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Der «letzte Bär» lebt nicht mehr

Neschwiler Boxer Ruedi Meier gestorben

Der «letzte Bär» lebt nicht mehr

Boxen Ruedi Meier aus Neschwil war in den 1960er- und 1970er-Jahren der beste Schweizer Amateurboxer. Von 137 Kämpfen gewann der Schwergewichtler
97 durch K.o. Nun ist er im Alter von 79 Jahren verstorben.

Florian
Bolli
Donnerstag, 26. Juli 2018, 17:08 Uhr Neschwiler Boxer Ruedi Meier gestorben

Als Ruedi Meier 2013 anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des nationalen Verbandes als «herausragender Schweizer Amateurboxer» des Jahrhundert gekürt wurde, war seine Aktivkarriere schon lange vorbei. «Ich weiss doch gar nicht mehr, wie das geht. Das ist schon 200 Jahre her», sagte er zum ZO/AvU-Fotografen, der ihn darum bat, seine alte Kampfpose einzunehmen.

Ruedi Meier galt als Ausnahmeerscheinung im Schweizer Bosxport. Nicht nur aufgrund seiner Erfolge mit zehn Schweizer Meistertiteln in der Schwergewichtsklasse, seiner drei EM-Teilnahmen und seiner Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Tokio 1964. Sondern vor allem wegen seiner aussergewöhnlichen Siegquote: Nicht weniger als 97 seiner 137 Amateurkämpfe gewann er durch K.o. – oft dank seinem Paradeschlag, dem linken Leberhaken.

«Urkraft» statt Technik

«Er war meist kleiner als seine Gegner, kein Techniker, aber mit einer Urkraft gesegnet», sagte der ehemalige Nationaltrainer André Schenk einst. «Ruedi kannte nur eine Devise: vorwärts.» Meier hätte Profiboxer werden können; Trainerlegende Charly Bühler probierte ihn dafür zu begeistern – doch der Neschwiler liess sich nicht überreden. «Es hat mir gestunken, nach Bern ins Training zu fahren. Ich bin heimatverbunden», sagte er einmal. Und da, in der Heimat, engagierte sich Meier in verschiedenen Vereinen.

Vom FC bis zum Snuff-Club

Schon bevor er Boxer wurde spielte er beim FC Weisslingen Fussball und blieb dem Klub auch danach immer treu. Im Schützenverein Weisslingen, wo er Ehrenmitglied war, betreute Meier lange die Jungschützen. Und er gehörte zu den Gründern des Snuff-Clubs Weisslingen – die Liebe zum Schnupftabak trug ihm den Übernamen «Schnupf-Ruedi» ein.

Weiter herum bekannt war Meier aber als der «letzte Bär aus dem Tösstal». Wie er seinen Kampfnamen bekam, darüber konnte Meier selber nur mutmassen. «Vielleicht erhielt ich ihn, weil ich knurrte.»

Als Meier 1973 nach seinem zehnten nationalen Meistertitel zurücktrat, schrieb die «NZZ», dem Schweizer Boxsport sei «einstweilen der einzige überdurchschnittliche Kämpfer dieser Gewichtsklasse verloren gegangen.»

Ruedi Meier verstarb letzte Woche im Alter von 79 Jahren in seinem Haus in Neschwil.

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