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Tankstellenshops fahren schwerere Geschütze auf

Tankstellenshops fahren schwerere Geschütze auf

In den ersten vier Monaten des Jahrs gab es im Kanton Zürich überdurchschnittlich viele Raubüberfälle auf Tankstellenshops. Im Zürcher Oberland waren die Fälle von Bauma und Weisslingen in den Schlagzeilen. Die Shopbetreiber reagieren.

Christian
Zürcher
Montag, 25. April 2016, 08:16 Uhr
Das Fahndungsbild der «Frau mit Perücke», das die Kantonspolizei Zürich nach den Überfällen in Bauma und Weisslingen publizierte. (Bild: zvg/Kantonspolizei Zürich)

Laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» waren die Überfälle einer noch immer nicht gefassten Frau mit blonder Perücke in Bauma und Weisslingen (wir berichteten) zu Beginn des Monats keine Einzelfälle. Im Kanton Zürich seien seit Jahresbeginn bereits acht Tankstellen beraubt worden – eine überdurchschnittlich hohe Zahl im Langzeitvergleich.

Nun ergreifen die Betreiber zusätzliche Massnahmen, um die Sicherheit für das Personal zu erhöhen. Geprüft wird unter anderem ein System, das den Zutritt zu den Shops in den anfälligen Abendstunden besser regulieren soll. Shell nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein und hat den Kontrollmechanismus bereits eingeführt. Am Abend und in der Nacht öffnen sich die Türen nur noch, wenn der anwesende Mitarbeiter einen Knopf an der Kasse bedient. «So kann überprüft werden, wer hinein- und hinausgehen will», sagt Shell-Sprecherin Karin Lodewick im «Tages-Anzeiger».

Gefüllte Kassen bald Vergangenheit?

Shell hält die Präventionskampagne jedoch noch nicht für abgeschlossen. Eine weitere technische Neuerung könnte der sogenannte Securecube sein. Dieser Tischtresor böte die Gelegenheit, dem Problem der vollen Kassen vorzubeugen. Bei der Post wird der Securecube, ein Einzahlungsterminal, bereits eingesetzt. Er nimmt Bargeld auf und bewahrt es bis zur Abholung durch einen Geldkurier sicher auf. Tankstellenshops sind auch deshalb bei Räubern beliebt, weil sie normalerweise viele Kunden anziehen und die Kassen entsprechend gefüllt sind.

Sind Mitarbeiter zu «brav»?

Die bisherigen Sicherheitskonzepte in den oft eher abgelegenen oder schlecht einsehbaren Shops sehen Schulungen des Personals und konsequente Videoüberwachung vor. Offenbar entfalten diese aber nicht die gewünschte abschreckende Wirkung. Besonders die Vorgabe an die Mitarbeiter, sich bei einem Überfall kooperativ zu verhalten, stösst auch auf Kritik: Verbrecher würden dieses zu erwartende Verhalten in ihre Überlegungen einbeziehen und ohne Gewaltanwendung zum Geld kommen.

Vorerst kein Thema seien gemäss mehreren Stimmen aus den Reihen der Betreiber Nachtschalter mit Panzerglas, die den Kundenkontakt auf ein Minimum reduzieren würden. Derartige Installationen kommen etwa in Österreich oder den Niederlanden zum Einsatz. Kunden könnten sich dabei aber nicht mehr selbständig im Shop bewegen, moniert etwa BP-Sprecherin Isabelle Thommen. (zür)

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