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Der Bouillon-Tüftler erobert die Schweiz

Der Bouillon-Tüftler erobert die Schweiz

Bouillon aus industrieller Produktion war ihm zu langweilig, also stellte Giuseppe Reveruzzi selbst eine her. Mittlerweile verkauft der Pfäffiker die Nullkommanull-Bouillon in der ganzen Schweiz.

Freitag, 04. November 2016, 18:03 Uhr
Die Küche war sein Labor: Giuseppe Reveruzzi mit seiner «Nullkommanull»-Bouillon. (Bild: Isabel Heusser)

Angefangen hat alles mit einer Frage: Was soll ich nur an Weihnachten verschenken? Etwas Persönliches sollte es sein, fand Giuseppe Reveruzzi. Und beschloss, für Freunde und Familie selber Bouillon herzustellen. Die Gläschen, die der gelernte Koch an Weihnachten verschenkt hatte, kamen gut an. Heute, ein Jahr später, wird die Bouillon des Pfäffikers in der ganzen Schweiz verkauft. «Es ist schon ziemlich schnell gegangen», sagt er und lacht.

Naturbelassen

Ursprünglich hatte er nicht vor, seine Bouillon kommerziell zu vertreiben – handelt es sich doch um ein Alltagsprodukt, das bereits in unzähligen Varianten in den Verkaufsregalen steht. «Ich habe aber gemerkt, dass die Leute selbst gemachte und möglichst naturbelassene Produkte schätzen», sagt Reveruzzi. Industriell hergestellte Bouillon enthalte Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel. «Das braucht es alles nicht.» Reveruzzis Gemüsebouillon besteht aus Gemüse, Salz, Wein, Olivenöl, Kräutern und Gewürzen. «Und sie schmeckt viel besser als herkömmliche Bouillonwürfel.»

So beschloss er, Bouillon für den Verkauf herzustellen. Sehr viel Bouillon. Gemüse im eigenen Saft stundenlang einkochen lassen, würzen, abfüllen. Immer nach Feierabend oder am Wochenende, denn der 27-Jährige arbeitet Vollzeit bei einem grossen Lebensmittelkonzern. «Irgendwann wurde es mir zu viel», sagt Reveruzzi. Nicht nur aus Zeitgründen. «Die ganze Wohnung roch ständig nach Bouillon.» Deshalb entschloss er sich, die Produktion abzugeben.

Ohne Gluten und Laktose

Mittlerweile wird die Bouillon von einem Lebensmittelhersteller im Thurgau erzeugt. Reveruzzi kennt ihn beruflich. Die Produktion abzugeben, sei ihm nicht leichtgefallen, gibt der Pfäffiker zu. «Zum Glück habe ich einen Partner gefunden, der mein Rezept genau umsetzt. Ich vertraue ihm voll und ganz.» Die Hauptverantwortung bleibt beim Pfäffiker.

Mittlerweile werden unter dem Label Nullkommanull monatlich rund 500 Gläschen Gemüse-, Hühner- und Fleischbouillon hergestellt. Die Bouillon kommt nicht nur ohne Zusatzstoffe aus, sie ist auch gluten- und laktosefrei.

Die Läden, in denen Nullkommanull verkauft wird, hat Reveruzzi persönlich angefragt. Die meisten sind Lebensmittelgeschäfte. Ein 160-Gramm-Gläschen kostet zwischen 10 und 11 Franken – deutlich mehr als beim Grossverteiler. «Mir ist deshalb wichtig, dass die Kunden die Geschichte hinter dem Produkt kennen», sagt er. Gemüse und Fleisch stammen aus der Schweiz, «das treibt die Kosten in die Höhe». Ausserdem wird jedes Gläschen von Hand etikettiert. «Es steckt viel Arbeit hinter dieser Bouillon.» Wenn das den Kunden bewusst sei, seien sie eher bereit, den Preis zu bezahlen. «Die Rückmeldungen sind jedenfalls positiv.»

Bouillon bleibt ein Hobby

Mitte November wird Reveruzzi seine Bouillon am Slow Food Market in der Messe Zürich vorstellen. Sein Ziel: das Produkt bekannter zu machen und zusätzliche Abnehmer zu finden. Dennoch soll der Vertrieb ein Hobby bleiben. «Mein Beruf gefällt mir gut.» Privat kocht er kaum mehr Bouillon, doch ein paar Gläschen Nullkommanull hat er immer zu Hause. «Man kann sie sehr vielseitig einsetzen.» Sein Geheimtipp: Hühner- und Fleischbouillon mischen. «Das gibt die Basis für einen tollen Risotto.»

www.nullkommanull.ch

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