×

Paralympics: «Felix der Glückliche» will es wissen

Rollstuhl-Curler aus Russikon

Paralympics: «Felix der Glückliche» will es wissen

Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Russiker Felix Wagner vom Hobby-Curler zum Skip des Schweizer Rollstuhl-Curling-Teams entwickelt. An den Paralympics in Südkorea strebt der Landwirt eine Medaille an.

David
Schweizer
Montag, 26. Februar 2018, 10:17 Uhr Rollstuhl-Curler aus Russikon

Felix Wagner ist Landwirt. Der Russiker aber sitzt im Rollstuhl. Wie ist es mit seinem Handicap überhaupt möglich, in diesem Beruf zu arbeiten? «Wir haben die Maschinen so umgebaut, dass ich sie fahren und mithelfen kann», sagt der 52-Jährige selbstbewusst und mit einem Lächeln im Gesicht, als ob er denken würde: Wo ist das Problem?

Zusammen mit seiner Frau Ruth und Tochter Céline betreibt der Skip des Schweizer Rollstuhl-Curling-Nationalteams einen Pensions-/Ausbildungsstall mit 18 Pferden, davon zwei eigenen. «Ohne die Unterstützung der Familie wäre es undenkbar, zugleich Spitzensport zu betreiben», sagt Wagner.

«Als ich nach dem Reitunfall in Nottwil lag, machte ich mir schon Gedanken, ob und wie es weitergehen soll. Meine Frau gab mir die Kraft und Gewissheit, dass wir es gemeinsam schaffen würden.» 2012 wurde die Infrastruktur des Familienbetriebs ausgebaut und mit modernen Pferdeboxen erweitert. Das körperliche Handicap behindert ihn seither arbeitstechnisch kaum mehr. «Felix der Glückliche» rollt problemlos durch die Ställe oder ins Reiterstübli.

 

#wheelchaircurling #training #pyeongchang2018 #teamSUI #two #months #to #go

Ein Beitrag geteilt von Swiss Paralympic (@swiss_paralympic) am

 

Das Olympia-Podest im Visier

2008, also drei Jahre nach seinem Reitunfall, begann der ehemalige Jockey zu curlen. Ein Kollege hatte ihn nach Wetzikon mitgenommen – das war der Beginn einer erstaunlichen Karriere.

Anfang März wird der Quereinsteiger an die Paralympics in Pyeongchang (9. bis 18. März) fliegen. Wagner möchte nicht nur dabei, sondern mittendrin sein im Kampf um die Podestplätze.

Zum Vergleich: An der Heim-WM 2016 schafften die Schweizer Rang vier. Die Halbfinal-Qualifikation muss nach der Round Robin trotz der grossen Konkurrenz das primäre Ziel sein. «Danach ist alles möglich. Wir haben wiederholt bewiesen, dass wir eine Medaille gewinnen können», sagt Wagner, der zuversichtlich ist.

Die Parallelen bei der Arbeit auf dem Hof und dem Eis sind augenfällig: Sowohl der Sportler als auch der Berufsmann strahlen Ruhe aus, gehen überlegt und strukturiert an die Aufgaben heran, sind aber je nach Situation bereit, etwas zu wagen, Risiken einzugehen, Verantwortung zu übernehmen. Nicht alles gelingt, es passieren Fehler. Doch wer sich davon beeinflussen lasse, habe schon verloren, ist Wagner überzeugt.

Das Gesamtpaket muss stimmen

Wäre es anders, hätte der Skip beim Neuaufbau des Rollstuhl-Curlingteams passen müssen. Zuletzt reiste die Mannschaft unter Leitung von Nationaltrainer Stephan Pfister quer durch die Welt, spielte in Südkorea, im Norden Europas oder Kanada, war (und ist) tagelang unterwegs.

Der Aufwand und die Professionalität haben sich im Laufe der Jahre gesteigert. «Dadurch lastet noch mehr Arbeit auf meiner Frau und der Tochter. Heute muss das Gesamtpaket stimmen. Kraft-, Ausdauer- oder Mentaltraining gehören dazu. Wer nicht jeden Bereich auszureizen versucht, hat schon verloren.»

Ob beim mehrfachen Schweizermeister CC Wetzikon, dem mit Marcel Bodenmann (Pfungen) ein weiteres Nationalteam-Mitglied angehört, oder der Schweizer Auswahl, die Aufgabe des Skips bleibt gleich. «Ich muss die Taktik vorgeben, versuchen, die Spieler den Stärken entsprechend einzusetzen», sagt der für Gegner unberechenbare Pferdeliebhaber. Den Hinweis, das verschworene Team bestehe aus grundverschiedenen Typen und sei bestimmt nicht immer einfach zu führen, quittiert er mit einem Schmunzeln.

Seit der SM (Platz 3) Anfang Februar hat der Russiker nur noch die Paralympics im Blickfeld. «Felix soll sich optimal vorbereiten können. Meine Tochter und ich schaffen das schon», sagt Ehefrau Ruth. Danach werde es ruhiger. Durch einen Medaillengewinn würde die Unruhe wegen allfälliger Zusatztermine allerdings länger andauern. Die Wagners nähmen dies gerne auf sich. (Urs Huwyler)

Kommentar schreiben

Kommentar senden