So schmücken die Tische rote Rosen und Schokoladenherzen, und für jeden Teilnehmer steht eine Rose zum Mitnehmen bereit.

Zwar spielt der Valentinstag im Sinne von Liebesgeturtel und romantischem Ausgehen am gest­rigen Tanzcafé keine Rolle. Doch im Sinne von freundschaftlichem Zusammensein, im gegenseitigen Freudebereiten durchaus. «Hier sind alle offen und frei», sagt die 80-jährige Reny. Dennoch müsse man nicht befürchten, dass einem uner­wünscht der Hof gemacht werde. Das Tanzcafé biete ihr Abwechslung vom Alltag, den sie vorwiegend mit den Enkeln gestalte, ­erklärt sie.

Gute Übung für die Koordination

Ein Handorgelstück erklingt. DJ Walter Baumann klatscht in die Hände, Spörri und die Helfe­rinnen Trix Kamber, Diana Schwarzer und Yvonne Weber rufen zum Kreistanz auf. Rechtes Bein vor, linkes Bein vor, Drehung und Klatschen: Was spielerisch daherkommt, ist auch eine Übung für Beweglichkeit und Koordination.

«Das Positive am Tanzen ist ja, dass es Körper und Geist ­fordert», sagt Spörri. Nicht zuletzt dies sei ausschlaggebend gewesen, die Tanznachmittage anzubieten. «Tanzen ermöglicht aber auch, unverfänglich berührt zu werden.» Gerade Witfrauen würde es oft fehlen, hin und wieder in den Arm genommen zu werden.

Von volkstümlich bis modern

Die ideale Gelegenheit hierfür ergibt sich, als Elvis «Are you ­lonesome tonight?» schmachtet. Indes, kein geschlossenes Tanzen ist da auszumachen, die ­Senioren bleiben züchtig beim Walzertanz. Dann wirds wieder fetziger mit dem Discoklassiker «Brown Girl in the Ring» von Bonnie M.

«Ich achte auf eine gute Mischung der Musik», erklärt DJ Walter: Rumba, Walzer, Tango, von volkstümlich bis modern, ab Schallplatte und ab dem Computer mithilfe einer Software für DJs. «Ich mag es, älteren Menschen eine Freude zu bereiten», sagt der Bäretswiler mit Blick auf das fröhliche Tanzpublikum.

Auch dem 81-jährigen Hansjörg gefällt der Anlass – obschon er als einstiger Turniertänzer ein anderes Niveau gewohnt ist. Zu den Orchestermusiken von Max Greger, Hugo Strasser und Pepe Lienhard habe er in jungen Jahren seiner Leidenschaft gefrönt, erzählt er mit Begeisterung. «Für hier ist die gespielte Musik aber richtig.» Bewegung und Koordination sei ihm heute vor allem wichtig.

Pilotprojekt läuft noch bis im Mai

Die Tanzcafés – für die die Teilnehmer einen freiwilligen Unkostenbeitrag geben können – sind vorerst als Pilotprojekt noch bis Mai geplant. Ziemlich sicher gehe es danach damit weiter, sagt Spörri, der Zulauf spreche dafür. «Anfangs waren es 6, mittlerweile kommen stets zwischen 20 und 24 Leute.» (Andrea Baumann)

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