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Patrick Schmid: Eine Zauberwelt im Ärmel

Nichts ist spannender als Menschen, die etwas zu erzählen haben. Die Serie «Kopf der Woche» stellt solche Personen ins Zentrum. Diesmal erzählt Zauberer Patrick Schmid aus seinem Leben.

Freitag, 10. Oktober 2014, 21:42 Uhr

Mit einem Zauberer hat der Mann, der das Café in Wetzikon betritt, auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam: Er trägt lange Arbeiterhosen, voll von Staub und Farbspuren. Patrick Schmid kommt direkt vom Plattenlegen an den Interview-Termin. Plattenleger ist sein Hauptberuf. Einen Namen macht sich der gebürtige Wilemer, der heute mit seiner Frau und den zwei Kindern in Wildberg lebt, aber seit einigen Jahren auch als Zauberer. So stand er vor kurzem gerade mit drei Kollegen mit dem Programm «impossible magic» in Wila auf der Bühne. Auftritte und Shows gehören für den 36-Jährigen längst zum Alltag: 25 bis 30 hat er pro Jahr. Zaubern ist für ihn aber dennoch ein Hobby geblieben. Wenn er davon spricht, dann tut er es in einer sehr bescheidenen Art. Kleinere private Anlässe wie Geburtstage oder Hochzeiten sind ihm lieber als die Shows auf grösseren Bühnen. Still und unauffällig zieht er jedoch beim Erzählen eine ganze Zauberwelt aus dem Ärmel.

Allgemeine Magie, Schwebenummern, Comedy – in der Zauberei gibt es verschiedene Sparten. «Jeder Zauberer hat seinen eigenen Stil.» Schmid hat sich auf die Mentalmagie spezialisiert. «Dabei geht es nicht um visuelle Tricks, sondern um Gedankenwelten.» Der Zauberer lässt Leute aus dem Publikum Träume erleben, Zahlen, Farben, Wörter oder Städte auf­sagen, die er durch Menschenkenntnis und Psychologie herausfindet. «Ich lasse sie Wörter aus einem Buch auswählen, oder Namen aus einem Telefonbuch.»

Bei seinen Tricks geht es stets um die Übereinstimmung zwischen der Person aus dem Publikum und dem Zauberer. Dafür brauche er eine gute Menschenkenntnis, sagt Schmid. «Ich achte sehr aufmerksam auf die Körpersprache. Im Grund kann ich nicht Gedanken lesen, aber Körper.» So betrachte er während des ganzen Abends das Publikum, um die geeigneten Personen für seine Tricks auszusuchen. Da diese Tricks auf der Interaktion beruhen, sind sie nur schwer zu üben. Zu hundert Prozent beherrsche er sie nicht, sagt der Hobby-Zauberer. «Die Tricks können bei den Auftritten auch in die Hose gehen.» Etwa, wenn sich jemand gut verstellen oder schauspielern könne. Er versuche aber, in solchen Fällen, konzentriert und professionell weiterzumachen.

Angefangen hat Schmid mit seinem Hobby vor acht Jahren. «Ich bin da durch einen Bekannten reingerutscht, der bereits zauberte.» Zunächst sei es eine grosse Suche gewesen. Schmid nahm an zahlreichen Kursen und Seminaren teil, um sich eine solide Basis zu schaffen – und landete bei der Mentalmagie, seinem heutigen Spezialgebiet. Einen Lieblingstrick habe er nicht. «Ich mache am liebsten, was die Leute mögen.» Das Feedback des Publikums nehme er sehr ernst. Die Leute seien grundsätzlich fasziniert vom Unerklärlichen. Sie wüssten zwar, dass es sich bei der «Zauberei» um Tricks handle, hinterfragen sich aber, wenn sie diese nicht begründen könnte. «Häufig kommen sie nach der Vorstellung auf mich zu und fragen, ob ich wirklich Gedanken lesen kann. Oder sie wollen von mir Auskünfte zu bestimmten Personen haben. Die kann ich ihnen natürlich nicht geben.»

Seine Wahrnehmung habe sich drastisch verändert, seitdem er sich mit der Zauberei beschäftige, sagt Schmid. Überall sehe er potenzielle Tricks und Gegenstände, die er in seine Zauberei einbeziehen könnte. Schon etwas Alltägliches wie ein Werbeplakat könne ihn inspirieren. «Ständig muss ich etwas ausprobieren.» Dann etwa, wenn ihm Karten in die Hände geraten. Auch die Menschen, denen er begegnet, nehme er anders wahr. Eine genaue Beobachtungsgabe ist entscheidend für den Erfolg der Mentalmagie. Das färbt sich auf den Alltag ab.

Sein zweites Standbein, die Praxis als Hypnosetherapeut, helfe ihm dabei, die Menschen noch besser zu kennen und zu verstehen, sagt Schmid. «Ich wende die Hypnose nie auf der Bühne an, sondern nur in meiner Praxis in Wila.» Ziel sei es, Menschen den Weg zu zeigen, wie sie ein freieres Leben führen könnte, frei von Ängsten, Stress oder Phobien. Dabei ginge es um eine andere Art von Gedankenwelten.

Die Zauberei findet für den Wildberger nicht nur auf der Bühne statt, sondern auch in den eigenen vier Wänden. «Ich probiere immer mal wieder Tricks zu Hause aus – auch ohne Vorankündigung. Aber meinen Kindern kann ich nichts mehr vormachen. Sie kennen meine Zauberei schon in- und auswendig.» Die beiden Kinder im Alter von 5 und 7 Jahren üben sich selber fleissig im Zaubern. Die Begeisterung des Vaters hat sie angesteckt. Schmid erfährt aber nicht nur positive Reaktionen. Für einige Menschen stehe es fest, dass die Zauberei nicht existiere und alles nur ein Schauspiel sei. «Das geht bis hin zur Abwendung.» So hätten ihm verschiedenste zu verstehen gegeben, dass die Magie ein «Werk des Teufels» sei und sich distanziert. Schmid sieht es gelassen: «Jeder darf seine Überzeugung haben.»

Obwohl er mit der Zauberei ein aufwändiges Hobby betreibt, schafft Schmid sich in seiner Freizeit auch noch Raum für anderes. «An erster Stelle steh immer die Familie. Das ist mir ganz wichtig», sagt er. Daneben spielt er auch leidenschaftlich Örgeli und Bass. Die Zauberwelt biete aber einen einzigartigen Kontrast zum Alltag. «In der hektischen Zeit braucht man diese illusionäre Welt. Sich faszinieren lassen und Wunder erleben – das ist ein Bedürfnis.»

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