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Jodelclub überrascht mit militärkritischem Lied

1.-August-Feier in Dübendorf

Jodelclub überrascht mit militärkritischem Lied

Die Feier beim Schützenhaus Werlen war wie gewohnt traditionell und gemütlich. Doch der Jodelclub Schwyzerhüsli sorgte mit einem bundesratskritischen Lied für Aufsehen.

Laurin
Eicher
Mittwoch, 01. August 2018, 23:55 Uhr 1.-August-Feier in Dübendorf
Der Jodelclub Schwyzerhüüsli sang ein Lied von Florian Ast. (Bild: Laurin Eicher)

Just vor Beginn der Feierlichkeiten entlud sich über dem Festgelände beim Schützenhaus Werlen eine dichte Regenzelle. Während sich draussen auf den Wegen bereits kleine Bäche bildeten und die Feuerwehr in Bereitschaft war, machten es sich die Festbesucher im geschützten Zelt bei Bier, Wein und Essen gemütlich. Bei der Begrüssung musste André Ingold, Stadtpräsident (SVP) und Vorstandsmitglied des Verschönerungsvereins Dübendorf (VVD), verkünden, dass dieses Jahr trotz des Niederschlags kein Feuerwerk gezündet werden kann. «Es besteht immer noch die Gefahr von Flächenbränden», so Ingold.

Barbara Sturzenegger und André Ingold (Bild: Laurin Eicher)

 

Im Anschluss schlug der lokale Jodelclub Schwyzerhüsli urchige Töne an. Wie es sich gehört an einer Gemeindefeier, die noch einige traditionelle Vereine zählt. Überrascht hat dann das vorgetragene Lied «Wänni Bundesrat chönt si» des Schweizer Rock-Schlagersängers Florian Ast. Songzeilen wie «Usem Militär miech ig ä Hobbyband» oder dem Refrain «I miech aues das, es wär mer scheiss egau wenn i Bundesrat chönt si» passten so gar nicht zum eher traditionellen Gedankengut einer ländlichen Festgemeinde.

«Ich bin schweizerischer geworden»

Der Hauptteil der offiziellen Feier bildete die Festansprache der Innerschweizer Autorin Blanca Imboden. Etwas kokett sagte sie einleitend, sie hätte sich im Vorfeld gefragt, ob diese Aufgabe nicht zu gross sei für so «eine kleine Frau». Schliesslich hat die 55-Jährige bereits 16 Bücher veröffentlicht; darunter auch solche, die sich 30 Wochen in der Bestsellerliste hielten. Die Verbindung zum Thema 1. August machte sie, indem sie erzählte, dass sie seit fünf Jahren leidenschaftlich gerne in den Bergen wandere. «Seit da bin ich viel schweizerischer geworden – ich fühle mich mehr verbunden und verwurzelt mit unserem Land.»

Die Schriftstellerin Blanca Imboden (Bild: Laurin Eicher)

 

In ihrer Rede nannte sie wiederholt den Satz «Wow, hend mier’s schön!» Und hielt Schweizer Errungenschaften, wie die Redefreiheit und die Freiheit an sich, hoch. Dass diese nicht selbstverständlich sind, erläuterte sie anhand einer Anekdote aus einer ihrer Afrika-Reisen. In einer dunklen Lehmhütte habe sie ein alter Mann gebeten, von ihrer Heimat zu erzählen. «Er hatte Tränen in den Augen als ich von den vielen Bäumen, Weiden und den Seen und Flüssen erzählte.» Ihr sei in diesem Moment auf erschreckende Art und Weise bewusst geworden, dass die Schweizer in einem Paradies lebten.

Und dennoch würde man von ihr nie hören, dass sie sich als stolze Schweizerin bezeichnen würde, sagte sie.«Nationalstolz ist für mich etwas Aufgebauschtes, denn es liege ja kein Verdienst zugrunde. Und auch den Vergleich der Schweiz als Paradies relativierte sie, indem sie mit ernster Stimme sagte, dass sich jedes Jahr über 1500 Schweizer das Leben nehmen würden.

Das Festzelt war fast voll. (Bild: Laurin Eicher)

 

Es folgte ein Musikvortrag der Stadt- und Jugendmusik Dübendorf. Bereits um 19.30 Uhr war der offizielle Festteil  zu Ende. Danach musste die Playback-Musik ab Konserve genügen, doch das sollte dem gewohnten gemütlichen Beisammensein keinen Abbruch tun.

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