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Grosse Betroffenheit nach Schiessunglück in Kyburg

Sportgerät oder Tötungsinstrument – nach dem Schiessunfall in Brünggen wird die Frage diskutiert, ob Schusswaffen zu Hause gelagert werden sollen.

Mittwoch, 21. Oktober 2015, 17:57 Uhr

Ein kleiner abgelegener Weiler mit nur zirka 22 Familien – in Brünggen lebt es sich ruhig und unauffällig. In den Herbstferien sogar noch ein bisschen ruhiger, so schien es. Doch vor gut einer Woche wurde der Ort zum Schauplatz eines turbulenten Geschehens, als im Keller eines Einfamilienhauses ein 16-jäh­riger Jugendlicher mit einer Schusswaffe seinen gleichaltrigen Kollegen schwer verletzte. «Der Vorfall ist sehr tragisch, und wir sind schockiert», sagt Gemeindepräsident Kurt Bosshard. Aus Gründen des Personenschutzes könne er sich nicht näher zu der betroffenen Fa­milie äussern. Auch für die ­Gemeinde bleiben noch einige Fragezeichen in dem Fall.

Diskussion über Aufbewahrung

Laut Jugendanwaltschaft See/Oberland, die den Fall betreut, handelt es sich bei der Waffe um eine Pistole aus dem Umfeld des Jungen, der geschossen hat. Die Untersuchungen zu dem Fall sind aber noch im Gange. Offen ist, wie die Jugendlichen zu der Pistole kamen und ob die Besitzer der Waffe allenfalls die Aufbewahrungspflicht verletzt haben.

Die Frage, ob Schusswaffen überhaupt in Privathaushalten aufbewahrt werden sollen, wird auf ZO-Online kontrovers diskutiert. «Gibt es einen Grund, weshalb Menschen eine Schusswaffe, ein Tötungsinstrument, zu Hause haben sollten? Nein», heisst es in einem Kommentar. «Verantwortungsvolle Sportschützen wie ich haben ihre Waffen im Waffentresor und den Schlüssel am Mann. So kann nichts passieren», schreibt ein anderer Kommentator.

Auch eine Bewohnerin von Brünggen. die ihren Namen nicht in der Zeitung sehen will, äussert sich zu der Diskussion. Das Verbieten von Waffen betrachtet sie nicht als die richtige Lösung. «Denn dadurch werden sie erst recht interessant.» Dass Mitglieder von Schützenvereinen Waffen zu Hause ­haben, störe sie nicht. «Meine Kinder waren auch im Schützenverein Kyburg und lernten bereits in jungen Jahren, mit dem Sturmgewehr umzugehen», sagt sie. «Ein wichtiger Teil der Ausbildung bestand darin, dass mit einer Waffe nicht gespielt wird.»

Gesetz gegen Missbrauch

Die Unsicherheit in dieser Angelegenheit bleibt dennoch spürbar. So hat der Präsident eines Sportschützenvereins kurzfristig alle Aussagen ­zurückgezogen, nachdem er sich ausführlich zum Thema Waffenaufbewahrung geäussert hatte. Durch das Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition soll der Missbrauch bekämpft werden. Grundsätzlich ist die Lagerung im Privathaushalt nicht verboten, allerdings müssen Waffe und Munition getrennt aufbewahrt werden. Ob dies im Falle der drei Jugendlichen gegeben war, wird weiter abgeklärt.

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