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Der logische Triumph nach dem Paukenschlag

Kommentar zum EHCD-Meistertitel

Der logische Triumph nach dem Paukenschlag

ZO-Sportchef Florian Bolli ordnet den Meistertitel des EHC Dübendorf ein und schreibt über einen Weg, der mit Widerwärtigkeiten gesäumt war.

Florian
Bolli
Montag, 13. August 2018, 12:42 Uhr Kommentar zum EHCD-Meistertitel
Kommentar von Florian Bolli, Deskleiter Sport. (Foto: zvg)

Der EHC Dübendorf ist ein logischer Meister. Schliesslich gehörte der Glattaler Klub zu den treibenden Kräften der neuen höchsten Amateurliga MSL. Und während die Konkurrenz sich mit Kampfansagen zurückhielt und lediglich die Playoffs als Ziel formulierte, stellten die Dübendorfer früh klar, nicht einfach nur mitmachen zu wollen. Ein Spitzenklub zu sein, auch oder gerade in dieser neuen Liga, das entspricht dem Dübendorfer Selbstverständnis. Einen dritten Final in Serie wollte man keineswegs verlieren – auch insofern hat der Titelgewinn eine gewisse Logik.

Freinacht in Dübendorf. So wurde das Team im Chreis empfangen:

Doch der Weg auf den Thron war für die Dübendorfer mit Widerwärtigkeiten gesäumt, die einen frühen Paukenschlag verursachten: Als der Klub am 20. Oktober Andrea Cahenzli durch Reto Stirnimann als Headcoach ersetzten, war das eine Überraschung für alle, auch für die Mannschaft. Als «Reset, mit dem niemand rechnete» bezeichnete Sportchef Urs Wüst die Massnahme, von der man sich «einen grossen Effekt» erhoffte.  Der Trainerwechsel, der im Umfeld nicht nur auf Gegenliebe stiess, verfehlte seine Wirkung nicht.

Von mangelnder Leistungsbereitschaft im Team war jedenfalls bald nichts mehr zu sehen, und die zuvor von der Klubführung vermisste Entwicklung der Equipe setzte ein. Jene taktische Flexibilität, die dem Team beispielsweise vor Jahresfrist in der verlorenen Playoff-Finalserie gegen Frauenfeld gefehlt hatte, war nun nicht erst im Final gegen Brandis ein Schlüssel zum Erfolg. Reto Stirnimann und Paul Berri übernahmen das Team in einem heiklen Moment – und fanden die richtige Spur ohne Umweg.

Der Wechsel hatte aber noch eine andere Wirkung – eine, mit der niemand rechnen konnte, die aus der Not entstand, für den Triumph aber durchaus mitentscheidend war: Das Trio, das nach dem Trainerwechsel den Klub verliess, wurde mit Spielern ersetzt, die sich gewinnbringend ins Team integrieren konnten. Allen voran als Glücksgriff erwies sich Lakers-Leihgabe Lars Frei, der in so mancher entscheidenden Situation seinen Stock im Spiel hatte.

Der Titel ist letztlich aber nicht der Verdienst einzelner Spieler, sondern jener eines Kollektivs, das sich nach einem Umbruch im Kader letzten Sommer trotz den Misstönen zu Saisonbeginn rasch fand. Ein Kollektiv, das die richtige Mischung verkörpert aus Kunst und Kampf, aus Spielfreude und Härte. Im Gegensatz zur letzten Saison, als (zu) viel von der ersten Sturmlinie abhing, waren die Dübendorfer zudem in Sachen Torproduktion breiter abgestützt.

Captain Jann Falett präsentiert die Trophäe den Fans:

Und schliesslich bewahrheitete sich einmal mehr die abgedroschene Floskel, wonach die Offensive Spiele gewinnt, die Defensive aber Meisterschaften. Vor Torhüter Remo Trüb, der zurecht als einer der besten Keeper der Liga gilt, agierte eine Abwehr, die solidarisch und konsequent zu Werke ging und sich so zwischendurch auch das Glück des Tüchtigen verdiente. Über die ganze Saison gesehen kassierte der EHCD am wenigsten Gegentreffer. Dass das Powerplay oft zu wünschen übrig liess, spielte am Ende keine Rolle. Auch mit dieser Widerwärtigkeit ging der EHCD meisterlich um.

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