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Aus zwei mach eins: Kirchgemeinden fusionieren

Reformierte Kirchen Turbenthal und Wila

Aus zwei mach eins: Kirchgemeinden fusionieren

Die reformierten Kirchen Turbenthal und Wila gehören ab 2019 zusammen. Beide Kirchgemeinden haben einem Zusammenschluss zugestimmt.

Xenia
Klaus
Montag, 29. Januar 2018, 13:40 Uhr Reformierte Kirchen Turbenthal und Wila
Kirche Wila
Kirche, Dorf
Die reformierte Kirche Wila wird ab 2019 zur neuen Gemeinde Turbenthal-Wila gehören. Archivfoto: Monika Cadosch

Fast alle waren sich einig: Die Mitglieder der Kirchen Wila und Turbenthal wollen in Zukunft zusammengehören. 42 reformierte Wilemer waren am 14. Januar an die Kirchgemeindeversammlung gekommen, um über die Zukunft ihrer Kirche zu entscheiden. In Turbenthal waren es deren 71. Gegen eine Fusion der Kirchgemeinden stimmten in Wila 12 Prozent, in Turbenthal 21 Prozent der Mitglieder.

Mit dem Entscheid zum Zusammenschluss sind die zwei Gemeinden nicht alleine, auch anderswo wird fleissig fusioniert. In der Stadt Zürich wollen sich 32 Kirchgemeinden zu einer zusammenschliessen. Dübendorf und Schwerzenbach gehören seit Anfang Jahr zusammen.

Die Fusionswut kommt nicht von ungefähr: Die Landeskirche Zürich drängt mit dem Projekt «Kirchgemeinde plus» darauf, die Anzahl Gemeinden im Kanton drastisch zu reduzieren. Grund dafür sind die Rekrutierungsprobleme der Kirche. Einerseits schwinden die Mitglieder: 1967 waren im Kanton Zürich 70 Prozent der Bevölkerung Mitglied der reformierten Kirche, 2010 waren es nur noch 35 Prozent. Andererseits sinke die Bereitschaft, sich in der Kirche zu engagieren, schreibt die Landeskirche auf ihrer Website.

Kräfte bündeln

«Der Druck von Seiten der Landeskirche Zürich ist aber nicht der Grund, für den Zusammenschluss», sagt Erna Brüngger, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Turbenthal. Beide Gemeinden hätten einfach eingesehen, dass es die beste Lösung sei.

Denn auch im Zürcher Oberland verliert die Kirche Mitglieder. «Das ist ein offenes Geheimnis», sagt Marianne Heusi, Präsidentin der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wila. Basierend auf den Mitgliederzahlen werden von der Landeskirche Pfarrstellenprozente verteilt. In Turbenthal und Wila erwartet man eine Reduktion für die nächste Verteilrunde 2020.

Aber nicht nur deshalb finde sie den Zusammenschluss sinnvoll, sagt Heusi. Sie sei überzeugt, dass sich die Kirche in dieser Form besser organisieren könne. «Wir hoffen und glauben, dass so Kräfte frei werden, die wir für Neues nutzen werden», bestätigt Brüngger. Unter anderem wolle man die Jugendarbeit verbessern. «Die Vorteile überwiegen definitiv», so die Turbenthaler Kirchgemeindepräsidentin.

«Wir hoffen und glauben, dass so Kräfte frei werden, die wir für Neues nutzen werden»

Erna Brüngger, Präsidentin reformierte Kirchgemeinde Turbenthal

Anderer Meinung ist man offenbar in Sitzberg, Wildberg und Zell. Zu Beginn der Gespräche um eine nähere Zusammenarbeit sassen auch sie am runden Tisch. Die drei Kirchgemeinden hätten aber im Lauf des Prozesses entschieden, dass diese «nähere Zusammenarbeit» vorerst in anderer Form gepflegt werde, so Heusi. «In Zell war man einer Fusion nicht abgeneigt, aber der Zeitpunkt hat nicht gepasst», ergänzt Brüngger.

Zwischen Turbenthal und Wila seien die Diskussionen von Anfang an angenehm und erfolgsversprechend verlaufen, heisst es auf beiden Seiten. Nur deshalb könne man den Zusammenschluss so schnell umsetzen. Die Gespräche wurden 2014 aufgenommen, ab 2019 wird die Kirchengemeinde Turbenthal-Wila Realität sein.

Sitz in Turbenthal, Wahlen in Wila

Ihre Verwaltung wird die neue Kirchgemeinde in Turbenthal haben, die Wahlen werden aber von der politischen Gemeinde Wila ausgerichtet. Die ersten finden im September dieses Jahres statt. Statt wie bisher zwei fünfköpfige wird neu ein siebenköpfiges Gremium gewählt. Einen Schlüssel, wonach manche Kirchenpflegemitglieder aus Turbenthal und andere aus Wila kommen müssen, wird es nicht geben. «Genügend geeignete Kandidaten für die Behörde zu finden ist nicht ganz einfach. Ohne solchen Schlüssel gelingt das eher», sagt Heusi. Sie stellt sich zur Wahl als Präsidentin. Auch Brüngger will in der Kirchenpflege bleiben.

Die Zusammenarbeit funktioniere schon jetzt sehr gut, sagen beide Präsidentinnen. «Das Ganze ist eine recht gefreute Sache», so Heusi.

«Das Ganze ist eine recht gefreute Sache»

Marianne Heusi, Präsidentin reformierte Kirchgemeinde Wila

Sorge um Freiwilligenarbeit zerstreut

Heusi und Brüngger zeigen sich über die klare Zustimmung zur Fusion denn auch nicht überrascht. Schon im Vorfeld seien von Kirchenmitgliedern nur wenige Bedenken geäussert worden. «Es gab Sorgen bezüglich der Freiwilligenarbeit», so Heusi. Diese habe man aber weitgehend zerstreuen könne. «Ich denke, die Freiwilligenarbeit wird eher attraktiver werden. Es wird mehr Projekte zur Auswahl haben.»

Vorerst bleiben auch beide Pfarrämter bestehen. Bis 2020 habe man die zwei Vollzeitpensen zugesichert bekommen, sagt Heusi.

Weitere Details der Organisation werde man im kommenden Jahr «ausjassen». Zum Beispiel die Anzahl Gottesdienste. «Wir versprechen, dass es mindestens zwei Gottesdienste pro  Monat und Kirche geben wird», sagt Heusi. Im Schnitt peile man aber mehr an. Für die Sonntage, an denen in nur einer der Kirchen ein Gottesdienst gehalten wird, arbeite man an einer Transportlösung für die «weniger mobilen» Kirchgänger. «Vielleicht fragen wir bei den Katholiken nach, da gehören Wila und Turbenthal seit eh und je zusammen.»

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