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Schachspieler aus Dübendorf

Kleiner Stratege mit grossem Ziel

Maximilan ist acht Jahre alt. Ein Tag ohne Schach ist für den Drittklässler undenkbar. Das nächste Ziel des Dübendorfers: Schweizer Meister werden. Aber das soll erst die Eröffnung seiner Karriere sein.

Daniela
Schenker
Mittwoch, 05. April 2017, 09:49 Uhr Schachspieler aus Dübendorf
Der achtjährige Maximilian Dück an seinem Lieblingsplatz, vor dem Schachbrett. (Bild: Christian Merz)

Heute ist Montag, da hat Maximilian schachfrei. «Zum Glück», wie sein Vater mit einem Schmunzeln sagt. Denn für Max Eltern bedeutet das einen ruhigen Abend. Die restlichen Tage der Woche stehen oft ganz im Zeichen der Leidenschaft ihres Erstgeborenen. Der Achtjährige hat vor vier Jahren den Schachsport entdeckt – und das so richtig. Damals wohnte die Familie in Berlin. Max spielte gegen seinen Grossvater und seine Mutter. «Niemand in unserer Familie spielt besonders gut Schach», sagt Vater Alexander Dück. Schon bald gewann der Jüngste alle familieninternen Duelle.

Keine Angst vor Älteren

Im Dezember 2013 zog die Familie nach Dübendorf, wo der Vater als Physiker arbeitet. Maximilian kam hier in den Kindergarten und in den Schachklub. Igor Semenic. Leiter Jugendschach, erinnert sich: «Maximilian war von Anfang an begeistert dabei und liess sich von älteren Gegnern nicht beeindrucken.» Maxilians Trainingsfleiss sei aussergewöhnlich gewesen. Und das habe sich unweigerlich in den Resultaten gezeigt. «Im vergangenen Jahr gewann er die Dübendorfer Jugendschach-Klubmeisterschaft. «Da war klar, das er sich hier nicht mehr weiterentwickeln kann», sagt Semenic. Maximilian habe zudem schon ganz früh verstanden, dass nicht nur das Talent, sondern der Wille zum Training zähle.

Maximilian trainierte zusätzlich eine Zeit lang bei «Chess 4 Kids». «Dort nahm man ihm den Respekt vor Turnieren und ermöglichte ihm so erste Erfolge», sagt der Vater. Doch bald fand Maximilian auch dort nicht mehr genug ebenbürtige Gegner. So machte der Vater, was er als seine Aufgabe erachtet: Er suchte einen geeigneten Klub für Maximilian und fand ihn mit der Schachgesellschaft Zürich, dem ältesten Schachklub der Welt. Diesem gehörte einst auch der legendäre Gross- und Seniorenweltmeister Viktor Kortschnoi an.

Zweimal wöchentlich trainiert Maximilian dort. Hinzu kommen Hausaufgaben und eine bis zwei Schachlektionen per Skype bei einem Grossmeister. Der Drittklässler, der frühzeitig eingeschult wurde, scheint das Pensum locker zu schaffen, findet noch Zeit für andere Hobbys wie Klavier spielen, Tennis oder die Teilnahme an Mathematik-Wettbewerben. Derzeit bringt er seinem dreijährigen Brüderchen das Schachspiel bei. Er kann es kaum erwarten, die erste Partie gegen Sebastian zu spielen.

Maximilians Eltern ist es wichtig, ihren Sohn zu fördern, auch wenn sein Vater dessen Begeisterung und Ausdauer für das königliche Spiel nicht ganz nachvollziehen kann. «Mir wird es nach einer halben Stunde vor dem Brett langweilig.» Aber es sei doch besser, als wenn der Sohn vor dem Fernseher sitzen würde. Die Reisen zu den Turnieren seien zwar aufwendig, doch für die Familie eine ideale Möglichkeit, die Schweiz kennen zu lernen. «Sein Hobby hat Maxi das Einleben im neuen Umfeld erleichtert», ist der Vater überzeugt.

Grosse Zukunft

Derzeit sammelt Maximilian Punkte für die Schweizer Meisterschaft. Dort will er in der Kategorie der unter Zehnjährigen ganz vorne mit dabei sein: «Am liebsten würde ich Schweizer Meister werden.» Wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann halt im nächsten.

Jugendschachleiter Semenic zweifelt nicht daran, dass es Maximilian noch weit bringen kann. «So beharrlich, wie er trainiert und Niederlagen einsteckt, sehe ich den Grossmeistertitel bereits am Horizont.»

Was ihn am Schachspiel fasziniert? Da zögert der Drittklässler nicht lange. «Die Strategie, und dass man logisch denken muss.» Und dann schiebt er verschmitzt nach: «Und man kann berühmt werden.» Sein Erfolgsrezept sieht er im Angriff: «Beim Verteidigen kann man ja nur verlieren.» Nein, natürlich verliere er nicht gern. Aber nach einer Niederlage in Tränen ausbrechen, das macht der Achtjährige schon lange nicht mehr. Da ist er ganz Angreifer und richtet den Blick nach vorn. So wie er den Abend plant und beim Vater bettelt: «Ich darf aber noch eine halbe Stunde an den Computer?» Was das für Maximilian bedeutet, ist klar: «Schach spielen.»

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