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Grosser Auftritt für Janosch Bär

Pfäffiker swingt auf Zürcher Bühne

Heute Donnerstag feiert das «Estrich Theater» in Zürich die Premiere seines neusten Stücks. Mitten drin ist der Pfäffiker Janosch Bär. Für seine Rolle lernte der
22-Jährige singen und tanzen.

Mittwoch, 30. Mai 2018, 15:44 Uhr Grosser Auftritt für Janosch Bär

Wenn am Donnerstagabend im Zürcher Bernhard Theater der Vorhang aufgeht, gilt es ernst für Janosch Bär. Auf dem Programm steht die Premiere des neusten Stücks des «Estrich Theaters» (siehe Box) – und Bär spielt darin eine der zentralen Rollen. Eine grosse Herausforderung für den Pfäffiker, der erstmals für die renommierte Laientruppe auf der Bühne steht. Mit seinen 22 Jahren ist er der Jüngste im Ensemble – geschont wird er dennoch nicht. «Ich spüre den Druck», sagt er. «Die Erwartungen sind hoch.» 

25 Jahre Estrich Theater
Das Estrich Theater wurde 1993 in Zürich gegründet, um Laienproduktionen auf hohem Niveau und zu erschwinglichen Preisen zu zeigen. Die Proben wurden in der Anfangszeit in einem Estrich durchgeführt, daher der Name. Die Darsteller kommen aus der halben Deutschschweiz und reisen bis zu zwei Stunden für die Proben an. Dafür haben sie die Gelegenheit zur Weiterbildung und erhalten öfters Privatunterricht in Sprache und Ausdruck sowie Gesangsunterricht. Dieses Jahr feiert das Ensemble sein 25-Jahr-Jubiläum. 


Von Regisseurin angefragt


Bis vor einem halben Jahr hätte Janosch Bär von einem derartigen Auftritt nicht zu träumen gewagt. «Theater fasziniert mich zwar seit langem. Bisher war ich aber meistens nur Zuschauer», sagt er. Das änderte sich letztes Jahr, als seine Freundin Seya Kunfermann beschloss, für ihre Maturaarbeit eine Theaterproduktion auf die Beine zu stellen (wir berichteten). «Ich übernahm darin die männliche Hauptrolle, die auch Gesang beinhaltete», sagt Bär. Im Januar führten sie das Stück im Theater Seefeld auf. Die Regisseurin des «Estrich Theaters» sass im Publikum und fragte Bär anschliessend, ob er bei ihr vorzusprechen wolle.  «Sie war gezielt auf der Suche nach einem männlichen Darsteller, der sich auch traut zu singen und tanzen.» So jemanden zu finden sei nicht leicht. Doch brauchte sie genau diese Eigenschaften für ihre neue Theaterproduktion. 

Zum Theater kam Janosch Bär über seine Freundin Seya Kunfermann (rechts), die letztes Jahr für Ihre Maturaarbeit ein Theater auf die Beine stellte, in der Bär die Hauptrolle spielte. (Archivbild: Fabio Meier)


Eintauchen in die Zeit des Swing


Das Stück erzählt die Geschichte der amerikanischen Andrews Sisters, der ersten Girl-Group der Musikgeschichte. Die drei Frauen wurden trotz widrigen Umständen zu Ikonen des Swing, nachdem sie 1938 mit dem jiddischen Song «Bei mir bis du schejn» die Hitparaden der Welt stürmten. Der Name des Songs dient auch als Titel für das Theaterstück. Bär spielt darin den Sänger Bing Crosby, der mit den Andrews Sisters zusammenarbeitete. «Ich mag ältere Musik, vor allem Rock’n’Roll, Crosby war aber noch etwas früher, darum war er mir kein Begriff.» Um sich auf die Rolle vorzubereiten, musste er recherchieren. «Crosby war ein cooler, entspannter Typ und ein Musiker mit viel Herzblut, obwohl er nicht Noten lesen konnte.» 


Intensive Vorbereitung 


Da zu seiner Rolle auch Tanz- und Gesangseinlagen gehörten, musste Janosch Bär viel lernen. «Wir wurden in Steptanz ausgebildet und studierten eine Choreografie ein.» Eigentlich sei er nicht so der Tänzer. «Doch die Nummer ist cool geworden.» Auch Gesangsunterricht war Teil der intensiven Vorbereitung. «Gecoacht wurden wir dabei von der bekannten Musicaldarstellerin Anja Haeseli», erzählt Bär. Daneben fanden wöchentlich Proben statt, vor der Premiere sogar fast jeden Abend. «Ich arbeite daneben Vollzeit. Das war sehr intensiv.» Nicht nur aus zeitlichen Gründen, sondern weil Theater viel mehr sei, als Text auswendig aufzusagen. «Man muss sich echt in die Rolle einfühlen und auch mal über die eigenen Grenzen gehen.» Dennoch bereut Bär nicht, dass er sich auf das Experiment Theater eingelassen hat. «Fazit ziehen, will ich erst, wenn die Aufführungen vorbei sind», sagt er. «Ich werde aber sicher wieder auf der Bühne stehen.» 

Die Premiere des Stücks «Bei mir bist du schejn» findet heute Donnerstag, 31. Mai, um 19.30 Uhr im Bernhard Theater in Zürich statt. Es folgen sieben weitere Aufführungen am 1., 3., 6., 7., 8., 9., und 10. Juni. Für Ticketkauf und weitere Informationen besuchen Sie die Website des Estrich Theaters

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