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Pegel des Greifensees sinkt – Schiffsfahrplan angepasst

Die Trockenheit und ihre Folgen

Pegel des Greifensees sinkt – Schiffsfahrplan angepasst

Ausbleibende Heuernten und Fische, die umgesiedelt werden müssen, sind nicht die einzigen Probleme der Trockenheit, der die Region momentan ausgesetzt ist. Auch ein Schiffsteg kann momentan nicht angefahren werden.

Deborah
von Wartburg
Montag, 16. Juli 2018, 21:13 Uhr Die Trockenheit und ihre Folgen

Was für Badegäste und Sonnenanbeter einen perfekter Sommer bedeutet, versetzt andere in Alarmbereitschaft: Viele warme Sonnentage und ausbleibende Regenfälle prägten das Wetter der letzten Wochen. Der Greifensee und der Pfäffikersee sind mittlerweile laut Meteo rund 25 Grad warm und die Wasserpegel sinken kontinuierlich.

«Während solch längeren Trockenheitsphasen kann man zusehen, wie der Wasserpegel sinkt»

Daniel Schneider, Schifffahrtsgenossenschaft Greifensee

So musste die Schifffahrtsgenossenschaft Greifensee (SGG) gestern bekannt geben, dass der Steg in Mönchaltorf nicht mehr angefahren werden kann, weil das Schiff drohe, auf Grund zu laufen. «Während solch längeren Trockenheitsphasen kann man quasi zusehen, wie der Pegel sinkt», sagt Daniela Schneider von der SGG. Die Zuläufe des Greifensees bestünden fast ausschliesslich aus kleinen Bächen wie der Aa, dem Aabach, dem Dorfbach oder dem Rohrbach.

Wenn der Wasserstand weiter sinkt, könnte laut Schneider auch der Schiffsteg in Fällanden nicht mehr anschiffbar sein. Bei beiden Stegen sei die Uferlandschaft hoch gelegen. Zudem könne man die Steghöhe nicht verstellen, wie das etwa in Uster oder Maur möglich sei.

Der Anfahrtsstopp in Mönchaltorf bedeutet aber keine grösseren finanziellen Verluste für die SGG, da etwa Schulklassen die via Schiff oft Ausflüge zur Silberweide in Mönchaltorf machten, nun bereits in den Sommerferien weilen.

Besonders prekäre Lage bei den Bächen

Kritisch wird es laut dem kantonalen Fischereiaufseher Robert Geuggis momentan vor allem in den Oberländer Bächen, die ohnehin wenig Wasser führen. In der Töss mussten bereits Fische in Bächen umgesiedelt werden. Weitere Oberländer Bäche könnten bald folgen. «Wegen dem Wassermangel würden sonst viele Fischarten verenden». Bei der Umsiedlung setzten die Fischer Teile des Baches unter Strom, woraufhin die Fische in die gewünschte Richtung schwammen. In grossen Behältern eingefangen, transportiere man sie zu anderen Bächen, die mehr Wasser führten.

«Wir achten darauf, die Fische möglichst nah am Ursprungsort auszusetzen, damit sie selbstständig zurückwandern können, sobald es der Wasserstand wieder zulässt», sagt Geuggis. Den meisten Fischen mache der Strom nichts aus, es sei jedoch nicht zu vermeiden, dass bei der Prozedur einige Tiere verletzt werden oder sterben. Denn diese stünden wegen des Wassermangels ohnehin schon unter Stress und würden den Schock oft nicht mehr ertragen.

Noch kein Extrawasser für Bauern

Auch wenn man bereits ähnliche Werte messe, wie in den Hitzesommern 2003 und 2015, sei das Grundwasser noch nicht tangiert, sagt Dominik Bonderer, Kommunikationsleiter der kantonalen Baudirektion, der das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) unterstellt ist.

Der Wasserbezug für die Bauern im Kanton Zürich sei mit mehrjährigen Konzessionen geregelt. In diesen sei teilweise auch der Pegelstand als Limite integriert, so Bonderer. Das bedeute, dass die Bauern, sobald der kritische Wasserstand unterschritten wird, kein Wasser mehr nutzen dürfen. Der Kanton könne den Bauern aber via Gemeinde zusätzliches Wasser aus den Gewässern gewähren. Jedoch nur bei Seen oder grossen Flüssen, die das auch ertragen, wie etwa dem Rhein, dem Greifen- oder Pfäffikersee. Dieser Schritt sei vielleicht nötig, wenn die Situation sich weiter verschärfe.

Laut Bonderer prüfen die Mitarbeiter des AWEL fortlaufend, wie es um den Wasserstand und die Trockenheit steht und rufen im Extremfall ein Feuerverbot aus. «Momentan sind wir aber noch auf der Gefahrenstufe zwei von fünf. Es besteht kein Verbotsbedarf.» Vorsichtig müsste man bei Feuer jedoch immer sein.

Heuernte bleibt aus

«Vor allem im Futterbau macht die Hitze den Bauern Probleme»

Markus Bopp, Lehrer am Strickhof Lindau

Die Bauern der Region kämpfen bereits in verschiedenen Bereichen mit der Hitze. Markus Bopp ist Lehrer für Landwirtschaft und Berater im Strickhof in Lindau. «Vor allem im Futterbau macht die Hitze den Bauern Probleme», sagt er. Im Monatstakt mähten die Bauern ihr Gras. In der aktuellen Ernte machten sich die letzten drei Hitzewochen stark bemerkbar. «Die Bauern konnten fast nichts mähen und werden wohl Heu zukaufen müssen, um ihr Vieh zu versorgen.»

Auch bei Mais ist laut Bopp mit Mindererträgen wegen der Hitze zu rechnen, da dieser in der jetzigen Wachstumsphase viel Wasser benötige. Bei der Getreideernte, die bereits stattgefunden habe, sei der Ertrag wegen Wassermangels durchschnittlich bis schlecht ausgefallen.

Weniger problematisch sei die Hitze für Spezialkulturen wie Gemüse, da dort ohnehin immer bewässert werde. Dafür würden die Seen und das Grundwasser genutzt, welches an den meisten Orten noch genügend vorhanden sei.

«Kleiner Tropfen auf sehr heissem Stein»

Das scheint für Hittnau nicht zu gelten. Das Quellwasser sei auf einen sehr tiefen Stand zurückgegangen, wie die Gemeinde auf ihrer Website schreibt (wir berichteten). Deshalb fordert die Gemeinde die Hittnauer auf, Wasser zu sparen. Knappes Quellwasser für den Aussenverbrauch zu benutzen, etwa beim Autowaschen oder um den Vorplatz abzuspritzen, sei unter diesen Umständen eine Verschwendung.

Der kurze Schauer am Sonntagnachmittag sei in dieser Thematik sprichwörtlich nur ein kleiner Tropfen auf einem sehr heissen Stein gewesen, sagt Fischereiaufseher Geuggis. Damit die Situation sich entspannt, müsse es bald mindestens einen ganzen Tag lang kräftig regnen.

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