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Abschuss von Gänsefamilie empört Badegäste

Rostgänse am Greifensee

Abschuss von Gänsefamilie empört Badegäste

Am Greifensee wurde eine Rostgänsefamilie abgeschossen. Die Tiere machten Probleme, sagt Jürg Zinggeler von der kantonalen Jagdverwaltung.

Deborah
von Wartburg
Mittwoch, 11. Juli 2018, 12:00 Uhr Rostgänse am Greifensee

Am einen Tag entzückten sie noch die Badegäste, am nächsten waren sie nicht mehr da. Abgeschossen. Vom Kantonalen Fischereiaufseher, wie Charlotte Reber auf Nachfrage herausfand. Als Begründung wurde ihr angegeben, dass die Gänse zu den invasiven Arten gehörten und den Fortbestand der einheimischen Wasservögel bedrohten. «Das kann ich gar nicht nachvollziehen», so Reber.

«Man hat den Gänsen nie eine Chance zur Integration gegeben»

Charlotte Reber, häufiger Badegast am Greifensee

«Man sieht fast überall nur die hiesigen Stockenten, von Verdrängen kann keine Rede sein.» Sie ist traurig über den Abschuss. Gemeinsam mit Freundin Susanne Frei geht Reber fast jeden Tag im Greifensee baden. Die Rostgänse und auch die Nilgänse, die hier ebenfalls nicht heimisch sind, gehörten zu dem Ritual dazu und erfreuten die beiden Frauen. «Man hat den Gänsen nie eine Chance zur Integration gegeben», kritisiert Reber.

Auch Freundin Susanne Frei stört der Abschuss. Selbst wenn man das mit der invasiven Art so akzeptiere, sei der Zeitpunkt, wenn die Ganseltern gerade kleine Küken hätten, doch denkbar schlecht gewählt. «Eine Familie mit kleinen Kindern kann man doch nicht einfach so abknallen», sagt sie. 

Historische Regelung

Stefan Schleich ist Obmann des Jagdbezirkes Pfannenstiel. Er sagt, die Rostgänse seien, weil Neozoen, jederzeit bejagbar, auch in Schutzzonen wie der Greifensee eine ist. «Das besagt eine Bestimmung aus den 60ern, es kann schon sein, dass man diese mal revidieren muss.» Er verweist aber auf den Kanton. Dieser wiederum sagt, das sei ein Gesetz auf Bundesebene, der Kanton nur Ausführender.

Jürg Zinggeler von der kantonalen Jagdverwaltung betont aber, dass man am Greifensee Probleme mit der Rostgans habe. «Es ist bekannt, dass die Rostgans sich einheimischen Vögeln gegenüber aggressiv verhält. Sie vertreibt diese aus ihrem Revier und hindert sie am Brüten.» Er verstehe, dass den Leuten die Rostgänse leidtun würden, doch man müsse die einheimische Fauna vor einer Verfälschung schützen. Jeder der Abschüsse geschehe zudem in Absprache mit Natur- und Vogelschutzorganisationen.

«Man darf nicht vergessen, dass invasive Arten weltweit den zweithäufigsten Grund für das Artensterben darstellen»

Livio Rey, Biologe bei der Vogelwarte Sempach

Grund für Artensterben

Vor schnellen Schlüssen warnt auch Biologe Livio Rey von der Vogelwarte Sempach. «Man darf nicht vergessen, dass invasive Arten, gleich nach der Zerstörung von Lebensraum, weltweit den zweithäufigsten Grund für Artensterben darstellen», sagt er. Zwar breite sich nicht jede fremde Art direkt invasiv aus - einige brauchten Jahre, einige vermehrten sich gar nie -, doch wenn sich eine Art explosiv ausbreite, sei es bereits zu spät. Die Bedrohung sei in Nahrungs- oder Nistplatzkonkurrenz gegeben oder wenn Krankheiten eingeschleppt würden. «Es ist daher bei potenziell invasiven Arten besser, sofort zu handeln und eine Ausbreitung zu verhindern.» 

Wenn man also die Rostgänse jetzt in Ruhe lässt, könne es sein, dass man in ein paar Jahren eine viel grössere Abschiessaktion lancieren muss, die mehr Aufwand erfordert und eben auch mehr tote Gänse.

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