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Zentrumsplanung geht in die nächste Runde

Die Entwicklung im Zentrum Effretikons geht weiter. Die nächste Planungsphase basiert auf Ergebnissen aus Gesprächen des Stadtrats mit Grundeigentümern. Sie haben zum Teil bereits Pläne für ihre Liegenschaften.

Dienstag, 27. September 2016, 20:13 Uhr
Die Liegenschaften Bahnhofstrasse 19 und 21 in Effretikon: Diese zwei Gebäude wurden im Sommer an die Bereuter-Gruppe verkauft. (Bild: Nicolas Zonvi)

Die Interessen von Grundeigentümern im Zentrum Effretikons sind verschieden. So verschieden, dass ein grosser Wurf wie die ursprünglich geplante Überbauung Mittim scheiterte, wie Stadtpräsident Ueli Müller (SP) anlässlich der neusten Entwicklung westlich des Bahnhofs sagt. «Unser aktueller Weg ist pragmatischer. Nach der nächsten Planungsphase können wir aufzeigen, was unter den jetzigen Verhältnissen möglich ist und was nicht.»

Verschiedene Interessen

Zum Auftakt der ersten Planungsphase für das Gebiet westlich des Bahnhofs Effretikon unter der Federführung des Stadtrats hat dieser für 50 000 Franken einen Auftrag vergeben: Die Staufer & Hasler Architekten aus Frauenfeld sollen ­aufgrund von Konzeptstudien mögliche Baumassen und Dichteverteilungen ausloten sowie verschiedene Bebauungsszenarien und Erschliessungsvarianten studieren.

Begleitet werden sie dabei von Müller sowie der Sicherheitsvorsteherin Salome Wyss (SP), Hochbauvorstand Reinhard Fürst (SVP) und Tiefbauvorstand Urs Weiss (SVP). Zum Abschluss wird ein Richtprojekt erstellt, das in den Masterplan einfliessen wird. Basierend darauf, sollen spätere private Gestaltungspläne erstellt werden (wir berichteten).

Grundlage für diese Pla­nungsphase sind Gespräche mit Grundeigentümern, die der Stadtrat in den letzten Monaten geführt hat. «So haben wir erfahren, wer mitmachen will und welche Interessen vorhanden sind», sagt Ueli Müller. Die Si­tuation habe sich seit den Bemühungen des inzwischen verstorbenen Arealentwicklers Hans Hänseler und seinem privaten Gestaltungsplan Mittim aber nicht gross verändert.

«Es sind immer noch dieselben Eigen­tümer, die nicht dabei sind», so Müller. Er hat grundsätzlich aber ein gutes Gefühl, was die neue Zentrumsplanung angeht. «Die Eigentümer sind zufrieden, dass wir sie in die Gesamtplanung miteinbeziehen. Sie fühlen sich abgeholt.» Auch wenn die Interessen verschieden sind, wie der Stadtpräsident sagt. Die einen wollen ihre Liegenschaften verkaufen, andere weiterhin darin wohnen und abwarten, wie die Planung ausgeht, wieder andere wollen gar keine Veränderung. Diejenigen, die abbrechen und neu bauen möchten, wünschen eine möglichst hohe Ausnützung ihrer Grundstücke.

Win-win-Situation

So etwa Marco Bereuter, Inhaber der Bereuter-Gruppe in Volketswil. Das Unternehmen hat im Sommer dieses Jahres drei Liegenschaften an der Bahnhofstrasse 19, 21 und an der Bruggwiesenstrasse 1 von der Familie Tosoni abgekauft (siehe Box). Bereuter will die bestehenden Liegenschaften abreissen und einen Neubau erstellen. Die Vorgehensweise des Stadtrats hält er für gut, das ergebe eine Win-win-Situation. «Dank einem Gestaltungsplan ist eine höhere Ausnützung der Parzelle möglich, und die Stadt profitiert von der Aufwertung des Zentrums.» Bereuter liebäugelt damit, wei­tere Parzellen zu kaufen oder mit anderen Eigentümern einen gemeinsamen Gestaltungsplan zu erarbeiten. Solche Zusammenarbeiten machen laut dem Stadtpräsidenten durchaus Sinn – zum Beispiel damit Tiefgaragen oder Zufahrtsstrassen gemeinsam geplant werden.

Die Bereuter-Gruppe hat noch weitere Liegenschaften in Effretikon: an der Gartenstrasse, der Illnauerstrasse und der Tagelswangerstrasse; das neue Hotel Rubus gehört ebenfalls ihr. «Das hat sich in den letzten Jahren so ergeben», sagt Bereuter und lacht. Das liege aber nicht nur daran, dass Illnau-Effretikon seit 1953 sein Bürgerort und somit ein Stück Heimat sei. «Die Stadt hat Potenzial. Die Lage nahe Winterthur, Kloten und Zürich ist super.»

Der Unternehmer ist der Meinung, dass nun endlich etwas geht. «Die Stadt hat erkannt, dass sie etwas machen muss.»
Er glaubt aber nicht, dass er vor 2020 bauen kann. An solchen Orten brauche es Zeit für die Entwicklung. «Das zahlt sich meistens aber aus.»

Offen für Gespräche

sind offen für Gespräche mit der Stadt. So etwa die Familien Corrodi, Wegmann, Sommer und Löffel, der drei Liegenschaften an der Bahnhofstrasse und der Bruggwiesenstrasse gehören. «Etwas Konkretes ist noch nicht spruchreif. Wenn, dann machen wir aber etwas gemeinsam», sagt Urs Corrodi. Dieter Burkhalter, Eigentümer des «Bürohauses» im Hinterbüel Süd – seiner Mutter gehören zwei Liegenschaften westlich des Bahnhofs –, zeigt sich ebenfalls gesprächsbereit. «Ein Verkauf der Liegenschaften kommt zurzeit aber nicht in­frage.»

Metzgerei Tosoni hat zugemacht
Schluss nach 56 Jahren
Enrico und Lucia Tosoni führten seit 1960 eine eigene Metzgerei. 18 Jahre in Zürich, 38 in Effretikon an der Bahnhofstrasse 19. Nun schlossen die beiden 82-Jährigen ihr Geschäft am letzten Samstag. Es sei Zeit, sich mit dem Ruhestand zu befassen. In die Räumlichkeiten wird neu die Ziegler Metzg einziehen, die bereits Filialen in Oerlikon und Neerach hat. Vorgesehen ist, dass das Geschäft auch bleiben kann, wenn die Bereuter Gruppe als Eigentümerin die Liegenschaft abreissen und neu bauen wird. Die Mitarbeiter der Tosoni Metzg werden alle von Ziegler übernommen. Die neue Metzgerei ist ab Samstag, 1. Oktober offen.

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