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Vandalen im Lindauer Wald

Waldsofa fällt einem Lagerfeuer zum Opfer

Unbekannte verwüsteten die Feuerstelle der Waldspielgruppe Winterberg und verbrannten Teile des Waldsofas. Die Leiterin Miriam Villegas sucht Zeugen.

Xenia
Klaus
Donnerstag, 25. Januar 2018, 08:27 Uhr Vandalen im Lindauer Wald
Miriam Villegas leitet die Waldspielgruppe, die das Waldsofa jeden Montag benutzt. Bild: Mano Reichling

Um die Feuerstelle am Waldrand unweit der Schule Winterberg steht das Waldsofa, ein rundes, schulterhohes Gebilde aus Ästen und Pfählen. Es sieht neu aus, viele der Pfähle sind kaum verwittert, der Platz davor ist sauber. Das war vor Kurzem noch anders: Unbekannte haben das Waldsofa Ende Jahr beschädigt und den Platz verwüstet. 

Der Wald ist an dieser Stelle eher licht. Gerade deshalb eignet er sich als Dreh- und Angelpunkt für die Waldspielgruppe, die Miriam Villegas jeden Montag leitet. «Das Waldsofa ist von uns, es schützt die Kinder vor dem Wind während sie essen. Es ist ein ‹Nest› für sie», sagt Villegas. Mit zwölf Kindern zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren spielt sie bei Wind und Wetter im Wald.

Lagerfeuer mit Waldsofa-Holz 

«Wir grillieren meistens, den Rest vom Tag spielen wir oder entdecken einfach den Wald», so Villegas. Ob auch die Täter grilliert haben, ist nicht bekannt. Sicher aber haben sie ein Feuer gemacht: Villegas legt die Hand auf einen der Holzpfähle, die das Waldsofa zusammenhalten. «Von denen waren viele herausgerissen und verbrannt.» Verfeuert wurden auch die abgeschnittenen Baumstämme, die im Rondell stehen und den Kindern als Hocker dienen. Die meisten weisen deutliche Brandspuren auf, manche sind komplett verkohlt. Zudem seien Glasflaschen und weiterer Abfall um die Feuerstelle verteilt gewesen, sagt Villegas.

Entdeckt wurde der Abfall und der Schaden von Daniel Burkard. Er ist Vater eines der Spielgruppenkinder. An jenem Montag war er als Helfer in der Spielgruppe und ging vor, um ein Spiel vorzubereiten. «Es hat mich traurig gemacht», sagt er. Das Sofa habe man erst im Herbst unter Mithilfe der Eltern restauriert, darin stecke viel Arbeit.

 Angst vor Verletzungen

Burkard blieb genug Zeit, um den Platz sauber zu machen und die Pfähle, die nicht verfeuert wurden, wieder in den Boden zu rammen. Deshalb hätten die Kinder einen normalen Waldtag verbringen können. «Aber die Angst ist natürlich da, dass man einen Scherben übersieht und sich ein Kind daran verletzen könnte», so Burkard.

 Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Kind Scherben gefunden hat, sagt Villegas. Zu Verletzungen sei es noch nie gekommen. «Das ist ein Glück», so Villegas. Denn die Verunstaltung des Platzes sei kein Einzelfall. Im letzten halben Jahr sei er vier Mal «gröber verunreinigt» worden. «Wir machen uns Sorgen, dass sich die Waldbesitzer ärgern und uns die Benutzung nicht mehr erlauben.»

Neben den Sorgen bedeuten die Verwüstungen auch einen Mehraufwand für die Spielgruppenleitung: Villegas, Burkard und seine Frau verbrachten einen Tag mit der Reparatur des Sofas. Dass Eigentum der Spielgruppe verbrannt wurde, sei ein neuer Tiefpunkt und so noch nie vorgekommen. 

Burkard und Villegas nehmen auf Grund der vielen Bierflaschen an, dass der Schaden von einer Gruppe feiernder Jugendlichen verursacht wurde. Ihm sei aber wichtig, dass man nicht alle über einen Kamm schere, so Burkard. «Wir haben auch schon beobachtet, wie eine Gruppe von Jugendlichen den Platz benutzte und danach picobello aufräumte.» Das habe ihn gefreut.

«Ich bin nicht so alt, dass ich kein Verständnis mehr für feiernde Jugendliche habe», sagt Villegas. Deshalb habe sie auf eine Anzeige verzichtet. Sie setzt lieber auf Kommunikation: Wenn sich ein Täter bei ihr melden würde, wolle sie nur das Gespräch suchen. Falls es aber wiederholt zur Beschädigung von Eigentum der Spielgruppe kommen sollte, werde sie sich überlegen, Anzeige zu erstatten.

Das Bewusstsein schärfen

Im vorliegenden Fall begnügen sich Villegas und Burkard mit dem Zeugenaufruf, den sie im «Lindauer» platziert haben. Bisher seien keine Hinweise eingegangen. Es sei aber auch nicht das primäre Ziel, die Täter zu finden. «Durch den Aufruf hoffen wir vor allem, das Bewusstsein der Leute für die Problematik zu schärfen», so Villegas. Sie finde es kein Problem, wenn der Platz gebraucht werde. Im Gegenteil: «Es ist ein schöner Platz, ich finde es toll, wenn er rege genutzt wird.» Von den Besuchern erwartet sie lediglich, dass sie nichts beschädigen und hinter sich aufräumen. «Der Natur und den Kindern zuliebe. Und weil man das einfach so macht.»

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