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Ab Sonntag muss zahlen, wer in Uster einen Parkplatz will

Ab Sonntag muss zahlen, wer in Uster einen Parkplatz will

Ab Sonntag, 1. Januar, tritt die Ustermer Parkierungsverordnung in Kraft. Für die einen eine Schikane, für die anderen eine Notwendigkeit um in der Stadt leben zu können. Der Stadtrat sagt, die Anwohner würden profitieren.

Freitag, 30. Dezember 2016, 17:17 Uhr
Umstrittene Schranken: Ab morgen kostet das parkieren beim Ustermer Hallenbad einen Franken pro Stunde - das schreibt die Parkierungsverordnung vor. (Bild: Christian Merz)

Am Sonntag, 1. Januar 2017, kommt Usters Parkierungsverordnung das erste Mal zur Anwendung: Ab dann muss zahlen, wer sein Auto zum Beispiel auf dem Parkplatz Buchholz beim Ustermer Hallenbad parkiert – ebenso wie auf allen anderen Parkplätzen von Usters Sportanlagen.

Die Kosten: 1 Franken pro Stunde, von 8 bis 22 Uhr, sieben Tage die Woche. Neu ist auch die Blaue Zone in den Quartieren nördlich des Bahnhofs. Parkieren darf man dort werktags von 8 bis 18 Uhr nur noch eine Stunde.

Mehr freie Parkplätze

«Es sind wohl diese zwei Neuerungen – die Gebühr bei den Sportanlagen und die Blaue Zone – die die Leute im Alltag am meisten spüren werden von der neuen Verordnung», sagt Daniel Stein, Chef der Stadtpolizei Uster.

Die Parkierungsverordnung regelt das Parkieren in der ganzen Stadt. Je nach Ort gelten unterschiedliche Bestimmungen – «unter Berücksichtigung der Umstände», wie Stein sagt. Im Stadtzentrum sind die Parkplätze gebührenpflichtig und die Parkdauer auf zwei Stunden beschränkt. «Damit es einen Wechsel gibt und die Leute genügend freie Parkplätze für den Einkauf finden», sagt Stein.

In der Blauen Zone geht es laut dem Polizeichef darum, die Anwohner zu bevorzugen: «Leute, die dort wohnen, können eine Parkkarte erwerben, mit der sie für unbeschränkte Zeit parkieren dürfen.»

Erste Vorlage abgelehnt

Den Grundsatz der Parkierungsverordnung erläutert Sicherheitsvorstand Jean-François Rossier (SVP): «Dort, wo viele Leute einen Parkplatz suchen, soll ­mittels Gebühren und Parkzeit­beschränkungen erreicht werden, dass die Parkplätze nicht dauernd besetzt sind.» Deshalb koste der Parkplatz im Buchholz oder an der Schifflände etwas, nicht aber derjenige in Riedikon oder in Nossikon. Dort ist parkieren weiterhin kostenlos und unbeschränkt erlaubt.

Um die Parkierungsverordnung hat die Ustermer Politik über Jahre gerungen. Und das oft sehr emotional. Am Anfang stand eine Motion von Benno Scherer (GLP), die der Gemeinderat im Jahr 2009 an den Stadtrat überwies. Sie hielt fest, dass Parkieren auf öffentlichem Grund grundsätzlich etwas kosten soll – auch, um den öffentlichen Verkehr zu stärken. Gegen die Umsetzungsvorlage des Stadtrats erhoben SVP und FDP jedoch das Behördenreferendum. Denn die Vor­lage sah vor, dass für alle Parkplätze in Uster eine Parkgebühr erhoben wird.

Das wollten auch die Stimmbürger nicht: Sie schickten die Vorlage 2011 mit 60 Prozent Nein-Stimmen bachab. Der Stadtrat erarbeitete daraufhin eine neue Vorlage, die der Gemeinderat im Frühling 2016 guthiess – und die nun ab morgen gültig ist.

Spitalangestellte betroffen

Die Kritik an der Parkierungs­verordnung ist jedoch nicht verstummt. So schreibt etwa die SVP auf Anfrage: «Aus unserer Sicht ist die Parkierungsverordnung in erster Linie eine Geldquelle für die Stadt. Der motorisierte Verkehr wird mit Gebühren und Bussen belastet.» Die neuen Regeln würden viele Ustermer vor den Kopf stossen. «Schon heute werden wir mit vielen Reklamationen konfrontiert.»

Tatsächlich haben vor allem die künftigen Parkgebühren im Buchholz in der Bevölkerung negative Reaktionen hervorgerufen, wie Leserbriefe oder Diskussionen in den sozialen Netzwerken zeigen. Das gleiche gilt für die Parkplätze bei der Reithalle und im Müliholz. Sie wurden bisher nicht nur von Sportlern, sondern auch von Angestellten des nahen Spitals benutzt. Für sie wird der Arbeitsweg mit dem Auto künftig teurer. Zudem können sie durch das neue Blaue-Zonen-Regime auch nicht mehr an der Wageren- und der Wermatswilerstrasse parkieren.

Kritik an der neuen Verordnung gibt es aber auch aus der ­anderen Richtung. Den Grünen etwa gehen die Bestimmungen zu wenig weit. «Dass man auf den Sportanlagen eine halbe Stunde gratis parkieren kann, ist zu lang. Und danach die Gebühr von einem Franken pro Stunde zu tief», schreiben sie. Gemäss dem Text der Parkierungsverordnung sei es ihr Zweck, den Pendler- und Suchverkehr zu reduzieren und die Anwohner vor Strassenlärm und Luftverschmutzung zu schützen. «Dieses Ziel wird mit dieser Parkierungsverordnung bei Weitem nicht erreicht», so die Grünen.

Günstiger als in Zürich

Sicherheitsvorstand Rossier sagt: «In der Diskussion um die ­Parkierungsverordnung prallen verschiedene Weltanschauungen aufeinander.» Was er festhalten will, ist: «Im Vergleich zu Zürich sind die Ustermer Parkgebühren sehr gering.» Dort kostet ein Parkplatz in der Innenstadt bis zu drei Franken die Stunde – in Uster einen Franken.

Polizeichef Daniel Stein glaubt denn auch, dass die neuen Regeln rasch zur Selbstverständlichkeit werden. So sei es bisher überall gewesen. Usters Entwicklung zur Stadt bringe es mit sich, dass parkieren etwas koste: «Der Platz wird knapper, dafür das ÖV-Angebot immer besser. Dass an solchen Orten nicht mehr überall gratis parkiert werden kann, sehen die allermeisten ein.»

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