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Städteduell: Uster gegen Dübendorf

Gemütlich geordnete Oase gegen wuseliges Kleinistanbul

Züriost bläst zum Duell zwischen dem Bezirkshauptort Uster und der Glattal-Metropole Dübendorf. Wo lässt es sich besser leben, wo macht der Ausgang mehr Spass, und welche Stadt verspricht die bessere Abkühlung an heissen Tagen? Züriost klärt es ab – und bleibt dabei ganz sicher nicht objektiv. Teil 4: Welche Stadt hat den besseren Kebab?

Deborah
von Wartburg
Dienstag, 31. Juli 2018, 14:40 Uhr Städteduell: Uster gegen Dübendorf
Das Städteduell im Video. Redaktorin Deborah von Wartburg testet fleissig. (Video: Chiara Coniglio)

Die Serie «Städteduell» wurde von züriost im Sommer 2018 lanciert. Über die Ostertage blicken wir auf die bisherigen Folgen zurück – danach geht es weiter mit dem knallharten Kampf der Ustermer Bezirksmetropolen. 

 

Um es im Dübendorfer Bahnhofsimbiss bis zur Bedienung zu schaffen, muss man seine Ellbogen einzusetzen wissen. Der Andrang ist gross bei der Kebabbude, die die Redaktion für die Beste in ganz Dübendorf hält und die deshalb auch im Städteduell gegen Uster antritt. Der Gegner trägt sein Credo schon im Namen: Tasty heisst die Kette, deren Ustermer Stand wir als bestes Pferd in Usters Stall beziehungsweise Usters Dürümszene betrachten.

Um ein gerechtes aber klares Ergebnis zu bekommen, haben wir drei Kategorien festgelegt: Qualität, Ambiente und – ganz wichtig – der Kleckerfaktor. Ins Spiel gebracht hat ihn ein Testesser, dem Saucenflecken schon beim einen oder anderen wichtigen Meeting am Nachmittag die Seriosität gestohlen haben. Deshalb hat er sich für ein deutliches Ergebnis auch extra eine weisse Jacke angezogen.

N24 versus türkischer Kanal

Beim Ambiente verzeichnen wir eindeutig die grössten Unterschiede. Sobald man sich an die Theke des Bahnhofsimbiss Dübendorf durchgeboxt hat, wird man von lässigen Sprüchen und Mitarbeitern empfangen, die alle hektisch das begehrte Brot rollen, Dönerfleisch schneiden oder Bestellungen aufnehmen. Mit der aluminiumumwickelten Beute setzen wir uns um einen der letzten freien Tische. Immer wieder muss jemand mit dem Stuhl an den Tisch heranrücken, weil sich ein Gast durch die Tische drängelt. Zur Ruhe kommt man hier irgendwie nicht so richtig. Dafür ist es sehr authentisch. Im Hintergrund läuft ein türkischer Fernsehkanal.

Kontrastprogramm im Ustermer Tasty. Hier läuft ebenfalls der Fernseher – eine N24 Dokumentation – unter dem Bildschirm prangt eine Schweizerflagge. In der Ustermer Kebabbude stehen alle Kunden geordnet in einer Reihe an. Der Kebab wird vor dem Servieren in einem heissen Eisen ein bisschen zusammengedrückt bis er eine ovale Form hat, bevor er serviert wird. Das wirkt sich entscheidend auf den Kleckerfaktor aus, doch das ist eine andere Kategorie.

Thai Sauce im Kebab?

Die Tasty Kebabs verspeisen wir unter Sonnenschirmen im grosszügigen und ruhigen Hinterhof des Imbisses. Es bietet sich uns eine malerische Kulisse: Sitzoasen aus Paletten und Pflanzen, die der Verein «Herzkern» überall im Ustermer Zentrum platziert hat, um den Flanierfaktor der Innenstadt zu erhöhen. Der Gegensatz zum Ambiente im Dübendorfer Bahnhof Imbiss könnte kaum grösser sein. Choatisch-wuselige Originalität versus Hipsterbänkli, Ordnung und Gediegenheit. Schlussendlich ist unser Meinung nach aber Originalität für die Atmosphäre entscheidend und Istanbuler Marktflair passt einfach besser zu Döner als ein sauberer Schweizer Garten. Der Bahnhofsimbiss von Dübendorf geht also mit einem Punkt in Führung. 

Doch es sind ja noch zwei Bewertungskategorien offen. Die Qualität ist bei beiden Dönerläden auf jeden Fall zufriedenstellend. Dübendorfs Döner trumpft mit vielen verschiedenen scharfen Saucen auf. Sogar eine Thai -Sauce steht zur Auswahl. Die Frage, welcher Banause sich so etwas in den Kebab kippt, bleibt allerdings offen – wir sicher nicht. Zudem gibt es im Bahnhofimbiss auch «Schischkebab» also mit Lammfleisch, auf den der Redaktionskollege zwar etwas länger warten muss, der aber laut seinem Urteil genau so ist, wie er sein sollte: Saftig und würzig. Pluspunkte gibt es auch für den türkischen Tee, den wir am Ende unseres Mahles spendiert bekommen. Gratis, schön übersüsst und im Original-Gläschen, das immer ein bisschen zu heiss ist, um es in der Hand zu behalten.

Kleckerfaktor ist das Zünglein an der Waage

Usters Tasty hält – ganz der Schweizer – mit einem Käse-Kebab dagegen, der auf grosse Begeisterung stösst. Bei dieser Kategorie gibt es denn auch die grössten Diskussionen in der Testgruppe. Die Käsekebabliebhaberin schreit aber so unüberhörbar immer wieder, dass ihr Kebab superlecker ist, dass wir getreu dem demokratischen Grundsatz «Wer am lautesten kräht, wird gehört» die Diskussion beenden und Uster diesen Punkt geben. So. Nun steht es eins zu eins. 

Der Kleckerfaktor wird dieses Battle also entscheiden. Ob es am Hunger liegt oder an der Atmosphäre, in Dübendorf verspeisen wir unsere Kebabs auf jeden Fall irgendwie viel schneller als in Uster. Am Anfang dachten wir noch, wir hätten aufs Alter endlich gelernt, sauber zu essen, doch irgendwann kommen die kritischen Zentimeter, in denen der Inhalt etwas zu locker sitzt und – plumps – ein Fleischstückchen auf den Tisch fällt. Ein Salatstück folgt und dann tropft auch noch Sauce auf die Hose. Auch die weisse Jacke hat ein paar Flecken abbekommen. Der Lammkebab scheint logistisch die grösste Herausforderung darzustellen. Dort wo er verspeist wurde, sieht der Tisch beim Abgang aus wie ein Schlachtfeld.

In Uster bleiben Tisch und Kleider deutlich sauberer, was aber auch an der bereits erwähnten ovalen Kebabform liegen könnte. Die Plattdrücktechnik von Tasty zahlt sich also aus und entscheidet schlussendlich diese Runde. Denn beim Kleckerfaktor ist Uster der deutliche Sieger – auch wenn der Ausflug nach Dübendorf irgendwie mehr Unterhaltungswert hatte.

Bislang erschienen:

Das beste Stadthaus: Dübendorf  (Dübendorf 1: Uster 0)
Die schönste Badi: unentschieden (Dübendorf 2: Uster 1)
Statistisch attraktiver: Uster (Dübendorf 2: Uster 2)

Der bessere Kebab: Uster (Dübendorf 2: Uster 3)

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